E-Reader im Schul-Einsatz: Gute Idee, aber bitte mit Touch-Screen!

E-Reader-in-der-Schule_Gute Idee aber bitte kein Kindle.gifAmazon macht gute Lobby-Arbeit. Mittlerweile wird in den USA diskutiert, alle Schüler mit einem E-Reader auszurüsten. Natürlich mit mit einem Kindle-E-Reader. Das Democratic Leadership Council fordert nun, unter dem Motto „A Kindle in Every Backpack“ einen Testlauf mit rund 400.000 Schülern durchzuführen. E-Books für die Schule: eine gute Idee. Doch ist der Kindle-Reader dafür geeignet? Technisch ist das Gerät veraltet: längst gibt es Alternativen wie etwa den iRex 1000s, mit denen sich Dokumente auch bearbeiten lassen. Apropos Touch-Screen: das One-Laptop-per-Child-Projekt hat mit dem OLPC XO2 für 2010 ein Gerät mit Dual-Touchscreen angekündigt — gehört die Zukunft vieleicht der Kombination von Laptop und E-Reader?

Die nächste Generation der E-Reader erlaubt das Bearbeiten und Kommentieren von Dokumenten

E-Ink-Displays können bisher nur eins: Texte und — mit Einschränkungen — Bilder schwarz auf weiß darstellen. Die nächste Generation der E-Reader wartet mit einigen technischen Neuerungen auf: schnellerer Seitenaufbau, Farb-Displays und vor allem: Touch-Screens. Das ermöglicht eine wichtige Ergänzung: Informationen auf dem Display lassen sich damit direkt bearbeiten und kommentieren. Im Fall des iRex 1000s etwa wird dazu ein spezieller Stift eingesetzt, der auf dem Display schreiben kann. Die Technik stammt von Wacom, einem Anbieter, der sich auf Stifttabletts spezialisiert hat.

Der perfekte E-Reader für die Schule ist so etwas wie die „Schiefertafel 2.0“

In der Praxis sieht der E-Reader der Zukunft ein wenig aus wie die Schiefertafel 2.0. Der iRex-Hersteller hat dank der Stift-Tablett-Funktion bereits einige Erfolge in Nischenmärkten erzielt: so benutzen viele Piloten den E-Reader als „Electronic Flight Bag“. Sie haben also damit etwa Kartenmaterial und technische Instruktionen immer zur Hand. Nun visiert iRex mit seinen Geräten — die über 10-Zoll-Displays mit 16 Graustufen verfügen — auch den E-Newspaper- und Schulbuchmarkt an. Das einzige Manko der neuen Geräte liegt bisher auf der Software-Seite: offene Standards wie epub werden noch nicht unterstützt.

Aber mal ganz unter uns: Braucht man in der Schule nicht doch eher voll funktionsfähige Laptops?

Ein anderes Gerät hat sich in den Schulen der westlichen Welt bereits seit Jahren etabliert: das normale Laptop. Schulbücher im PDF-Format kann man natürlich so auch sehr gut lesen und gleichzeitig produktiv tätig sein. Gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass E-Reader und Laptop in wenigen Jahren zu einem Gerät verschmelzen. Das zeigt ein Blick auf das für 2010 angekündigte OLPC XO-2 (siehe Foto), die zweite Generation des „100-Dollar-Laptops“ für Entwickklungsländer. Dabei handelt es sich nämlich um ein Dual-Touchscreen-Modell: Die beiden Screens werden in diversen Modi verwendbar sein. Horizontal ergibt sich ein normaler Laptop, der per Touchscreen-Tastatur bedient wird. Vertikal nebeneinander könnten zwei Seiten wie in einem Buch dargestellt werden, und flach aufgeklappt dient das Dual-Touch-Display als großes Tablet, z.B. um Landkarten darzustellen. Das neue Gerät soll übrigens nur 75 Dollar kosten: Wäre doch auch für die „Erste Welt“ was…

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Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".