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Elektronisches Lesen leicht gemacht: Sonys Einsteigermodell “Reader Pocket Edition” im Test

30 Mrz 2010 Ansgar Warner 3 Kommentare

sony-reader-pocket-edition testbericht ebook news.gifMit der Reader Pocket Edition alias PRS-300 rückt Sony nicht nur in die Kompaktklasse der 5-Zoll-Reader vor, sondern hat nun auch einen E-Reader unter 200 Euro im Angebot. Das robuste Lesegerät ist auf das Wesentliche reduziert -- es bietet Platz für etwa 350 E-Books. Verblüffend ist die Geschwindigkeit: die Pocket Edition startet schneller als ein Smartphone. E-Book-News hat Sonys Taschen-Reader getestet.

“Pocket Edition” ist keine Übertreibung -- der Reader passt in die Hosentasche

Erst vor knapp einem Jahr kam hierzulande das E-Reader-Business so richtig in Fahrt -- mit Sonys PRS-505 wurde zum ersten Mal ein Reader auf breiter Front vermarktet. Große E-Book-Portale wie Libri.de oder Buch.de nahmen das Lesegerät in ihr Online-Angebot auf. Offenbar mit Erfolg: inzwischen ist der PRS-505 ausverkauft. An seine Stelle sind zwei neue Gadgets getreteten: zunächst die Reader Touch Edition (PRS-600), deren 6-Zoll-Display à la iPhone mit den Fingern bedient werden kann. Während die Touch Edition für 299 Euro angeboten wird, gibt es mit der neuen “Pocket Edition” (PRS-300) nun auch einen Low-Cost-Reader aus der 5-Zoll-Klasse. “Pocket Edition” ist in diesem Fall tatsächlich keine Übertreibung: Das kompakte Gerät passt mit seinen Maßen (10,7 x 15,7 cm) tatsächlich in die Hosentasche, auch wenn es mit seinen 220 Gramm Gewicht wohl doch eher in die Jacken- oder Umhängtasche gehört. Zu haben ist Sonys neuester Reader in drei Ausführungen: silber, schwarz sowie pink.

Sonys neuer Reader ist technisch auf das Wesentliche reduziert

Der Lieferumfang ist überschaubar -- neben einer Kurzanleitung enthält die OVP neben dem Reader selbst ein USB-Kabel und eine gepolsterte Schutzhülle. Auf das Wesentliche reduziert ist auch das Gerät selbst: es gibt nur eine einzige Schnittstelle -- den USB-Port an der Unterkante. Da die Pocket Edition auch keinen Einschub für eine externe Speicherkarte besitzt, muss man mit 512 MB internem Speicher auskommen. Das soll aber nach Angaben von Sony für etwa 350 E-Books im epub-Format ausreichen. Das Display liegt mit 8 Graustufen im Mittelfeld des Möglichen. Der eingebaute Akku reicht laut Sony für etwa 6800 Seitenwechsel. Aufgeladen wird das Gerät entweder über den USB-Port oder über eine rechts davon angeordnete Buchse für ein externes Ladegerät. Um das Gerät in den Lieferzustand zurückzuversetzen gibt es zudem einen kleinen Reset-Knopf.

Wie beim PRS-505 gibt es zehn Funktionstasten

Wer bereits E-Books auf dem PRS-505 gelesen hat, wird sich mit der Bedienung des Taschen-Readers sofort zurecht finden. Denn auch die Pocket-Edition hat neben dem Display Funktionstasten, die den direkten Zugriff auf bis zu zehn Menupunkte ermöglichen. Das bei E-Ink-Displays langsame Herunterscrollen etwa im Inhaltsverzeichnis oder der E-Book-Bibliothek lässt sich damit elegant umgehen. Ist man bereits innerhalb eines E-Books, kann mit den Funktionstasten eine bestimmte Seite direkt angesteuert werden. Trotzdem gibt’s auch beim Pocket-Reader einen “klassischen” Bedienring mit Richtungstasten und Auswahlknopf -- man findet ihn mittig unterhalb des Displays. Beim normalen Lesebetrieb kommt man aber in der Regel völlig ohne ihn aus. Denn mit vier Spezial-Tasten können weitere wichtige Funktionen direkt aufgerufen werden: das Hauptmenü bzw. die zuletzt gewählte Menüebene, das Anlegen eines Lesezeichens und die Auswahl der Schriftgröße.

