Fortschrift.net, oder: Roman-Autoren schreiben los, Leser sind live dabei

fortschrift-novel-in-progress„Morgen mehr“, versprach erst kürzlich Tilman Ramstedt, und lieferte im Verlaufe vieler Wochen Seite und Seite seines neuen Romans — sofern man diese Work in Progress abonniert hatte. Diese neue Form der crowdgefundeten Live-Literatur macht jetzt kräftig Schule: mit Fortschrift.net startet eine Plattform speziell für diesen Zweck: „Sie zahlen einmalig 8,99 Euro und haben dafür so lange Zugriff auf das gerade entstehende Buch, bis der Autor es fertig geschrieben hat“, verspricht Fortschrift-Gründer Matthias Matting, vielen aus der Indie-Szene schon bekannt als Betreiber der Selfpublisher-Bibel.

Neue Folge dreimal pro Woche

Die Aktualisierungen erfolgen mehrmals wöchentlich – „je nachdem, wie intensiv die Muse geküsst hat“, in der Regel mindestens drei mal pro Woche. Am Ende erhält man dann das komplett lektorierte E-Book kostenlos. Apropos: anders als bei Tilman Ramstedts Experiment gibt es in der „Novel in Progress“-Phase zwischen Autor und Publikum auf Fortschrift.net keinen Lektor oder Verleger als Filter. Alles wird so veröffentlicht, wie es dem Autor bzw. der Autorin gerade aus der Feder fließt. Spätere Änderungen sind natürlich nicht ausgeschlossen — woran die Mitlesenden nicht selten auch beteiligt sein werden: sie sind nämlich aufgerufen, Live-Feedback zu geben.

Bereits sechs Indie-Autoren an Bord

Zu den bereits auf Fortschrift.net avisierten Autoren gehört Matthias Matting selbst — der nicht nur als Sachbuch-, sondern auch als Romanautor unterwegs ist, wie der Titel „Der Mann, der nie Glück hatte“ zeigt. Die Fortsetzung „Die Frau, die zuviel träumte“ soll nun auf Fortschrift.net unter den Augen der LeserInnen entstehen. Zum Start sind mit Belà Bolten (Projekt „Spiegeltod“), CJ Crown („School of Love“), Siegfried Langer („Zwanzig Sekunden Ewigkeit“ u.a. auch bereits weitere erfolgreiche Selfpublisher an Bord.

Autoren erhalten 65 Prozent der Erlöse

Die Autoren — bzw. Verlage, denn für sie ist die Plattform ebenfalls offen — erhalten 65 Prozent der Erlöse der zahlenden Leser. Über spezielle Coupons können die Autoren allerdings auch Gratis-Zugänge an ausgewählte Fans verteilen. Die im Hintergrund genutzte E-Commerce-Schnittstelle von Plenigo hat übrigens schon der Hanser Verlag genutzt, um Tilman Ramstedts Schreib-Performance zu vermarkten. Als Plattform diente damals Startnext — mit Fortschrift.net setzen Matting und seine Mitstreiter dagegen nun auf ein Standalone-Konzept.

(via Buchreport & Selfpublisherbibel)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".