Entscheidung von Format: Sony setzt bei E-Books voll auf offenen epub-Standard

Sony setzt bei E-Books voll auf epub-Format.gifEpub avanciert zum MP3 der E-Book-Branche. Auch Sony setzt ab 2010 voll auf den offenen Standard: zugunsten von epub verzichtet man im Sony Store sogar auf das Sony-eigene BeBB-Format. Für den DRM-Schutz wird Sony auf die Dienste von Adobe zurückgreifen. Zugleich kündigte Sony an, im Herbst werde man nach dem PRS-300 und PRS-500 einen dritten E-Reader auf den Markt bringen: dieser soll „wie der Kindle das drahtlose Downloaden von E-Books ermöglichen“.

Sonys Entscheidung könnte epub endgültig zum MP3 der E-Book-Branche machen

Die Pressemitteilung war kurz, hatte es aber in sich: „In an effort to take the confusion out of digital book formats, Sony today announced its plan to convert its eBook store to the industry-standard EPUB format by the end of the year.“ Auch „Early Adopters“, die den älteren PRS-500-Reader besitzen, sollen durch ein Firmware-Update vom neuen Format profitieren können. Tatsächlich könnte das Format-Wirrwarr in der E-Lese-Community nun langsam ein Ende nehmen: mittlerweile können fast alle Reader auf dem Markt E-Books im epub-Format lesen – abgesehen von Amazons Kindle. Ähnlich wie auf dem Musikmarkt, wo das Synonym für Songs schon seit Jahren MP3 heißt, wird man wohl in Zukunft bei E-Book gleich an epub denken.

Amazon gerät unter Druck: wird das Kindle-Format jetzt zum „Betamax“ der E-Book-Branche?

Sonys Entscheidung dürfte den Druck auf Amazon erhöhen, den offenen Standard zu unterstützen. Zudem Sony die Preise in seinem E-Book-Store gerade unter die magische 10 Dollar-Grenze gesenkt hat. Wirklich nervös dürfte Amazon etwas ganz anderes machen. Die New York Times meldete nämlich heute über den Konkurrenten Sony: „Later in the year, the company will begin selling a third Reader that will, like the Kindle, allow users to buy e-books wirelessly.“ Ein WiFi-fähiger Reader, epub und ein Online-Store – kein Wunder, dass die mögliche Zukunft des Kindles in der Blogosphere schon einen Namen hat: Betamax. So hieß das Videosystem, das nach der weltweiten Verbreitung von VHS in den Achtziger Jahren den Kürzeren zog. Betamax-Rekorder gibt’s mittlerweile nur noch im Museum.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".