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E-Lese-Leak: verliert TorBoox die Kontrolle über 43.000 E-Books?

31 Okt 2013

Dass E-Books irgendwann beginnen, frei im Internet zu zirkulieren, lässt sich kaum verhindern. Doch nicht nur Buchhändler, Verlage und Autoren leiden unter Kontrollverlust – ausgerechnet die Buchpiraten von TorBoox stehen gerade vor demselben Problem. Szene-Insidern zufolge wurde nämlich der gesamte Buchbestand der Plattform, nun ja, raubkopiert. Nun droht in den nächsten Tagen ein Leak von knapp 43.000 Titeln, darunter zahlreiche aktuelle Bestseller, aber auch viele populäre Backlisttitel.

Plattformbetreiber beschuldigen „Spiegelbest“

Das Leck im Piratenschiff hat offenbar mit einer umstrittenen Entscheidung der letzten Wochen zu tun – die Buchreport zufolge „womöglich größte deutsche Plattform für illegale E-Books” hatte Anfang Oktober einen monatlichen Beitrag eingeführt, um technisch mit den wachsenden Zugriffszahlen Schritt halten zu können. Diese Entscheidung führte in der Community rund um TorBoox dann jedoch zu einem Streit zwischen überzeugten „Freeloadern“ und den Befürwortern einer Art freibeuterischen Solidarprinzips, das über Flattr-Buttons sogar auf die gerippten Autoren ausgedehnt werden sollte.

Wer für den Leak verantwortlich ist, bleibt unklar. Die Betreiber der Plattform beschuldigen ihren Mitgründer und ehemaligen „Pressesprecher“ Spiegelbest, der das Team Anfang Oktober verlassen hat: „SB hat, wie alle anderen Kern-Mitglieder auch, regelmäßig Komplett-Kopien des Buch-Archivs (das im Übrigen nicht ‚unser‘ Archiv ist) angelegt. Was ihn nun bewogen hat, seine Version davon zu releasen weiß hier niemand.“ Der anonym bleibende Spiegelbest wiederum wehrt sich gegen diese Vorwürfe: „Ich dementiere dies: Es ist nicht mein Archiv, und ich stecke nicht hinter den Uploads“, so der selbsterklärte Ex-Buchpirat am Donnerstag in einer via Posteo verschickten E-Mail an E-Book-News.

„Nur 3 Personen hatten Zugang zum kompletten Archiv“

Die Betreiber von TorBoox haben Spiegelbest zufolge „erheblichen Aufwand betrieben, um zu verhindern, dass ein Außenstehender an das komplette Archiv gelangen konnte.“ So habe es Einschränkungen bei der Suche, ein Downloadlimit und zahlreiche Maßnahmen gegen Doppelaccounts gegeben. Im Unterschied zu zahlreichen Aktiven im Umfeld der Plattform hätten auch nur die drei Betreiber selbst Zugang zum kompletten Archiv gehabt. Mit der Exklusivität von TorBoox wurde offenbar ein strategisches Ziel verfolgt: man wollte der Buchbranche, und speziell dem Börsenverein des deutschen Buchhandels beweisen, dass ein Spotify für E-Books prinzipiell funktionieren kann, sowohl illegal wie auch legal – und bot sich sogar als Gesprächspartner an.

Doch diese Strategie ging letztlich nicht auf: der Börsenverein ignorierte das Gesprächsangebot des TorBoox-Pressesprechers geflissentlich, während die TorBoox-Community sich durch das als Best-Practice-Beispiel gedachte Flatrate-Modell in mehrere Fraktionen spaltete. Für einige der Aktiven scheint die Exklusivität des Angebots nun offenbar keinen Sinn mehr zu machen – sie setzen stattdessen auf den Schneeballeffekt: das frei zirkulierende Archiv soll zur Schaffung von vielen neuen Piraten-Plattformen führen. Verhindern können wird das ironischerweise weder der Börsenverein noch Torboox: E-Books im Netz gehören im Zweifelsfall niemandem, nicht mal den Piraten.

Abb.: Flickr/billycon11 (cc)