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Endlich etabliert: New York Times veröffentlicht ab 2011 E-Book-Bestsellerlisten

15 Nov 2010

new-york-times-bestseller-e-books Ab Januar 2011 fügt die New York Times ihren Bestseller-Listen zwei weitere hinzu – die bestverkauften E-Book-Titel aus den Bereichen Fiction sowie Non-Fiction, also Belletristik und Sachbuch. Zu diesem Zweck wird die Rubrik „Sunday Book Review“ erweitert, die dann insgesamt 16 Bestseller-Listen für Hardcover-Ausgaben und Paperbacks und elektronische Versionen umfasst. Von den Verkaufszahlen her haben E-Books in den USA sich fest etabliert – in diesem Jahr betrug ihr Anteil an den Buchverkäufen insgesamt bereits 9 Prozent.

“Wir hatten ein Auge auf E-Books, seitdem es sie gibt“

Für elektronische Bücher in den USA ist das so etwas wie der Adelsschlag – nach Paperbacks, Bilderbüchern oder Business-Ratgebern werden nun auch die medial eher flüchtigen E-Books in der altehrwürdigen „Sunday Book Review“ gelistet. Das Internet ist allerdings hier auch schon schneller als das raschelnde Zeitungspapier – denn online man kann die Zahlen bereits eine Woche früher lesen. Ab Januar 2011 nun also inklusive E-Books. Zwei Jahre lang hat die NYT nach eigenen Angaben an einem Tracking-System gearbeitet, mit dem sich E-Book-Verkäufe in ähnlicher Form messen lassen wie im Print-Bereich. „Wir hatten ein Auge auf E-Books, seit dem sie auf dem Markt sind“, zitiert die NYT Janet Elder, Redakteurin im Bereich News Survey. „Es war klar das E-Books einen immer größeren Anteil an den gesamten Verkaufszahlen haben würden, deshalb wollten wir unseren Lesern sagen können, welche Titel sich besonders gut verkaufen und wie das Verhältnis zu den Printverkäufen aussieht.“ Aktuellen Zahlen der Association of American Publishers zufolge ist der Zeitpunkt gut gewählt: denn im Vergleich zum letzten Jahr hat sich von Januar bis August 2010 der Anteil von E-Book-Verkäufen am gesamten Buchmarkt von drei auf neun Prozent nahezu verdreifacht. In Deutschland sind die Zahlen zur Zeit dagegen offenbar noch unter der Nachweisgrenze – eine von MediaControl für diesen Herbst versprochene monatliche E-Bestseller-Liste blieb nämlich bisher aus.

Für Amazon waren die NYT-Bestseller schon immer ein Verkaufsargument

Allerdings ist es auch nicht ganz einfach, an die richtigen Zahlen zu kommen. Im Printbereich sammelt die New York Times etwa Stichproben aus einzelnen Buchhandlungen wie auch Buchhandelsketten – so dass die Bestseller-Listen vor allem etwas über Bücher aussagen, die sich im Einzelhandel als verkaufsstark erwiesen haben. E-Book-Verkaufsszahlen dürften sich dagegen wohl eher an wenigen großen Playern wie Amazon oder Barnes&Noble orientieren – denn die verkaufen schließlich einen Großteil des elektronischen Lesestoffs. Die genaue Technik zur Ermittlung der Zahlen wird aber wohl auch in diesem Bereich ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis der NYT bleiben. Klar ist dagegen die Wirkung der Bestseller-Listen: denn wie Umfragen ergeben haben, interpretiert sie tatsächlich die Mehrheit der Buchkäufer in den USA als eine Art Kauf-Empfehlung. Dabei profitieren vor allem weniger bekannte Autoren, die durch das Auftauchen in der Sunday Book Review plötzlich ein ganz besonderes Qualitätssiegel erhalten. Kein Wunder, dass Anbieter wie Amazon oder Barnes&Noble sich schon seit den Neunziger Jahren besonders gerne bei den NYT-Bestsellern gegenseitig unterbieten. Auch bei E-Books wurde von Anfang an Wert gelegt auf möglichst viele und preisgünstige Titel von der NYT-Bestseller-Liste. Denn gerade mit diesem Argument wollte man potentielle E-Reader-Kunden überzeugen, auf elektronische Tinte umzusteigen. Natürlich gibt es mittlerweile ein weiteres Argument – in den Kaufempfehlungen der Unternehmen tauchen Kindle wie auch Nook selbst als Bestseller auf.