Evolutionäres Buch-Marketing: Penguin nutzt Dawkins Biomorph-Algorithmen für individuelle Coverbilder

Penguin-biomorpht-Dawkins-CoverPreisfrage: Wer hat das erfolgreichste Mem der letzten vierzig Jahre geschaffen? Ganz einfach: Richard Dawkins. Sein Mem heißt: Mem. Denn dass wir mittlerweile besonders wirkungsmächtige Ideen und Begriffe als eine Art kulturelles Gen bezeichnen, verdanken wir dem britischen Evolutionsbiologen und Autor vieler (populär-)wissenschaftlicher Bestseller wie „The Selfish Gene“, „The Blind Watchmaker“ oder „Climbing Mount Improbable“.

Evolutions-Game mit Schiedsrichter

Schon frühzeitig spannte Dawkins auch clevere Algorithmen ein, um evolutionäre Prozesse auf dem PC-Bildschirm anschaulich zu machen — parallel zu „The Blind Watchmaker“ erschien 1986 ein gleichnamiges Computerprogramm, das verschiedene Generationen zweidimensionaler Strichwesen (von Dawkins „Biomorphe“ genannt) erzeugte. Der Betrachter griff hier selbst in den Mutationsprozess ein, indem er frei nach Gusto bestimmte Exemplare einer Generation auswählte.

Biomorph-Wettbewerb

Der Penguin-Verlag hat die Biomorph-Algorithmen — inzwischen Open Source — jetzt vor dem Aussterben bewahrt und setzt sie ein, um die Neuauflage diverser Dawkins-Titel mit individuellen Covern zu schmücken. Auf der sehr schön gemachten Promo-Page mountimprobable.com kann man zudem selbst per Mausklick Biomorphe erzeugen und an einem Wettbewerb teilnehmen. Die Gewinner erhalten ein Exemplar des gewählten Bandes mit persönlich generiertem Muster. Aber auch für alle anderen Versionen gilt: alles Unikate. Oder besser gesagt: „Kein Cover gleicht exakt einem anderen“.

„Hands-on Darwinian Selection“

„Because the creatures breed in a computer, you can whistle through many generations of evolutions in a matter of minutes. A few minutes of playing with this program gives you a hands-on, vivid feeling for how Darwinian selection works“, schreibt Dawkin selbst über die zweidimensionalen Geschöpfe. Zugleich ist die Aktions-Seite von Penguin natürlich ein schönes Beispiel dafür, wie intelligentes Buchmarketing im Web funktionieren kann.

(via Publisher News)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".