Eine Milliarde Dollar: Kauft Microsoft die Nook-Sparte von Barnes&Noble?

Es muss nicht gleich eine Trillion Euro sein. Auch eine Milliarde Dollar gibt immer eine gute Story ab – zum Beispiel diese: Microsoft will Nook Media kaufen, also die E-Lese-Sparte von Barnes&Noble, und dafür offenbar eine zehnstellige Summe hinblättern. Das sollen interne Dokumente belegen, die dem Technologie-Blog TechCrunch zugespielt wurden. Außerdem deutet sich ein Strategiewechsel an: „Nook Media“ soll demnach zukünftig auf eine eigene Geräteplattform verzichten – Produktion & Verkauf von E-Readern und Lese-Tablets solle bis Ende 2014 auslaufen. Kaum war die Nachricht vom Mega-Deal mit Microsoft in der Welt, sprang die B&N-Aktie um 25 Prozent nach oben. Die Story dahinter klingt durchaus plausibel, schließlich kooperieren Barnes&Noble und der Software-Gigant bereits seit Anfang 2012 – die kriselnde Buchhandelskette erhielt insgesamt eine Finanzspritze von fast einer halben Milliarde Dollar, und trennte die Nook-Sparte vom Kerngeschäft.

Kein Nook-Tablet mit Windows in Sicht?

Alleine 180 Millionen Dollar wurden daraufhin in die Entwicklung von E-Lese-Apps für Geräte mit Windows 8 gesteckt, die mittlerweile gelauncht sind. Die zunächst von vielen Branchenbeobachtern erwartete Entwicklung eines neuen Nook-Tablets mit Windows-Oberfläche kam aber offenbar nicht ins Rollen. Auch die angekündigte Expansion von Barnes&Noble in Richtung Europa – inklusive Deutschland – lässt weiter auf sich warten. Der große Erfolg blieb selbst in den USA aus: Insgesamt wurden bisher knapp 10 Millionen Nooks verkauft, zu einem wichtigen Teil über das Filialnetz der größten verbliebenen US-Buchhandelskette. „Die Werthaltigkeit der Marke Nook ist eng mit den Buchhandlungen vor Ort verbunden“, zitiert etwa NBCnews den Analysten Michael Norris – auch amerikanische Kunden möchten ein Gerät vor dem Kauf gerne in der Hand gehalten haben.

B&N nicht in Top 5 des E-Book-Business

Im Online-Handel wurde der Nook jedoch längst von Amazon abgehängt – alleine die klassischen Kindle-Reader mit E-Ink-Display verkauften sich weltweit mehr als 50 Millionen mal. Eigentlich fast tragisch, schließlich war Barnes&Noble seinem Hauptkonkurrenten technisch öfter mal eine Nasenlänge voraus, etwa beim Launch des ersten Lese-Tablets, oder beim Glowlight-Reader. Die schmale mobile Plattform macht sich bemerkbar: International wird Barnes&Noble nicht mal zu den Top 5 im E-Book-Business gezählt, der globale Marktanteil liegt nach Zahlen der IDC gerade mal bei 2 Prozent. Allerdings hatte auch Microsoft immer wieder Probleme, mit Hardware-Innovationen zu punkten, siehe den gescheiterten iPod-Killer Zune. Auch im Tablet-Sektor liegt man hinter dem Marktführer Apple zurück. Insofern ist es wohl schon eine gute Idee, das Nook-Business auf Apps und E-Store zu reduzieren – der Ausverkauf der Nooks scheint auch tatsächlich schon begonnen zu haben.

Abb.: Screenshot

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".