EU-Kommission: DRM & Mehrwertsteuer bremsen E-Book-Handel

E-Books haben in vielen europäischen Ländern mit Wettbewerbsnachteilen zu kämpfen, von der Buchpreisbindung bis hin zu erhöhten Mehrwertsteuersätzen. Ein guter Anlass für EU-Kommissarin Nelly Kroes, mal die Buchbranche an den runden Tisch zu rufen, immerhin ist die Niederländerin ja in der Europäischen Kommission seit 2010 für die „Digitale Agenda“ zuständig. Und dort hakt es ausgerechnet beim vermeintlich grenzenlosen E-Book-Handel via Internet an vielen Stellen. „Wenn Buchliebhaber elektronische Lektüre kaufen wollen, stoßen sie international auf Hindernisse“, umschreibt die Website der EU-Kommission ein grundsätzliches Problem – sprich: viele Copyright-Lizenzen gelten nur innerhalb nationaler Grenzen. Doch dabei bleibt es nicht: „Nach Bezahlung und Download eines E-Books können weitere Einschränkungen auftreten, etwa durch Digital Rights Management“. Das würde den Austausch von Dateien zwischen verschiedenen Geräten behindern, und somit auch die weitere Akzeptanz von E-Books erschweren.

Ein Ziel des Round-Table-Gesprächs war eine gemeinsame Erklärung von Verlagen, Online-Portalen und weiteren Marktteilnehmern, um den politischen Druck für die Lösung der E-Book-Problematik zu erhöhen. Das hat im Prinzip auch geklappt. Zu den Unterzeichnern gehören etwa Libreka-Chef Ronald Schild, Joachim Kaufmann (Carlsen Verlag) und Rüdiger Salat (Holtzbrinck-Verlagsgruppe). Als einzige Vertreterin der eigentlichen Content-Produzenten setzte auch die irische Schriftstellerin Karen Gillece ihren Namen unter die gerade mal zwölfzeilige „Declaration of Ebooks“. Inhaltlich bleibt die Erklärung – wie so oft bei europäischen Agreements für irgendwas – aber leider sehr vage. Viel mehr als der Minimalkonsens, mehr E-Books und E-Reader verkaufen zu wollen, findet sich nicht.

So unterstützen die Unterzeichner etwa, dass es „prinzipiell keine Barrieren beim Kauf von E-Books geben soll, weder territorial noch zwischen Plattformen und Geräten“. Ein Plädoyer zum generellen Verzicht auf DRM allerdings klingt aber wohl anders. Außerdem betont die E-Book-Erklärung die Bedeutung „eines Mehrwertsteuersatzes, der neutral in Bezug auf E-Books ist“, fügt aber im gleichen Atemzug hinzu: „und nicht dem Verkauf von gedruckten Büchern schadet.“ Auf den Verkauf von Print-Büchern dürfte sich vielerorts jedoch bereits eine Angleichung der Steuersätze negativ auswirken. In Deutschland beispielsweise beträgt der Mehrwertsteuer-Rabatt von Print zuungunsten von E-Books momentan satte 12 Punkte, denn auf Gedrucktes entfallen lediglich sieben Prozent Mehrwertsteuer, bei digitaler Lektüre schlägt dagegen der „normale“ Satz von 19 Prozent zu Buch.

Abb.: Midnightglory/Flickr

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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