[Aktuelles Stichwort] Disintermediation – jeder gegen jeden, und Amazon gegen alle


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

Mit dem Begriff „Disintermediation“ wird die Umgehung bzw. Verdrängung von Zwischenhändlern („Intermediären“) in der Wertschöpfungskette bezeichnet.

So werden in der Buchbranche durch den Online-Direktvertrieb klassische Geschäftsmodelle ausgehebelt. Der Aufstieg eines „branchenfremden“ Unternehmens wie >>Amazon zur wichtigsten Online-Handelsplattform für gedruckte Bücher ging seit den 1990er Jahren deutlich zu Lasten des >>stationären Buchhandels. Durch die Self-Publishing-Plattform >>KDP wie auch die Gründung eigener Imprints wie „Amazon Crossing“ umgeht Amazon mittlerweile zugleich klassische Verlage. Die Koppelung von >>Print-On-Demand und Online-Versandhandel (vgl. etwa Amazons Service >>Createspace) trägt zusätzlich zur Disintermediation der Branche bei.

Wenn Online-Plattformen unter Umgehung klassischer Zwischenhändler lediglich den Verkauf von Kunde an Kunde („Customer-to-Customer“) organisieren, wie etwa im Fall von >>Self-Publishingoder im >>Second-Hand-Handel mit gedruckten Büchern, spricht man auch von „Peer-to-Peer“-Geschäftsmodellen.

Grundsätzlich funktioniert die webgestützte Disintermediation auch im Buchhandel auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig. So setzen etwa viele Verlage ebenfalls auf >>Direktvertrieb über eigene Online-Plattformen, klassische Zwischenhändler wie der Barsortimenter >>Libri betreiben eigene Online-Buchhandlungen (E-Book.de) und konkurrieren mit dem Buchhandel, und nicht zuletzt verkaufen viele Self-Publisher ihre Titel zum Teil auch direkt über eigene Webseiten.

Am stärksten wirkt die Disintermediation bei der parallelen Umstellung von physischen auf digitale Güter, wie etwa im Fall von >>E-Books oder >>E-Comics – hier kann letztlich sogar die gesamte klassische Wertschöpfungskette von Verlag, Druckerei, >>Barsortiment und Buchhandel ersetzt werden, übrig bleiben im Extremfall nur noch Autor, Leser und das Internet als Vertriebsschiene.

Der >>Workflow von E-Book-Produktion wie auch Vermarktung bedeutet jedoch sehr viel Aufwand. Im Rahmen der Disintermediation werden ursprünglich nur auf Verlage beschränkte Dienstleistungen wie Lektorat, Cover-Design oder auch PR, Marketing und >>Distribution mittlerweile nun auch gezielt für Self-Publisher angeboten.


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Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".