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Falling in eBook Love: Elektronischer Ortstermin in der Berliner Lettréetage

30 Nov 2015 1 Kommentar

barbara-liebeHass ist krass, Liebe ist krasser. Das zeigte sich im doppelten Sinne gestern beim “E-Book-Love”-Abend in der Kreuzberger Lettrétage, dem Abschluss-Event des Orbanism-Festivals. Denn vielleicht gibt’s ja wirklich Gründe, E-Books zu hassen. Es gibt aber viel mehr Gründe, E-Books zu lieben. Das fängt schon mit dem krassen medialen Versprechen an, die Weltliteratur für alle und überall auf elektronischem Weg verfügbar zu machen.

Für die Veranstalterinnen und E-Book-Verlegerinnen Christiane Frohmann (Frohmann Verlag) und Nikola Richter (Mikrotext) fing so tatsächlich auch das Falling in Love mit E-Books an – in diesem Fall mit Edgar Allan Poe (The Oval Portrait) und Thomas Mann (Tod in Venedig) auf dem Smartphone-Display. Mittlerweile geben sie selbst E-Books heraus, mit einem deutlich gegenwärtigeren Ziel: von Hand kuratierte Content-Häppchen aus dem unendlichen Manuskript namens Internet.

Was u.a. auch den wichtigen Vorteil hat, krass schneller und aktueller sein zu können als traditionelle Publisher – und das wiederum ermöglicht dann auch gesellschaftliche Interventionen zu brennenden Themen wie etwa der angeblichen “Flüchtlings-Krise”, deren Bezeichnung selbst ja auch schon ein Krisensymptom ist. So wurde E-Book-Love vor allem zur Preview-Lesung für den in wenigen Tagen bei Mikrotext erscheinenden Sammelband “Willkommen – Blogger schreiben für Flüchtlinge”.

Schon im Sommer startete unter dem Hashtag #BloggerFuerFluechtlinge eine große Crowdfunding-Aktion, bei der mehr als 100.000 Euro zusammenkamen. Das Mikrotext-Projekt dagegen ist eine Crowdsourcing bzw. Crowdpublishing-Anstrengung, für die Lektoren, Autoren und Verlagsteam unentgeltlich in die Bresche gesprungen sind. Herausgekommen sind insgesamt fünfzig Geschichten, Meinungen und Statusmeldungen deutscher Blogger, die ein deutliches Zeichen der Solidarität setzen.

Vorgestellt wurden in der Lettrétage etwa Wulf Kreutels Facebook-Polemik gegen Hasskommentare, Eindrücke von Andrea Schütte Bubenik aus der pädagogischen Arbeit mit jugendlichen Refugees oder ein Kommentar von Sebastian Christ zur politischen (Not-)Lage der Nation. Besonders beeindruckt hat mich aber auch Michaela Maria Müllers Lampedusa-Reisebericht (“Vor Lampedusa. Eine Reise“), ein längerer, sehr persönlicher Essay, der im Frohmann-Verlag erschienen ist…

Abb.: Barbara (cc-by-sa-3.0)

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