[e-comic-review] Das Leben ist kein Ponyhof – Special Maddog Edition

Das Leben ist kein Ponyhof, auch nicht wenn man bunte Bildergeschichten zeichnet. Die Kölnerin Sarah Burrini versucht es trotzdem: seit 2009 betreibt sie ihren gleichnamigen Webcomic. Wie sich das so anfühlt, kann man in den jeweils montags und donnerstags neu erscheinenden Strips miterleben. „Das Leben ist kein Ponyhof“ ist nämlich semi-autobiografisch. Die zentrale Comicfigur namens „Sarah“ sieht der Zeichnerin nicht nur ähnlich, sie ist als ihr Alter Ego angelegt, das nicht selten auch in gezeichneter Form am Zeichentisch sitzt.

Das weitere Personal dieser fiktiven Kölner Comic-WG ist dagegen sichtbar der Phantasie entsprungen, etwa Ngumbe, ein Elefant mit Vorliebe für Miles Davis, El Pilzo, ein mexikanisches Sporengewächs mit Sinn fürs Geschäftliche sowie Butti, das obligatorische Pony, allerdings mit dunkler Knast-Vergangenheit. Das Serienprinzip wird nicht immer eingehalten, neben Einzelfolgen gibt es jedoch zahlreiche Sequenzen, die recht assoziativ eine Idee weiterverfolgen, wobei das Feld von Schweinegrippe über Frisurenmoden bis zur Traumdeutung reicht.

Eigentlich könnte man auch sagen: Burrini ist Comic-Bloggerin – tatsächlich läuft der Webcomic mit WordPress, erweitert durch das Plugin ComicPress. Jede neue Folge erhält einen persönlichen Making-Of-Kommentar, und wird dann wiederum von der Fan-Community eifrig diskutiert. In die eigentliche Produktion der Comic-Folgen muss Burrini natürlich deutlich mehr Handarbeit stecken als ein Blogger in seine Postings – der Workflow verläuft ganz klassisch über Vorskizze, Tuschezeichnung sowie Kolorierung und „Lettering“ der eingescannten Vorlage am PC.

Kann man denn davon leben? Nun ja, das kommt wie immer darauf an. Zum Monetarisierungs-Konzept gehören wie bei vielen anderen Webcomics neben Spenden der Community Affiliate-Links, Merchandizing und der Verkauf von Serien-Samplern aus Papier. Mittlerweile sind zudem zwei digitale Sammelbände via Maddog Comic App erschienen – diese „Special Editions“ enthalten zusätzliches Bonus-Material.

Nicht nur zeichnerisch, sondern auch von Figuren & Story her gehört „Das Leben ist kein Ponyhof“ zu den besten deutschen Webcomics – anklicken lohnt sich, ob regelmäßig via Web oder als digitaler Sampler über die Maddog Comic App. Ebenfalls via Maddog erhältlich ist übrigens die kürzlich erschienene Graphic Novel „Astrum Noctis – Abtei der Geheimnisse“, gezeichnet von Burrini und Ambra Columbani.

Sarah Burrini,
Das Leben ist kein Ponyhof
Preis pro Band: 0,89 € (Madddog Comic App),
14 € (Paperback, Bd. 1); 15 € (Paperback, Bd. 2)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".