Erobert Amazon mit neuer Kindle-App das iPhone?

„Was wird mit WhisperSync“? Schon bevor der neue Kindle 2 Anfang Februar in New York präsentiert wurde, machten Gerüchte um die zukünftigen Features für Amazons E-Reader die Runde. Darunter die Möglichkeit, ein E-Book im Kindle-Format nicht nur auf verschiedenen Kindles (zu Hause, im Büro, im Ferienhaus…) zu lesen, sondern auch auf anderen Geräten, insbesondere auf dem PDA, Laptop oder Handy. „Wir arbeiten daran, Kindle E-Books auf verschiedenen Mobiltelefonen verfügbar zu machen“, bestätigte kurz vor der Premiere sogar Amazon-Sprecher Drew Herdener der New York Times. Nur einen Zeitpunkt nannte er natürlich nicht.

Bisher wird mit WhisperSync nur zwischen den Kindles gewispert: wenn man mehrere davon hat

Dann kam bei der Kindle2-Vorstellung in den Räumen einer altehrwürdigen New Yorker Bibliothek erstmal Entwarnung: die „Syncing“-Fähigkeiten beschränken sich bis auf weiteres auf das Synchronisieren zwischen einzelnen Kindles, wenn man denn mehrere besitzt. Nur: Die meisten Menschen besitzen aber auch in den USA bisher überhaupt keinen Kindle, weit verbreitet ist dagegen ein anderes Gadget: das iPhone. Und Apples Erfolgs-Handy dient für viele Nutzer auch als E-Book-Reader.

Mit Kindle-Büchern für das iPhone könnte Amazon den Verkauf von E-Books ankurbeln

Das setzt Amazon unter Druck. Denn Analysten wie Imran Khan von JPMorgan rechnen damit, dass Amazon in diesem Jahr maximal 500.000 neue Kindles absetzen kann. Auch wenn jeder Kindle-Besitzer ein Buch pro Monat im Wert von ca. 8 Dollar herunterlädt, wäre der Kindle-Anteil am Gesamtumsatz von Amazon damit verschwindend gering. Deswegen erwarten Branchenkenner neben Kindle-E-Books auf dem iPod die baldige Einführung einer speziellen iPhone-App, mit der man Kindle E-Books auch auf dem Apfel-Telefon lesen kann: „Denkbar ist eine kostenlose iPhone-App, mit der man direkt neue E-Books auf dem Handy erwerben kann.“ Die iPhone-App als kostenloser E-Reader hätte einen eindeutigen Vorteil: Wäre nämlich jedes Kindle E-Book eine eigene iPhoneApp, müsste Amazon für jeden Download 30 Prozent Provision an Apple zahlen. Auf letztere Methode haben sich Buchhändler wie etwa ScrollMotion eingeschossen, doch warum sollte Amazon von Anfang an auf ein Drittel der Einnahmen verzichten?

Mit dem iPhone als Basis könnte Amazon auch das E-Book-Business in Europa aufmischen

Die iPhone-App hätte jedoch noch einen anderen Vorteil: deutliche Präsenz auf dem hippen iPhone würde die Ausweitung von Amazons E-Book-Business auf Europa erleichtern. Denn bisher gibt es keine Informationen darüber, wann der E-Book-Reader Kindle2 etwa in Deutschland zu kaufen sein wird. Die Konkurrenz dagegen steht bereit: Sony startet in Zusammenarbeit mit der Buchhandelskette Thalia schon im März den E-Reader Verkauf seines Modells PRS 505 in Deutschland. Doch auch Amazon könnte in diesem Jahr noch etwas vorhaben: in seinen Laboren wurden in letzter Zeit zahlreiche Ingenieure gesichtet, die sich mit europäischer Mobilfunk- und Wifi-Technik auskennen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".