[e-comic-review] Blitzmädchen trifft untote Äbtissin (Sarah Burrini, Astrum Noctis)

Hanni und Nanni war gestern. Heute peppt man Internatsgeschichten gerne mit Mystery-Elementen auf, siehe J K Rowlings Zauberschule Hogwarts oder Joss Whedons im Bann der Dämonen stehende Sunnydale-Highschool. Irgendwo zwischen Harry P. und Buffy könnte man wohl auch „Astrum Noctis“ einordnen. Die von Sarah Burrini & Ambra Colombani (Zeichnungen) sowie Eva Fairy (Story) realisierte Comic-Serie setzt auf Mädchen, Magie und schwarz-weißen Manga-Style, als Schauplatz dient in diesem Fall eine mittelalterliche Abtei oberhalb von Genf, die ein Elite-Internat beherbergt. Okay, Jungs & Mädchen, denn die katholischen Schwestern & Patres setzen auf Koedukation.

Unbemerkt von (fast) allen wird in der pädagogischen Provinz aber auch ein sehr archaischer Aberglaube gepflegt – herrscht hier doch eine untote Äbtissin mittels des mystischen „Astrum Noctis“ über eine Schar ergebener Diener. Mit der Internatsschülerin Florence Lenoir steht ihr dann plötzlich eine Gegnerin mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gegenüber: dafür sorgt nicht nur ein magisches Medaillon, sondern auch die Tatsache, dass Florence – Spitzname: „Blitzmädchen“ – in rätselhaften Visionen Einblicke in vergangene und zukünftige Dinge erhält. Zumindest, seitdem das Blitzmädchen bei einem Ausreißversuch vom Blitz getroffen wurde. Überhaupt ist das Waisenkind Florence eher eine Außenseiterin, reiche Eltern kann sie nicht vorweisen, ein mysteriöser Gönner zahlt ihre Schulgebühren.

Auf merkwürdige Weise scheint Florences Familiengeschichte mit der Vergangenheit der Abtei verknüpft zu sein – im Kampf gegen die untote Äbtissin entdeckt die Heldin der Comic-Serie somit Schritt für Schritt auch die Wahrheit über sich selbst, unterstützt durch eine „Scooby Gang“ aus Helfern wie ihrer besten Freundin Carol oder dem Liebligslehrer Professor Byron. Letzterer wird Fans von „Buffy the Vampire-Slayer“ wohl an Giles erinnern, den Schulbibliothekar von Sunnydale. Ebenso, wie man bei Florence Spuren der Vampirjägerin selbst wie auch Willow entdecken mag. Erst recht, da ja die Comic-Version mittlerweile einen wichtigen Teil des umfangreichen „Buffyverse“ ausmacht.

„Astrum Noctis“ dagegen bleibt mit den beiden in Band 1 enthaltenen Episoden („Blitzschlag“ sowie „Das Geheimnis der Äbtissin“) noch sehr überschaubar. Was Figuren, Story und vor allem das Zeichnerische betrifft, darf das Seriendébut trotzdem als äußerst gelungen gelten. Grafisch ist Band 1 deutlich als Koproduktion erkennbar, denn Episode 2 stammt aus der Feder von Burrinis italienischer Kollegin Ambra Colombani – ein interessanter Perspektivwechsel. Was mir auch sehr gut gefällt: die beim Indie-Label „Dani Books“ publizierte Papierversion wird als multimediales Bundle angeboten, für 11 Euro erhält man Comicbuch und PDF. Bestellt man die Buchversion online, bekommt man parallel einen Download-Link zugeschickt. Separat gibt’s den E-Comic für 5,49 Euro, u.a. via Maddog-Comic-App.

Astrum Noctis – Die Abtei der Geheimnisse
(Sarah Burrini, Ambra Colombani, Eva Fairy)
Paperback & PDF-Bundle (Dani Books) 11,00 Euro
E-Comic (Maddog App etc.) 5,49 Euro

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".