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E-Lesen wird Rakuten-Technik: Telekom verlässt Tolino-Allianz, Kobo übernimmt

2 Jan 2017 1 Kommentar

tolino-schwimmt-sich-freiE-Lesen ist keine Raketen-Technik. In Deutschland aber vielleicht bald Rakuten-Technik? Diese Neujahrs-Nachricht lässt jedenfalls aufhorchen: die Telekom will offenbar die Tolino-Allianz komplett verlassen — die Anteile der deutschen Fernmelder soll der zum japanischen Rakuten-Konzern gehörende E-Reading-Spezialist Kobo schlucken. Eine entsprechende Übernahme der Produktbereiche „eReading Service“ sowie „eBook Lesegeräte“ wurde bereits kurz vor Weihnachten beim Bundeskartellamt angemeldet. Die Verträge seien unterzeichnet, die übrigen Tolino-Gründungspartner hätten „die Entscheidung, das Tolino-Ökosystem an Kobo zu veräußern und Kobo zum neuen Technologiepartner zu machen, von Anfang an unterstützt“, erklärt dazu Felix Wunderer, Leiter E-Publishing bei der Deutschen Telekom.

Tolino verliert den Technik-Partner

Die Deutsche Telekom war seit dem Tolino-Start 2013 das technische Backbone der Allianz, sowohl was Geräteentwicklung wie auch Cloud-Anbindung und WLAN-Hotspots betraf. Die großen PR-Acts der Allianz fanden in der „Haupstadtrepräsentanz“ des ehemals bundeseigenen Unternehmens in Berlin statt. Am eigentlichen E-Reading-Geschäft hatte die Telekom allerdings von Anfang an kein echtes Interesse, der eher lieblos aufgezogene E-Book-Store „PagePlace“ wurde nach kaum 12 Monaten wieder dichtgemacht. Die Telekom will das Tolino-Projekt insgesamt aber weiter als Vorzeigemodell verstanden wissen: man habe damit „ein digitales eReading Ökosystem erfolgreich gegen starke US-basierte Wettbewerber entwickelt“, so die heutige Pressemitteilung.

Gelungener Coup für Kobo

Nach vier Jahre sei aber jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, das Plattform-Geschäft zu veräußern. Kobo dürfte sich über dieses Schnäppchen mächtig freuen: Schon bisher hatte das ursprünglich kanadische Unternehmen hier und da das E-Book-Business von scheiternden Amazon-Konkurrenten aus der klassischen Buchbranche wie auch E-Lese-Legende Sony übernommen. Diesmal ist der Fall aber etwas anders gelagert: schließlich ist Deutschland einer der weltweit wichtigsten E-Reading-Märkte außerhalb der USA und Großbritannien, und die Tolino-Allianz liegt hier mit Amazon in punkto Marktanteile gleichauf. Hier hat Kobo ab jetzt also ein Bein in der Tür, wenn das Kartellamt der Übernahme bis Ende Januar zustimmt.

„Zeichen der Marktreife“?

Die verbliebenen Partner der Tolino-Allianz sehen den fliegenden Wechsel von der Telekom zu Kobo zumindest nach außen hin erstaunlich gelassen: Leser und Buchhandel würden von der neuen Allianz profitieren, der Markt sei außerdem noch ausbaufähig, so Sikko Böhm von Weltbild. Nina Hugendubel sieht die die Übergabe des Ökosystems an Kobo explizit als „Zeichen der Marktreife“: „Nachdem die Telekom für uns der perfekte Gründungspartner war, geht es mit Kobo nun um weiteres Wachstum und insbesondere um das Halten und das Ausbauen von internationalen eReading-Standards“. Thalia-Geschäftsführer Michael Busch betont zudem: „Kobo und Tolino verbindet das Bekenntnis zu einem offenen und dedizierten E-Reading System“.

Was Tolino-Kunden erwartet

Konkrete Auswirkungen für bestehende Tolino-Kunden sind in nächster Zeit nicht zu erwarten — für die Inhalte ist schließlich die Tolino Media GmBH zuständig, deren Anteile den großen Buchandelsketten Thalia, Weltbild und Hugendubel sowie dem Bertelsmann-Konzern gehören. Der Tolino-Allianz gehören zudem auch der Barsortimenter Libri sowie die regionalen Ketten Mayersche und Osiander an. Niemand wird also über Nacht als Kobo-Kunde aufwachen, und eine Kobo-App auf dem Reader haben — die Tolino-Apps werden auch weiterhin mit dem Buchhändler verknüpft bleiben, bei dem man das Gerät erworben hat. „Die Anbindung an das tolino Ökosystem bleibt mit dem neuen Technologiepartner bestehen“, versichert die Telekom. Auch die kostenlose Nutzung von HotSpots, Tolino App und Tolino Cloud könne „in gewohntem Umfang“ genutzt werden.

Das Ende des Tolino-Readers?

Ob es nach dem erst im November vorgestellten Tolino Vision HD 4 noch eine weitere Generation von Tolino-Readern geben wird, ist dagegen mehr als fraglich. In der offiziellen Pressmitteilung heißt es lapidar: „Die erfolgreichen tolino eReader werden fortgesetzt und die bisherigen Geräte weiter technisch unterstützt.“ Kobo- und Tolino-Reader werden aber ohnehin beim selben Zulieferer (Netronix) gefertigt, und ähneln sich technisch sehr stark — zukünftig dürfte sich wohl maximal noch die Gehäuse-Gestaltung unterscheiden. Die E-Reading-Welt schrumpft damit auf zwei große Player und zwei große Modellfamilien zusammen: Amazon/Kindle und Rakuten/Tolino-Kobo.

(via Buchreport.de)

Ein Kommentar »

  • Spubbles Quickies #44 | spubbles 2.0 schrieb:

    […] der Tolino Allianz: Die Telekom geht. Die Tolino Allianz verliert damit ihren Technologie-Partner. Übernehmen soll Kobo, ein e-Book-Spezialist der inzwischen unter dem Dach des japanischen E-Commerce-Giganten Rakuten […]

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