Fast jedes zweite Buch in den USA wird online gekauft – egal ob E-Book oder Print-Buch

Die neueste Bowker-Studie („2013 U.S. Book Consumer Demographics & Buying Behaviors“) dürfte dem stationären Buchhandel Tränen in die Augen treiben – denn in den USA nähert sich der Moment, in dem der Online-Handel endgültig die Oberhand gewinnt: im Jahr 2012 wurden bereits 44 Prozent aller Bücher über das Internet verkauft (gegenüber 39 Prozent in 2011), wobei E-Books hier mit eingerechnet sind. Mit anderen Worten: fast jedes zweite Buch gelangt zum Kunden, ohne dass es jemals eine Buchhandlung von innen gesehen hätte. In Deutschland liegt der kumulierte Online-Anteil leicht oberhalb von 25 Prozent.

And the winner is … Amazon

Hauptprofiteur bei dieser Entwicklung ist natürlich Amazon, und das sogar stärker als jemals zuvor. Denn ausgerechnet Hauptkonkurrent und ewiger Branchenzweiter Barnes&Noble musste im Bereich von E-Books Federn lassen, und war umsatzmäßig stärker noch als 2011 auf den Verkauf von gedruckten Büchern angewiesen. Nur noch vier Prozent des Umsatzes wurde mit E-Books generiert, der Branchendurchschnitt liegt bei 11 Prozent. Für Jo Henry, Chef von Bowker Market Research, scheint die Sache klar – E-Books krempeln die Branche eben grundsätzlich um: „Hier geht es nicht nur um einen Wechsel von einem Format zum anderen. E-Books bewirken eine grundsätzliche Verhaltensänderung bei den Buchkäufern“. Mit anderen Worten – die elektronischen Schmöker gewöhnen die Kunden daran, nicht nur online einzukaufen, sondern grundsätzlich außerhalb des traditionellen Buchhandels, vor allem bei Amazon.

Buchhandel stirbt, Print-Buch boomt

Bei einigen populären Genres wie Thriller, Herzschmerz oder Sci-Fi werden Bowker zufolge bereits über 20 Prozent der Umsätze mit E-Books erzielt. Der schleichende Tod des Buchhändlers an der Ecke führt in den USA aber interessanterweise nicht zum Aussterben des Printbuchs an sich – eher im Gegenteil: denn 2012 wurden knapp 300.000 Neuerscheinungen klassischer Verlage in die Regale gestellt, 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Wirklich dramatisch war das Wachstum im Bereich Reprint und Print-on-Demand – der „ISBN“-Output lag 2012 bei 1,4 Millionen Titeln. Ein wichtiger Faktor dabei dürfte auch Self-Publishing spielen, angetrieben etwa durch Amazons POD-Service „Createspace“, der in den USA schon seit fast zehn Jahren aktiv ist.

Abb.: flickr/Boston Public Library (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".