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„E-Reader ist MP3-Player dieses Jahrzehnts“: Neue Umfrage sieht großes Potential auch in Deutschland

12 Mai 2010

e-reader-als-mp3-player-konsumenten-umfrage-bcg.gifDie wachsende Beliebtheit von Multimedia-Tablets steigert offenbar auch die Lust der Deutschen auf E-Reader: jeder zweite Konsument beabsichtigt, in den nächsten Jahren ein Lesegerät zu kaufen. Das ergab eine aktuelle Online-Umfrage der Boston Consulting Group. E-Reader könnten sich also neben Smartphones als neue Gerätegattung etablieren. Ob E-Ink-Geräte von diesem Trend profitieren, ist allerdings fraglich: die Verbraucher bevorzugen Multifunktionsgeräte, mit denen man auch im Netz surfen oder Videos schauen kann.

Was darf’s sein: Multifunktions-Gerät oder Standalone-Reader?

Die Kaufabsichten sind deutlich vom iPad-Fieber geprägt – ein Viertel der Deutschen möchte nämlich in diesem Jahr einen E-Reader ODER einen Tablet PC kaufen. Mittelfristig – im Verlauf der nächsten drei Jahre – sind es bereits die Hälfte bis zwei Drittel aller Befragten, je nach dem, wie gut sie mit solchen Geräten bereits vertraut sind. „Unsere Umfrage zeigt klar, dass E-Reader und Tablet PCs keine Nischenpro­dukte nur für Technikbegeisterte sind, sondern die MP3-Player dieses Jahrzehnts werden könnten“, erklärt dazu Joachim Stephan, Medienexperte und Geschäftsführer bei BCG. Inwieweit davon auch E-Ink-Geräte profitieren werden, ist allerdings unklar. Gerade mit der Bekanntheit von klassischen E-Reader steht es bei deutschen Konsumenten nicht so gut – bei einer Emnid-Umfrage erkannten kürzlich nur zehn bis zwanzig Prozent der Befragten die Produkte der großen Hersteller, während das iPad fast allen Probanden ein Begriff war. Der Funktionsumfang von Smartphones und Tablets scheint auch die technischen Erwartungen der Konsumenten zu bestimmen: Elektronisches Lesen ist bei vielen potentiellen Käufern nur ein Feature neben anderen. Für ein „Standalone-Gerät zum Lesen digitaler Bücher“ würden sich laut BCG-Umfrage nur 19 Prozent der Kunden entscheiden.

Für ein reines Lesegerät würden deutsche Käufer maximal 119 Euro ausgeben

Doch ganz aus dem Rennen dürfte E-Ink trotzdem nicht sein. Schaut man sich an, was deutsche Verbraucher bereit sind, für die Lese- oder Multimedia-Technik zu zahlen, sieht es nämlich wieder ganz anders aus. Für ein reines Lesegerät will man im Leseland maximal 119 Euro ausgeben, für ein multifunktionales Gerät wie das iPad maximal 171 Euro. Die günstigste iPad-Version kostet in Deutschland allerdings 499 Euro, E-Reader mit WLAN und Browser gibt es nicht unter 299 Euro. Die reale Low-Price-Alternative unterhalb von 200 Euro dürfte also in absehbarer Zeit eher so aussehen: einfache E-Ink-Geräte wie das Hanvon N516 oder Sonys Reader Pocket Edition, bzw. die Basisversion des iPod Touch. Es sei denn, es gib alternativ auch Abo-Modelle, mit denen die hohen Gerätepreise aufgefangen werden. Die Zahlungsbereitschaft für Content ist der BCG-Umfrage zufolge nämlich auch in Deutschland recht hoch: Für ein digitales Monatsabonnement etwa eines E-Magazins würden die Leser durchschnittlich vier bis neun Euro anlegen. Überhaupt würden zwei Drittel der potentiellen elektronischen Leser mehr Geld für E-Books, Magazine oder Zeitungen ausgeben, wenn genügend digitale Inhalte verfügbar wären.