Extrablatt, extraplatt: Neues E-Paper im Tabloid-Format von LG Display
Ein Hauch von Minority-Report scheint durch die U-Bahn von Seoul zu wehen – in den Händen der Fahrgäste sieht man großformatige Zeitungen, die sich bei näherem Hinsehen als ultraflache, extrem biegsame E-Reader entpuppen. Was der koreanische Hersteller LG Display auf seinen PR-Fotos da als Prototyp präsentiert, kann sich wirklich sehen lassen: E-Paper mit 19-Zoll-Diagonale, Kantenlänge 25 mal 40 Zentimeter.
Die Massenproduktion der 11-Zoll-Variante beginnt im Frühjahr 2010
Bei der Fertigung des nur 3 Millimeter dünnen Materials setzt LG Display auf fortgeschrittene TFT-Technologie, die direkt auf eine flexible Metallfolie aufgebracht wird. Auch beim Gewicht kommt man damit einer echten Zeitung näher: wie die Korea Times berichtet, wiegt der E-Paper-Bogen im Tabloid-Format nur 130 Gramm – und bringt damit nicht einmal mehr halb so viel auf die Waage wie ein herkömmlicher 6-Zoll-Reader mit steifem Rücken. Und von wegen Sci-Fi: Das neue E-Paper ist praktisch serienreif. Die Massenproduktion einer 11,5-Zoll-Variante wird sogar schon in Kürze beginnen – genutzt wird sie u.a. für das Display des Skiff-Readers, den der Zeitungskonzern Hearst Anfang Januar auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas erstmals der Öffentlichkeit präsentiert hatte.
Mediencoup für die Tabloid-Presse: In der Praxis wird es E-Reader mit 19 Zoll wohl nicht geben
Ob dann tatsächlich noch eine Tabloid-Variante hinzukommen wird, ist allerdings fraglich – es ging LG Display mit dem Riesen-Display wohl eher darum, einen Medien-Coup zu landen. Analysten prognostizieren einen E-Reader & E-Paper-Boom für die nächsten Jahre - und der nach Samsung weltweit zweitgrößte Hersteller von elektronischem Papier steckt auch medial seine Claims ab. Machbar ist natürlich in Zukunt vieles - auch zu günstigen Preisen. Denn ähnlich wie früher Zeitungen billig im Rotationsdruck hergestellt wurden, fertigt man in Zukunft E-Paper im Roll-to-Roll-Manufacturing direkt von der Rolle, in beliebigem Format. Theoretisch könnte man in Zukunft sogar eine E-Paper-Version vom legendären Atlas des Großen Kurfürsten abspulen, der in der Berliner Staatbibliothek lagert – das Prachstück misst einen Meter siebzig mal zwei Meter zwanzig(!). Umblättern kann man ihn noch alleine, tragen nur im Team. Elektronisches Papier wäre auch hier eine hervorragende Lösung - und trotzdem total sinnlos. In der Praxis dürfte man schon mit einem Tabloid-Reader nicht nur in der U-Bahn von Seoul auf Dauer schlecht fahren, nicht nur während der Rush-Hour. Denn schließlich muss man so ein Gadget ja auch irgendwie verstauen können. Faltbares E-Paper wird es wohl in absehbarer Zukunft nicht geben – und komplett einrollen kann man aktuelle Varianten auch noch nicht.
Nicht nur die Geräte werden flexibler: der Inhalt wird es auch
Ohnehin ist es ja unwahrscheinlich, dass Reader nur für einen Zweck produziert werden – wie etwa zum Lesen großformatiger Zeitungen, während man für E-Books und selbst für Zeitschriften oder Comics mit weitaus kleineren Formaten zurecht kommt. Werden wir bald auch E-Reader im nordischen Format kaufen können? Wohl kaum. Denn nicht nur die Geräte werden flexibler, der Content wird es auch (Stichwort: Reflowability) – denn er landet schließlich auf vielen verschiedenen Displays. Für mobiles Lesen via E-Paper dürfte sich ein Standard-Format irgendwo zwischen fünf und elf Zoll einpendeln – wenn überhaupt. Ein Großteil der digitalen Lektüre unterwegs findet ohnehin schon heute auf den Displays von Mobiltelefonen ab – und zwar nicht nur in Seoul, Bei Jing oder Tokio.









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