Ein Hauch von Jurassic Park: E-Reader-Testbericht der Stiftung Warentest bietet wenig Neues

stiftung-warentest-e-reader-testberichtKnapp vor der Frankfurter Buchmesse hat die Stiftung Warentest zum ersten Mal verschiedene E-Reader auf Herz und Nieren geprüft. E-Book-News hat den Testbericht getestet – und war eher ernüchtert. Mit der aktuellen 6-Zoll-Version des Kindle ist ausgerechnet der momentan leistungsfähigste E-Reader nicht dabei. Der Verzicht auf die „Weltbild-Edition“ des Hanvon 516 verfälscht zudem das Ranking der günstigsten mit „Gut“ bewerteten Lesegeräte. Ohnehin dürfte das Warentest-Ranking spätesten ab Oktober obsolet sein – dann kommen zahlreiche neue E-Reader auf den Markt, die vom Preis-Leistungsverhältnis her die Testsieger des Warentest-Vergleichs ziemlich alt aussehen lassen dürften.

Stress-Test für E-Reader: Stabilität und Haltbarkeit als Kriterium

Wer bisher eine unabhängige Kaufempfehlung in Sachen E-Reader suchte, wurde jenseits der Blogosphere schlecht bedient. Die Computerzeitschrift c’t testete im November 2009 den Nutzwert von sieben Lesegeräten, die amerikanische Nonprofit-Organisation EFF veröffentlichte in diesem Jahr einen E-Reader-Testbericht, der um das Thema Datenschutz kreiste. Das war’s mehr oder weniger. Nun hat sich mit der Stiftung Warentest Deutschlands größte Verbraucherschutz-Organisation dem Thema Elektronisches Lesen angenommen (übrigens in der Rubrik „Computer und Telefon“). Insgesamt fünfzehn E-Reader haben die Berliner Tester zur Brust genommen, darunter Bookeens Cybook Opus, die Sony Reader Pocket Edition und den Hanvon W516. Zumeist Geräte, die bereits seit Mitte 2009 auf dem Markt sind. Der aktuellste E-Reader im Fuhrpark war die 16 Gigabyte 3G-Version von Apples iPad. Getestet wurde nicht nur die Nutzerfreundlichkeit, sondern auch Stabilität und Haltbarkeit, etwa bei Wärme, Kälte oder Feuchtigkeit.

Alle Testsieger sind nicht zufällig E-Ink-Geräte

Unter der Überschrift „Bücherschrank fürs Handgepäck“ gibt es zunächst eine Übersicht zu Vor- und Nachteilen von E-Readern. Die kontrastreiche E-Ink-Technik scheint die Tester auf jeden Fall überzeugt zu haben, denn sowohl ein LCD-Gerät von Ectaco wie auch das Display des iPads bekamen vergleichsweise schlechte Noten. Lobend erwähnt wurde auch die stromsparenden Eigenschaften elektronischer Tinte: „Bei vielen Readern war der Akku im Test auch nach 14 Tagen Dauerbetrieb noch nicht leer“. Nachteil sei jedoch das langsame Umblättern: „Die E-Book-Reader mit diesen Bildschirmen brauchen zum Blättern durchschnittlich knapp zwei Sekunden“. Zum Testsieger erkoren die Warentester Bookeens 5-Zoll-Reader Cybook Opus, den 6-Zoll-Reader iRiver Story sowie den eher exotischen 8-Zoller iRex Digital Reader 800S. Nur auf Platz sieben kam Hanvons WiseReader 516, der als baugleiche „Weltbild-Edition“ für derzeit 149 Euro zudem das günstigste Gerät im Ranking darstellen würde. Die Warentester nahmen jedoch leider nur die teurere Variante in den Vergleich mit auf. Somit darf als „günstigster Guter“ Sonys Pocket Edition für 172 Euro firmieren.

Ratlos bei drahtlos – eine veraltete und unvollständige Auswahl

Die einzigen drahtlosen Geräte im Test waren Amazons altes Kindle DX sowie Apples iPad. WiFi-Reader wie das Pocketbook 302 oder der Onyx Boox 60 tauchen im Testbericht dagegen nicht auf. Der Verzicht auf solche den Branchenstandard epub ebenso wie Adobes DRM unterstützenden Geräte beeinflusst deutlich das Testergebnis. Wirklich begeistern konnten sich die Warentester für Kindle und iPad dann nämlich nicht: „E-Books von Amazon und Apple laufen auf fast allen anderen Readern nicht. Die Geräte von Amazon und Apple wiederum können E-Books mit anderem Kopierschutz nicht darstellen“, bemängeln sie. Außerdem sind iPad und das 9-Zoll-Kindle DX natürlich deutlich teurer als die meisten anderen E-Reader – das neue 6-Zoll-Kindle dagegen ist mit knapp 150 Euro günstiger als alle von den Warentester geprüften Lesegeräte. Da die Tester nur den alten Kindle DX zur Verfügung hatten, konnte auch das neue Pearl-E-Ink-Display nicht in die Bewertung einfließen.

Testurteil: nur bedingt zu empfehlen

Zu Recht kritisieren die Warentester ein allgemeines „Chaos bei Formaten und Kopierschutz“. Da zudem „selbst die größeren Anbieter nur wenige Zigtausend Bücher im Sortiment“ hätten, könnte der Durchbruch von E-Books auf dem Massenmarkt noch etwas auf sich warten lassen. Gleichzeitig stellen sie fest, der Gerätemarkt sei derzeit im Umbruch: „Die Anbieter Foxit, Interead und Irex […] waren für Rückfragen nicht mehr erreichbar.“ Ebenso richtig ist jedoch, dass ab Oktober zahlreiche neue Anbieter mit neuen Konzepten auf den Markt drängen – insbesondere der deutsche Buchhandel selbst, wie Thalia mit dem Oyo-Reader oder Libri mit dem LumiRead beweisen. Besonders vielversprechend scheinen aber auch die neuesten E-Reader-Generationen von Pocketbook und Sony zu sein, die ebenfalls in Kürze in den Handel gelangen. Die neuen Geräte sind nicht nur technisch aktueller als sämtliche im Warentest-Vergleich vertretenen E-Reader, sondern bewegen sich auch im äußerst konkurrenzfähigen Preissegment zwischen 150 bis 200 Euro. Diesen Hinweis sollten die Warentester fairerweise vor ihren leider bereits bei Erscheinen veralteten E-Reader-Testbericht stellen, dessen Vollversion man im Internet für 2,50 Euro herunterladen kann.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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