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Einer für alle, aber nicht für jeden: „offener“ Android-Reader inkBOOK Prime im Test

17 Jan 2017 0 Kommentare

inkbook-primeDas „inkBOOK Prime“ von Arta Tech ist nicht irgendein weiterer E-Reader. Denn der polnische Hersteller macht große Versprechungen: raus aus dem „Walled Garden“ von Kindle- , Skoobe- oder Tolino-Universum. Rein ins flexible Lesevergnügen, und das alles auf einem klassischen E-Ink-Reader!? Möglich machen soll das ein „offenes“ Android 4.2.2-Betriebssystem, das sich mit beliebigen Apps erweitern lässt. Ansonsten bietet das 6-Zoll-Gerät eher technischen Durchschnitt: 212 ppi Display-Auflösung, kapazitives Touch-Screen, Glowlight, SD-Kartenslot. Einziger Hardware-Hingucker: Bluetooth. Lohnen sich 139 Euro für ein solches Gerät wirklich? E-Book-News hat das inkBook Prime getestet.

Erster Eindruck: liegt gut in der Hand

Vom Formfaktor hat mir das inkBOOK Prime sehr gut gefallen: es liegt mit 170 Gramm Gewicht und abgerundeten Ecken gut in der Hand, auch der Einschaltknopf rechts oben auf der Rückseite macht ergonomisch Sinn. Der Homebutton unter dem Display ist kein echter Knopf, sondern nur ein Touch-Sensor, rechts und links vom Display findet man je zwei Umblätter-Tasten für vor und zurück. Mikro-USB-Port und SD-Kartenslot sind wie üblich am unteren Gehäuserand angebracht.

Wie es sich für einen „offenen“ Android-Reader gehört, stellt das inkBOOK Prime zwei Homescreens zur Verfügung, auf dem ersten wird ein Ausschnitt der E-Bibliothek angezeigt („Aktuelle Lektüre“ sowie „Vor kurzem hinzugefügt/gelesen“), außerdem gibt’s neben den Systeminfos in der Kopfzeile auch eine Fußzeile mit Direktlinks u.a. zur gesamten Bibliothek, zum Cloudspeicher wie auch zum Browser und den Apps.

Apps installieren per Fingertipp

Genau, die Apps: auf dem zweiten Homescreen werden die bereits installierten Apps angezeigt, im Lieferzustand ist dort natürlich noch nicht viel los. Über das Symbol „InkBOOK-Apps“ kann man jedoch einen Mini-App-Store ansteuern, über den sich diverse E-Reading-Apps installieren lassen, darunter die Kindle App, Tolino App, Skoobe App und der Später-Lese-Service Pocket.

Die Installation dieser E-Lese-Apps via WLAN funktionierte mit meinem Testgerät auch tatsächlich problemlos (nur bei der Wikipedia-App kamen Fehlermeldungen). Allerdings ist die Lektüre nicht ganz so komfortabel wie z.B. auf Kindle-Reader oder Tolino-Reader — denn zum einen kann man die Umblättertasten nicht benutzen, zum anderen gibt es beim „animierten“ Umblättern in den Apps oft störende Flimmer-Effekte.

Prinzip offenes Android macht Sinn

Der Gesamteindruck ist jedoch durchaus positiv: das Prinzip offener Android-Reader macht Sinn, wie auf Tablet oder Smartphone hat man via App alle E-Books, wo auch immer man sie gekauft hat, auf einem Gerät zur Verfügung. Per „Side-Loading“ lassen sich zudem weitere Apps installieren — die jeweilige .apk-Datei schiebt man dazu vom PC via USB auf den Reader, und startet den Installationsprozess auf dem InkBOOK Prime via File-Viewer (siehe das App-Verzeichnis).

Ausprobiert habe ich die Sideloading-Variante u.a. mit der offiziellen Twitter-App, der Magazin-App Flipboard und der Schach-Software „Chess Free“ von AI Factory. Je mehr in einer Anwendung geblättert, gescrollt und eingeblendet wird, desto weniger taugt sie natürlich für E-Ink-Displays, aber grundsätzlich benutzen ließen sich die Apps auf jeden Fall.

Sogar als kleiner Schreibcomputer lässt sich das inkBOOK Prime einsetzen, getestet habe ich das mit der sehr schlanken „Monospace“-App. So richtig Spaß macht das Tippen auf dem virtuellen E-Ink-Keyboard allerdings nicht. Theoretisch müsste man via Bluetooth-Schnittstelle aber auch eine externe Tastatur anschließen können.

Online-Apps belasten den Akku

Eins ist natürlich klar: Je mehr aufwändige Apps man auf dem inkBOOK Prime nutzt, und vor allem, je mehr Apps, die eine aktive WLAN-Verbindung fordern, desto schneller macht der Akku schlapp. Manche E-Lese-Apps wie Skoobe funktionieren ohnehin nur online. Im Testbetrieb inklusive Twitter, Flipboard & Co. hielt mein Exemplar aber immerhin eine ganze Woche durch. Liest man nur offline, kommen wahrscheinlich ähnlich mehrwöchige Werte heraus wie bei Kindle & Co.

Fazit: Gelungenes Alternativ-Konzept

Das einzige, was mich am inkBOOK Prime wirklich gestört hat, war die Steuerung des Glimmerlichts. Die Glowlight-LEDs leuchten nämlich auch in der geringsten Glimmerstufe immer noch so hell, dass es bei der Lektüre in einem komplett abgedunkelten Raum die Augen blendet. Mein Kindle Paperwhite lässt sich deutlich weiter herabregulieren und blieb deswegen auf dem Nachttisch konkurrenzlos. Davon mal abgesehen finde ich aber: das alternative Reader-Konzept von ArtaTech ist durchaus seine 139 Euro wert, wenn man E-Lese-Flexibilität und zahlreiche potentielle Zusatzfunktionen auf dem E-Ink-Display zu schätzen weiß.

Wer mit der klassischen Arbeitsteilung zwischen Smartphone, Tablet und E-Reader zufrieden ist, bleibt jedoch mit einem günstigeren Einsteiger-Gerät à la Kindle oder Tolino wohl besser bedient. Eine Low-Cost-Variante hat übrigens auch Arta Tech im Angebot: das inkBOOK Classic 2 (ohne Glowlight, 800×600 Pixel Auflösung) bekommt man für 79 Euro.

Arta Tech inkBook Prime Specs:

Display:
6-inch E Ink Carta, kapaz. Touchscreen, Glowlight,
Auflösung: 1024 x 768 px (212 dpi)
Akku: 2000mAh Li-ION Polymer
Gewicht: 168 g
Processor: Quad-Core Cortex A9 max. 1.6 GHz
RAM: 512 MB
Interner Speicher: 8 GB
Externer Speicher: max. 32 GB (MikroSD)
Schnittstellen: Wi-Fi (802.11b/g/n), Bluetooth, Mikro-USB
OS: Android 4.2.2
Preis: 139 Euro (via Amazon.de)

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