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„Elementary, my dear Watson“: Smarter Algorithmus imitiert die Handschrift von Arthur Conan Doyle

19 Mai 2016

handschrift-imitierenSchritt für Schritt erobern smarte Algorithmen alle denkbaren Formen des (Vor-)Lesens und Schreibens – von OCR und Text-to-Speech bis hin zu computergenerierten Romanen und … der Simulation natürlicher Handschrift. Wie gut solche Methoden mittlerweile geworden sind, zeigt das aktuelle Beispiel einer Forschergruppe am Londoner University College: das „glyphen-zentrisches“ Modell von Tom S. F. Haines et al. (siehe das Paper „My Text in Your Handwriting“) analysiert Schrift-Elemente wie Zeichenabstand, Linienstärke oder den Grad des „Aufdrückens“ und kann sie bei der Generierung neuer Texte sehr flexibel imitieren — mit verblüffend echt wirkenden Ergebnissen.

Was Sherlock Holmes nie gesagt hat…

Zu Demonstrationszwecken haben die Forscher z.B. die Handschrift von Arthur Conan Doyle genutzt — und eine berühmte Lücke gefüllt: den aus Verfilmungen bekannten Ausruf „elementary, my dear Watson“ scheint der Erfinder von Sherlock Holmes leibhaftig auf’s Papier gebannt zu haben. Tatsächlich taucht er aber in den Originaltexten nirgendwo in dieser Form auf… Auch die Handschrift von Abraham Lincoln und Frida Kahlo kann der Algorithmus täuschend echt nachahmen – gerade durch die kleinen Unregelmäßigkeiten des Schriftbildes wird der persönliche Stil erkennbar.

Erster Alltags-Test erfolgreich bestanden

Einen ersten Alltags-Test haben die künstlich generierten Federstriche auch schon bestanden: als die Forscher Testpersonen einen Stapel Briefumschläge vorlegten, die teilweise per Hand beschriftet, teilweise mit maschinell erstellter Handschrift bedruckt waren, konnte nur jeder zweite Betrachter die Imitate erfolgreich von Originalen unterscheiden. Wobei der letzte Schritt hier natürlich noch gar nicht gegangen wurde: mittlerweile werden ja auch schon ganze Briefe von Roboterhand per Füller geschrieben.

Zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten

Doch auch für die gedruckte Version der Handschrift 2.0 gibt es interessante Anwendungsgebiete — so schlagen die Londoner Forscher z.B. vor, auf diese Weise das Lettering von Comic-Übersetzungen zu realisieren, der Stil des Originals würde dabei erhalten bleiben. Auch Handschrift-Einblendungen im Gaming- und Film-Bereich (das typische Close-Up auf den Zettel in der Hand) ließen sich so überzeugend darstellen. Ein ganz besonderer Hingucker wäre nicht zuletzt wohl auch die vorgeschlagene Film-Untertitelung von Dialogbeiträgen jeweils im Schreibstil der gerade sprechenden Person.

(via @samim)