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Alexa, hörst du mich? Amazons Lauschangriff auf Premium-Kunden

alexa-hoerst-du-michPersönliche digitale Assistenten sind im Trend: Apple hat Siri, Microsoft hat Cortana, Amazon hat Alexa. Auf dieses „Aufwachwort“ hört nämlich jener dienstbare Geist, der in einem sehr unauffällig daherkommenden Gerät namens „Echo“ haust. Echo ist eine Art smarter Lautsprechersäule, die auch „Ohren“ hat und via WLAN direkt mit Amazons Servern verbunden ist. Nach einer ersten Testphase können Amazons Premiumkunden in den USA dieses „Voice Command Device“ jetzt ganz regulär bestellen.

„Closest thing we’ll have to a Star Trek computer at home“
Ähnlich wie die neuen Dashbuttons erfüllt Alexa letztlich vor allem einen Zweck: das Kaufen und Konsumieren von Amazon-Produkten möglichst einfach zu machen, in diesem Fall per Sprachsteuerung bzw. Spracherkennung. Die Entwicklung von Echo hat um 2010 zeitgleich mit den Kindle Fire Tablets & Fire Smartphones begonnen, der bisher erfolgreichsten Shopping-Plattform des Online-Händlers (auf dem Kindle Fire ist Alexa als App auch präsent).

„Connected to the cloud so it’s always getting smarter“
Und tatsächlich denkt Echo ja das Kundenfreundlichkeits- und Einfachkeits-Prinzip von Amazon konsequent weiter: von allen Geräten aus dem Kindle-& Co-Fuhrpark ist es am unauffälligsten, und kann zugleich noch einen ganzen Schritt weiter in die Privatsphäre eindringen, oder neutraler formuliert: Amazon kann via Echo den Kunden in allen seinen alltäglichen Facetten noch genauer kennenlernen. Viele mögen das offenbar: die Produktseite auf Amazon.com enthält mehr als 20.000 zumeist begeisterte Reviews.

„It’s hands-free and always on“
Der vom Premium-Kunden auch noch bezahlte Lauschangriff hat aber andererseits auch einen besonders hohen „Creepiness“-Faktor – denn um seinen Zweck zu erfüllen, muss uns Alexa immer zuhören (ähnlich wie Siri). Und so stellen sich dann doch einige Fragen. Stellvertretend für viele Autoren hat sie jetzt David Golumbia auf Jacobinmag.com aufgelistet (siehe den Artikel „The Amazonisation of Everything“):

„Alexa, turn off the lights“

  • Analysiert Echo die Häufigkeit, mit der die Personen im jeweiligen Haushalt die Namen von Büchern, Filmen oder Videospielen nennen, oder andere Markeennamen oder Produktkategorien?
  • Hat diese Analyse etwas mit Amazons Plan zu tun, mit der Lieferung von Produkten bereits zu beginnen, bevor wir sie bestellt haben?
  • Verfolgt Echo auch mit, wenn wir von unseren Nachbarn Produkte ausgehändigt bekommen?
  • Wird Echo mit Hilfe der aufgenommenen Audiodaten auch festellen können, wie lange die Personen im Haushalt schlafen, wie oft sie Sex haben, wie oft Gäste ins Haus kommen?

„More coming soon“
Für ein Unternehmen, dass zum weltgrößten „Everything-Store“ werden möchte, wären viele dieser Daten sicherlich extrem wertvoll. Manches würde wohl auch Dritte (inklusive die staatliche Exekutive) interessieren. Ähnlich wie Apple, Google oder Microsoft beteuert Amazon selbstverständlich: nur die Audiosequenzen in Folge des jeweiligen Wakeup-Words werden an entfernte Server übertragen und dort analysiert. Doch spätestens, wenn Echo in Deutschland lieferbar ist, darf man sich wohl auch hierzulande auf spannende Datenschutz-Debatten freuen…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".