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E-Paper & Apps als Rettungsanker: Zeitungen werden „crosskanaliger“

26 Jul 2012

Elektronische Ausgaben werden auch für den deutschen Blätterwald immer wichtiger. „Was die Verbreitung von Zeitungsinhalten betrifft, so ist das Internet ein Segen für die Verlage“, so Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Doch wer liest überhaupt online? Auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes wurden dazu letzte Woche interessante Zahlen vorgelegt. Fast 40 Prozent der über 14jährigen sind inzwischen auf den Verlagswebsites unterwegs, was einer Zahl von mehr als 27 Millionen Unique User entspricht. Damit toppen Zeitungen in Sachen Reichweite sogar gut besuchte Portale wie eBay oder t-online. Bei den 14-29 Jährigen ist die Reichweite zudem noch um zehn Prozent auf 62,6 Prozent gestiegen. „Zeitungsmarken funktionieren auf allen Kanälen“, freute sich Wolff angesichts solcher Rekorde. Nicht ganz zu unrecht, denn sogar die Reichweite von Zeitungen auf Papier hat sich stabilisiert. Mehr als 72 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre bekommen Tag für Tag Fettgedrucktes in die Finger.

Schaut man sich die Auflagenzahlen und Umsätze an, sieht es jedoch nicht ganz so rosig aus. Mittlerweile verdienen die Zeitungsverlage mehr als 50 Prozent mit dem Vertriebsgeschäft. Die Anzeigenerlöse dagegen sinken weiter, die Auflagen ebenfalls. Alleine im zweiten Quartal 2012 ging die Zahl der verkauften Exemplare erneut um 2,7 Prozent zurück. Rechnet man noch knapp 200.000 E-Papers heraus, die von der IVW nun erstmals hinzugezählt wurden, beträgt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar 3,7 Prozent. Besonders viele Federn lassen musste mal wieder „Bild“. Die verkaufte Auflage ging um 5,37 Prozent auf 2,75 Millionen Exemplare zurück. Doch auch ein renommiertes Blatt wie die „Süddeutsche“ verbuchte ein Minus von 1,4 Prozent.

Jubilieren darf dagegen die taz – sie konnte mit 57.700 Exemplaren ein Auflagenwachstum von 3,7 Prozent verzeichnen. Während die alternative Tageszeitung ihre Online-Inhalte kostenlos anbietet und das Internet-Angebot mittlerweile via Crowdfunding kofinanziert, lassen immer mehr überregionale wie auch regionale Blätter die Bezahlschranke herunter. Rund 20 Zeitungstitel haben dem BDZV zufolge bereits Bezahlsysteme eingeführt, ebenso viele würden noch in diesem Jahr folgen. Neben den Paywall-Konzepten für Websites werkeln die Verlage auch intensiv an Apps für Smartphones und Tablets. Mittlerweile soll es rund 330 Apps geben, davon werden laut BDZV 240 verkauft. Die Apps für Tablets sollen dagegen fast alle kostenpflichtig sein.

Anders als downloadbare E-Paper-Versionen werden Apps allerdings bei der Reichweiten-Statistik bisher nicht mitgezählt: „Das veränderte Leseverhalten in den gedruckten und digitalen Zeitungen wird leider in der Media-Analyse nicht adäquat abgebildet“, beschwerte sich kürzlich Markus Ruppe, Geschäftsführer der ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft. „Erhebungen belegen, dass die Zeitungen auf allen Kanälen genutzt werden. Und das auch von den jungen Zielgruppen. Wir brauchen dringend crosskanalige Reichweiten für die Zeitungen.“ Gerade zeitunglesende Teens und Twens könnten via E-Reader, Smartphone und Tablet also der mit Papier raschelnden Restbevölkerung noch dichter auf den Fersen sein, als es die aktuellen Zahlen vermuten lassen.

Abb.: garryknight/Flickr