Ende der Paywall in Sicht? Erste US-Blätter verabschieden sich von Bezahlschranke

Nomen est omen: der Branchenblog „Newspaper Death Watch“ beobachtet schon seit 2007 das Sterben der nordamerikanischen Tageszeitungen – oder positiver ausgedrückt den Kampf um’s Überleben. Doch nicht alle Survival-Techniken scheinen zu funktionieren. Paywalls zum Beispiel: San Francisco Chronicle und Dallas Morning Star wollen NDW zufolge ihre erst vor kurzem gestarteten Bezahlschranken für Online-Inhalte wieder abschaffen – offenbar waren die Leser dieser Regionalzeitungen nicht bereit, das Modell mitzutragen.

Völlig verabschieden möchten sich die Blattmacher von Paid Content jedoch nicht – so gibt’s den SF Chronicle auch in Zukunft gleich zweimal: auf SFGate.com kann man die meisten Inhalte kostenlos lesen, auf der Anfang 2013 eigens gelaunchten Premium-Domain SFchronicle.com erhalten Abonnenten ein E-Paper, das zu 100 Prozent der gedruckten Ausgabe entspricht. Die normalen Online-Inhalte lassen sich dort aber ebenfalls ohne Einschränkung lesen. Merkwürdige Strategie!

Ganz ähnlich macht es aber schon seit 2011 der Boston Globe – siehe die frei zugängliche Webpräsenz boston.com und die Premium-Site BostonGlobe.com. Doch auch in diesem Fall scheint sich die Doppel-Moppel-Strategie nicht wirklich auszuzahlen, es wird gemunkelt, die Paywall werde beim Globe bald ebenso fallen. Tasächlich scheinen Metered-Access-Modelle, die keine Domain-Splittung erfordern, deutlich besser zu funktionieren, zumindest bei überregionalen Blättern wie der New York Times.

Auch die Washington Post hatte im Frühjahr angekündigt, von regelmäßigen Online-Lesern zukünftig einen Obulus zu verlangen, in diesem Fall, wenn das Taxameter mehr als 20 Artikel pro Monat anzeigt. Außerdem war von einer gebührenpflichtigen iPad-App die Rede. Inzwischen hat bekanntlich Amazon-Chef Jeff Bezos die kriselnde Gazette aufgekauft – und seinerseits Experimente angekündigt.

Abb.: flickr/anitakhart

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".