Home » E-Book-Handel

Flatrate für E-Books vorerst nicht in Sicht

12 Feb 2009

Eine Insel mitten im Ozean, mit optimaler Kulturversorgung, alles (fast) für umsonst: das ist bisher eine Utopie (z.B. in Arno Schmidts 50er-Jahre-Roman “Gelehrtenrepublik“). Doch wenn es nach Ron Berry geht, könnte es eine solche mediale Insel der Seeligen bald geben, wenn auch nicht im Ozean, sondern in der irischen See, und zumindest für Musik. Der auf der Isle of Man für E-Business zuständige Mitarbeiter im Finanzministerium hat nämlich eine Art Flatrate für Musik (”blanket license” bzw. “file sharing fee”) vorgeschlagen. Sie soll über eine allgemeine Abgabe finanziert werden, die jeder User an den jeweiligen Internet-Anbieter entrichtet.

Die Isle of Man gehört zwar zu Großbritannien, hat jedoch ein eigenes Parlament und könnte ein ensprechendes Gesetz verabschieden. Auch technisch wäre das als Steuerparadies bekannte Eiland für so einen Versuch eine gute Adresse: die meisten Haushalte verfügen dort über Breitband-Anschlüsse, ein flächendeckendes 3G-Mobilfunknetz gibt es dort schon seit 2001. , WiFi und !? Wer würde da nicht gleich auch an E-Book-Reader wie etwa den denken? Doch zumindest in Deutschland wird es das vorerst wohl nicht geben.

Spätestens seit 1.1.2009 gilt nämlich auch für elektronische Schmöker die . Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat schließlich im letzten Jahr seine E-Book-Politik festgezurrt: Buch ist Buch, solange man es liest und nicht hört jedenfalls. Zumindest den Buchhändlern ist das recht: Bei einer internen Umfrage schlossen sich zuletzt 69 Prozent der teilnehmenden Buchhandlungen dem Argument an,

die Politik des Börsenvereins ’sei richtig, denn E-Books sind auch Bücher’. Nur 11 Prozent Zustimmung bekam die These, die Preisbindung sei ‘falsch, denn E-Books sind hier nicht vergleichbar’.

E-Book-Händler sind da jedoch anderer Meinung, so etwa Falk Kühnel, der selbst das Gerät Cybook in Deutschland vertreibt. Im -Stammland USA dagegen sind die meisten E-Books deutlich billiger zu haben, und zugleich wachsen die Verkaufszahlen. Genau das hat offenbar die Gralshüter der deutschen Buch(handlung-)kultur nervös gemacht und zu einer sehr plötzlichen Änderung der bisherigen Politik geführt. Manche Bouquinisten glauben offenbar, mit Mondpreisen den E-Book-Handel “stabilisieren” zu können: der lesende homo oeconomicus greift dann doch lieber gleich zum Paperback.

In der Realität könnten das zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, siehe Musikpiraterie. Literarische Freibeuter könnten den Beweis antreten, dass im Zeitalter des peer2peer-Filesharings ein E-Book doch etwas anderes ist als ein Buch aus Papier. Das scheint aber niemanden so richtig zu interessieren. Letzlich ist es in der Musikindustrie sogar ganz ähnlich. Ron Berry von der Isle of Man über die starken Vorbehalte gegenüber der Kulturflatrate:

“A lot of people in the business are concerned with how much money they are losing, but not with how much money they could make”.