Egal ob Buch oder Motorrad: Das große 3D-Scannen kann beginnen – mobil & freihändig

Was machen wir bloß, wenn auch die letzte Buchseite in der letzten Bibliothek eingescannt ist? Ganz einfach: dann scannen wir die Regale ein, und am Ende auch den Bibliothekar. Freihändig, mit einem portablen 3D-Scanner wie etwa dem neuen „Sense“ von 3D Systems, der seine Umgebung visuell und geometrisch (via Infrarot) erfasst. Das für 329 Euro erhältliche Gadget soll die Welt der x, y und z-Achse endgültig zum Massenmarkt machen: „Sense ist die erste 3D-Content-Kamera für jedermann, sie macht es möglich, Menschen, Objekte und Orte en passant aufzunehmen“, so Rajeev Kulkarni von 3D Systems. „Da sich Sense intuitiv bedienen lässt, sehr mobil ist und ein mächtiges User-Interface besitzt, könnte damit eine ganz neue soziale Bewegung rund um das dreidimensionale Weitergeben und Drucken von physischen Objekten entstehen“.

„Full-body selfie“ – das 3D-Selbstportrait

Das Motto lautet „Scan small, scan large, scan it all“, was bei einer maximalen Scan-Größe von drei Meter mal drei Meter wohl nicht zu viel verspricht: vom Buch bis zum Motorrad ist alles möglich, inklusive „full-body selfie“, also dem 3D-Selbstportrait. Sind die Daten drahtlos zum nächsten PC geschickt, wird entweder direkt vor Ort ausgedruckt oder über einen Cloud-Service wie cubify.com – letzteres ist wohl eindeutig die günstigere Lösung. Denn 3D-Drucker sind immer noch ziemlich teuer, selbst das von Cubify angebotene Basismodell kostet zur Zeit noch 1199 Euro. Das in South Carolina angesiedelte Unternehmen 3D Systems scheint aber auch erkannt zu haben: größtes Hindernis für den endgültigen Durchbruch der neuen Technik ist momentan der Mangel an interessanten Druckvorlagen – das beste Archiv der Dinge ist immer noch die Welt da draußen.

Integration in den Alltag als große Chance

Das Promotion-Video zeigt schon mal ein Beispiel, wie sich das 3D-Scannen nahtlos in den Alltag integrieren lässt – spätestens wenn es zum Brauch wird, das sich Braut und Bräutigam nicht nur zweidimensional ablichten lassen, sondern sich auch gegenseitig scannen, um als naturgetreue Miniaturfigur auf der Hochzeitstorte zu enden, muss man sich wohl um den zukünftigen Börsenkurs des Unternehmens keine Sorge machen. In diesem Fall dürfte zudem auch die Diskussion um das potentielle Copyright an dreidimensionalen Objekten entfallen…

Abb.: Screenshot

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".