Die Pocket Edition startet schnell: zwei Sekunden bis zum Desktop

Den besten Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Pocket Edition bekommt man gleich beim Einschalten -- das Gerät braucht nur ein bis zwei Sekunden zum Hochfahren. Hat man vor dem Ausschalten ein bestimmtes E-Book gelesen, kommt man direkt auf die zuletzt aufgeschlagene Seite. Schon der erste Blick auf das Display zeigt: die Auflösung ist hervorragend, der Kontrast deutlich besser als bei der Reader Touch Edition. Automatischer Zeilenumbruch bei epub- und PDF-Dokumenten macht das Lesen äußerst komfortabel. Vor dem ersten Start muss natürlich der Akku vollständig aufgeladen sein. Eine kleine LED an der Oberkante, direkt neben dem Einschaltknopf, leuchtet im Ladezustand rot, ist der Akku geladen, erlischt sie. Das Lesen kann nun beginnen -- zumindest, was die vorinstallierten E-Books betrifft. Um eigene E-Books auf den Reader übertragen zu können, muss auf dem Desktop-Computer Sonys “eBook Library” installiert werden. Die Software kann vom Reader direkt auf den PC oder Mac übertragen werden. Sobald die eBook Library eingerichtet ist, startet sie beim Anschluss der Pocket Edition am USB-Port automatisch.

Aufgepasst: die eLibrary ist nicht mit Adobe Digital Editions identisch!

E-Books ohne Kopierschutz lassen sich via eBook Library direkt auf den E-Reader übertragen. Um DRM-geschützte epubs oder PDFs auf dem Lesegerät öffnen zu können, müssen sowohl der Computer wie auch der Reader selbst mit einer gültigen Adobe-ID autorisiert werden. Sonys eLibrary ist natürlich nicht zu verwechseln mit der Desktop-Software “Adobe Digital Edition” (ADE). Bei Lesegeräten von Bokeen, Pocketbook oder Onyx übernimmt ADE das Digital Rights Management und den Datei-Transfer zwischen Reader und Rechner. Wer parallel zur Pocket Edition über den USB-Port auch E-Reader dieser Hersteller nutzt, kommt um doppelten Aufwand nicht herum -- zumindest zum Übertragen kopiergeschützter E-Books braucht man dann eLibrary und ADE. Nutzt man ausschließlich Sony-Geräte, ist natürlich alles ein bisschen einfacher.

In punkto Nutzerfreundlichkeit ist die Pocket Edition zur Zeit wohl konkurrenzlos

Mit der Pocket-Edition bekommt man einen leistungsfähigen Reader in die Hand, der in vielen Aspekten auf das wirklich notwendige reduziert ist. Kein anderes Gerät auf dem Markt dürfte eine ähnlich hohe Nutzerfreundlichkeit bieten -- schon gar nicht zu einem vergleichbar niedrigen Preis. Manchmal ist Sony bei der Reduktion allerdings etwas über das Ziel hinausgeschossen. So sind drei Zoomstufen dann doch etwas wenig. Mit fünf Schriftgrößen wäre das Lesen deutlich besser auf die eigenene Bedürfnisse abzustimmen. Schade ist auch, das mit der aktuellen Firmware zwar txt, doc und rtf-Dokumente angezeigt werden können, jedoch keine html-Dateien. Insgesamt ist aber das Konzept des Taschen-Readers durchaus gelungen -- als Einsteigermodell ohne technischen Schnickschnack dürfte die Pocket-Edition auch nach dem Start des iPad konkurrenzfähig bleiben. In den USA hat Sony übrigens im Vorfeld der Tablet-Premiere den Preis des Readers um 15 Prozent gesenkt. Das wäre wohl auch für Deutschland eine gute Idee.

Sony Reader Pocket Edition (PRS-300) -- Specs:

  • Display: E Ink mit 8 Graustufen, 5 Zoll Durchmesser
  • Interner Speicher: 512MB, ausreichend für ca. 350 E-Books
  • Stromversorgung: Lithium-Ionen Akku
  • Batterie Lebensdauer: Ca. 6800 Seitenwechsel
  • Ladezeit: 4 Stunden über die USB-Verbindung / 2 Stunden über optionales Ladegerät
  • Unterstützte Dateiformate:
    EPUB, BBeB Book, PDF, TXT, RTF, Microsoft Word;
    DRM-geschützt: EPUB (ADEPT), BBeB Book (Marlin)
  • Systemvoraussetzungen: Windows Vista oder Windows XP Home oder Professional mit Service Pack 3; Mac OS X v10.4.11 oder spätere Version, USB Schnittstelle: USB 2.0

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