Erst integriert, dann gekauft: Mozilla schluckt Später-Lese-App Pocket

mozilla-schluckt-pocketDen einen rettet die anonyme Firefox-Crowd, den anderen „rettet“ Mozilla persönlich. Erst gestern war an dieser Stelle das EPUBReader-Add-On für den Firefox-Browser Thema – für dessen Update die User-Gemeinde 25.000 Euro sammelte. Die heutige Breaking News zeigt, wie’s auch gehen kann: Read it Later Inc., das Startup hinter dem Firefox-Helferlein „Pocket“, wurde für einen nicht näher genannten Betrag von der gemeinnützigen Mozilla-Stiftung gekauft. Mit anderen Worten: die zuvor proprietäre Später-Lese- bzw. Später-Anschau-App mit mehr als 10 Millionen aktiven Usern ist jetzt endgültig Teil der nach Open Source-Regeln funktionierenden Firefox-Welt („Internet für Menschen, nicht für Profit“, so das Mission Statement).

Schritt zu mehr Datensouveränität

“Der freie Zugang zu qualitativ hochwertigem Web-Content ist der Schlüssel dazu, das Internet gegen die anschwellende Flut von zentralisierten, geschlossenen Geschäftsmodellen zu verteidigen“, kommentiert Mozilla-CEO Chris Beard den aktuellen Deal. Das Firefox-Konzept setzt dezidiert auf Datensouveränität – gerade auch mit Hilfe des Später-Lese-Features: „Pocket gibt den Leuten das notwendige Werkzeug, um mit Content aktiv umzugehen und ihn miteinander zu teilen, und zwar unabhängig von der jeweiligen Hardware oder Plattform“.

Vom Add-On zum intergrierten Feature

Pocket lässt sich nicht nur im Firefox-Browser bzw. im „Reader-View“ nutzen, sondern auch aus vielen anderen Apps wie Flipboard oder Twitter heraus – die gespeicherten Inhalte können dann auf unterschiedlichsten Geräten vom Smartphone bis zum Desktop-PC angeschaut werden, sowohl online oder offline. Schon 2015 war Pocket vom normalen Add-On zum fest eingebauten Firefox-Feature avanciert. Die enge Verzahnung von Open Source-Browser und proprietärer App hatte bei vielen für Verwunderung gesorgt – mit dem jüngsten Schritt wurde diese Scharte nun ausgewetzt.

Pocket-Team setzt die Arbeit fort

Für die Read it Later-Crew dürfte sich der Verkauf – sicherlich ein mehrfacher Millionen-Deal – zumindest vorerst deutlich glimpflicher auswirken als in der IT-Branche üblich, die meist nur am Know-How interessiert ist: „Pocket wird als Ganzes, als unabhängiger Teil der Mozilla Stiftung weiter bestehen. Wir bleiben in unserem Office, der Name steht weiter an der Tür, die Roadmap wird fortgesetzt“, verkündet Pocket-CEO und Gründer Nate Weiner. Freuen darf sich natürlich auch die Firefox-Nutzergemeinde: ihnen bleiben Pocket und die mit der App gespeicherten Daten nun dauerhaft erhalten, unabhängig vonUnbilden und Fährnissen der Web-Ökonomie.

(via TechCrunch)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".