Fachbücher online lesen, und zwar kostenlos: PaperC macht’s möglich

PaperC Fachbücher kostenlos online lesen_Bild_Pixelio_Marianne Hauck.gifKopieren geht über Studieren, besagt eine alte Studentenweisheit. Doch die alte Zettelwirtschaft ist dank PaperC zukünftig passé. Das Startup-Unternehmen aus Berlin stellt komplette Fachbücher als E-Books zur kostenlosen Online-Lektüre zur Verfügung. Bezahlen muss man bei PaperC nur für Seiten, die auf die Festplatte heruntergeladen bzw. ausgedruckt werden. Schon jetzt sind Branchenriesen wie Springer, DeGruyter und Addison Wesley mit im Boot.

Kopiert wurde an Unis schon immer massenhaft – doch dank PaperC profitieren jetzt auch wieder die Verlage davon

Zehn Kilobyte wiegen gar nichts, zehn Kilo Papier dagegen viel. Martin Fröhlich pendelte regelmäßig zwischen seinen Studienstandorten Berlin und Sankt Gallen – mit schwerem Gepäck. Dann kam ihm die Idee zu einer Internet-Plattform, die das Herumschleppen von Fachbüchern überflüssig macht. Fachbücher als E-Books gab es allerdings schon. Doch mit seinem Kommilitonen Felix Hofmann und Lukas Rieder überzeugte er die Fachbuchverlage davon, kostenlose E-Book-Versionen anzubieten: schließlich werden jeden Tag tausende Seiten aus Lehr- und Fachbücher kopiert. Das meiste Geld bleibt im Copy-Shop. Bei PaperC läuft das anders. Denn jede Seite, die aus dem online verfügbaren E-Book zu Papier gebracht wird bzw. als PDF heruntergeladen wird, kostet zwischen fünf und zehn Cent. Ein Teil geht direkt an den Verlag. Die Nutzer profitieren dafür von diversen Zusatzfunktionen zur Bearbeitung von Texten oder zum Erstellen von Notizen, die mit anderen Lesern ausgetauscht werden können. Außerdem ist die mobile Lektüre auf E-Book-Readern möglich.

E-Books kostenlos online lesen – für Fachbuchverlage ist das anders als im Belletristik-Sektor kein Schreckgespenst mehr

Inzwischen konnte man 15 Verlage von dem neuen Modell überzeugen, darunter Springer und Addison-Wesley. Anders als bei der Belletristik ist „Gratis“ für den Fachbuch-Sektor offenbar kein Schreckgespenst mehr. Das Kostenlos-Modell wird als clevere Strategie gegen die zunehmende Buch-Piraterie zu goutiert : “Wir sind für Verlage gerade deswegen interessant, weil wir keine illegale Verbreitung von Fachbuchinhalten fördern! Wir sind die Weiterentwicklung des Fachbuchhandels, da müssen die Verlage in Zukunft aufspringen!”, so PaperC-Erfinder Fröhlich gegenüber dem Gründer-Blog deutsche-startups. Tatsächlich gibt es immer mehr „Trittbrettfahrer“. Gerade gab PaperC bekannt, dass neben De Gruyter nun auch der auf Medizin spezialiserte ABW Verlag mit dabei sein werde. Dadurch kommen im Verlauf des Monats August hunderte Titel aus den Bereichen Medizin, Germanistik, Mathematik, Philosophie und Rechtswissenschaften dazu. Zur Zeit können registrierte Nutzer ingesamt knapp 200 E-Books kostenlos online lesen.

Bild: Pixelio/Marianne Hauck

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".