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Eine Million mal „Hangman’s Daughter“: Amazons neuer Star-Autor heißt Oliver Pötzsch

18 Jun 2013

Amazon.com hat einen neuen Vorzeige-Autor – made in Germany: die historischen Romane von Oliver Pötzsch haben sich weltweit bereits mehr als eine Million mal verkauft, und zwar auf englisch. Mehrere Bände der auch in Deutschland erfolgreichen „Henkerstochter“-Serie wurden nämlich im Rahmen des unternehmenseigenen Import-Labels „Amazon Crossing“ übersetzt und neu herausgegeben. Die „Henkerstochter“ mutierte zur „Hangman’s Daughter“ – und schnitt beim internationalen Publikum sehr gut ab. Anders als etwa beim Club der „Kindle-Auflagenmillionäre“ wurden in diesem Fall allerdings alle medialen Formen zusammengezählt – Print, Audio und E-Book. Ein Rekord ist es trotzdem, denn bisher hatte noch kein Autor via Amazon Crossing diese Schallmauer durchbrechen können.

Erst Familienforschung, dann historischer Roman

Die „Henkerstochter“-Saga von Oliver Pötzsch kreist um die historisch belegte Figur des Schongauer Henkers Jakob Kuisl und seine Tochter Magdalena – im kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg spielenden Setting werden Kriminalfälle gelöst und Verschwörungen aufgedeckt. Zugleich erfahren die Leser zahlreiche Details über den verrufenen Beruf des Scharfrichters wie auch über den Stand von Medizin und Heilkunde, ein wichtiger Nebenerwerbszweig für die sozial ausgegrenzte Henkerszunft. Für den besonderen Touch sorgt ein familiengeschichtliches Detail: Pötzsch entstammt nämlich selbst aus der Henkersdynastie der Kuisls. Als der gelernte Journalist und Drehbuchautor begann, die Historie seiner Vorfahren zu erforschen, wurde aus dem Stoff zunächst eine Sendung für den bayerischen Rundfunk. Dann entwickelte Pötzsch aus der zwiespältigen Figur des Henkers eine Romanfigur, und schrieb den ersten Band der inzwischen vierteiligen Saga.

Amazon kaufte die Rechte bei Ullstein

Ein Self-Publishing-Autor ist Pötzsch übrigens nicht – vermittelt über einen Literaturagenten sind die Romane von Anfang an bei Ullstein erschienen. Ende 2010 wurde dann der Lizenzierungs-Deal mit Amazon eingefädelt. Damals ein absolutes Novum, schließlich kaufte hier kein traditioneller Verlag die Übersetzungsrechte, sondern ein Online-Händler mit verlegerischen Ambitionen (und innerhalb der Zunft nicht unbedingt beliebter als anno dunnemals ein Henker bei seinen Mitbürgern). Auch dank Amazons Marketingmaschine entwickelte sich sich „Hangman’s Daughter“ in den USA schnell zum Verkaufsschlager – bereits im ersten Monat wurden 100.000 Stück verkauft, größtenteils als Kindle-Version, das Buch landete auf Platz drei der Bestseller-Liste von „USA Today“. Bei der aktuellen Millionenauflage wird es nicht bleiben, inzwischen hat sich der staatliche chinesische Verlag Yilin Press ebenfalls die Rechte für eine Übersetzung ins Mandarin gesichert. Amazon Crossing wiederum hält weiter Ausschau nach neuen Star-Autoren – vor kurzem wurde etwa die erfolgreiche deutsche Indie-Schriftstellerin Emily Bold unter Vertrag genommen.

Abb.: Coverfoto