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Exitus nach 244 Jahren: Encyclopaedia Britannica gibt Print-Ausgabe auf

14 Mrz 2012

“When in doubt, look it up in the Encyclopaedia Britannica”, heißt es in einer alten Reklame für das traditionsreiche Nachschlagewerk. Obwohl man heute längst sagt: Schau nach bei Wikipedia, oder besser noch: Frag Google, wurde das Lexikon bisher regelmäßig alle zwei Jahre neu gedruckt. Doch jetzt ist endültig Schluss. Eine weitere Auflage wird es nicht mehr geben: „Über diese Entscheidung haben wir jahrelang nachgedacht. Wir haben uns entschieden, sie jetzt bekanntzugeben, denn es wäre ja nun Zeit für eine neue Printversion gewesen“, so EB-Chef Jorge Cauz gegenüber ABC News. Die erste Ausgabe der wohl berühmtesten Enzyklopädie der Welt erschien 1768, insgesamt erlebte die „EB“ 15 komplette Neuauflagen. Schon einige Jahre vor dem Siegeszug von Wikipedia kam das Unternehmen in die Bredouille – in den Neunziger Jahren wurde das Unternehmen verkauft und später in zwei Bereiche aufgesplittet, neben der eigentlichen Encyclopedia Britannica entstand mit Britannica.com eine selbständige digitale Sparte.

Wiegt 120 Pfund, kostet 1195 Pfund

Die finale Version der 15. Auflage von 2010 umfasst 32 Bände, wiegt 120 deutsche Pfund & kostet 1195 englische Pfund. Dafür bekommt man 65.000 Artikel, 24.000 Fotos und ingesamt 44 Millionen Worte. Doch Papier & Druckerschwärze konnten schon seit längerem nicht mehr über den Medienwandel hinwegtäuschen – mehr als zwei Drittel des Umsatzes macht das Unternehmen Encyclopaedia Britannica online, etwa mit dem Premium-Zugang der Internetversion. Wer sich die EB noch ins Haus bestellt, wählte meistens die DVD-Version, die es bereits ab 39 Pfund gibt und ähnlich umfangreich ist wie die Print-Ausgabe. Mit der iPhone- und iPad-App konnte man zudem schon seit 2010 eine gekürzte Version des Lexikons mobil mit sich herumtragen. Ein ähnliches Schicksal wie der EB könnte übrigens der Brockhaus Enzyklopädie drohen. Die letzte gedruckte Neuauflage erschien 2005 und bescherte satte Verluste, der Verlag ging 2009 im Bertelsmann-Konzern auf. Auch in diesem Fall wird die Zukunft wohl ausschließlich in Apps und Online-Angeboten bestehen.

Abb.: Shishberg/flickr