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[e-comic-review] Gestatten: Alina Fox, Thief Extraordinaire

28 Feb 2014

Können deutsche Comics franko-belgischen Klassikern das Wasser reichen? Nachdem ich mir gerade die drei Teile umfassende E-Comic-Version von „Alina Fox – Tödlicher Kristall“ angesehen habe, muss ich sagen: Absolut. Der Berliner Indie-Zeichner Daniel Gramsch hat seine Techniken zwar eher am US-amerikanischen Superhelden-Comic geschult, doch seine Heldin Alina Fox – Beiname „Thief extraordinaire“ – hat mich erzählerisch stark an frankophone Serien wie Spirou & Fantasio oder Blake & Mortimer erinnert, auch wenn das Artwork zeichnerisch nicht ganz so dicht an der “Ligne Claire” orientiert sein mag, sondern dynamischer daherkommt…

Nicht ganz zufällig musste ich wohl auch gleich an Indiana Jones denken – denn wie im vierten Teil von Spielbergs Film-Saga geht’s auch im Indie-Comic um 13 mystische Kristallschädel, die dem Besitzer große Macht versprechen: „Esoteriker meinen, dass wenn alle Schädel gefunden wurden, was riesiges passiert“, doziert Alina Fox ihrem Team. Genaueres ist leider nicht bekannt: „Einige prophezeien Friede, Freude, Eierkuchen, andere das Ende der Welt“. Deswegen hat die Meisterdiebin sicherheitshalber einen der Schädel aus einem New Yorker Museum gestohlen.

Einen weiteren Schädel soll ihr Kollege Agamemnon Brown besorgen – der „Teilzeit-Archäologe, Teilzeit-Geschäftsmann und Vollzeit-Abenteurer“ steigt zu diesem Zweck in eine guatemaltekische Pyramide ein. Leider hat Alina Fox jedoch recht: die Kristallschädel ziehen tatsächlich das Interesse zwielichtiger Gestalten an – die meisten besitzt inzwischen der Mystiker, Unsym- und Psychopath Claas van Tejm. Und auch die letzten beiden bringt er in seine Gewalt: Agamemnon Brown wird dabei in Tikal gefangengenommen, ein weiterer Kollege von Alina Fox wird in New York getötet.

Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit – van Tejm will ein spezielles Ritual durchführen, in dessen Verlauf ihm die in den Kristallschädeln schlummernden Kräfte die „Weltformel“ offenbaren sollen. Solche Kristallschädel existieren übrigens tatsächlich – und wenn sie auch weder von Außerirdischen noch von präkolumbianischen Kulturen stammen, sondern wohl eher aus Idar-Oberstein, so sind sie doch immer für eine Geschichte gut. Dass wusste schon F.A. Mitchell Hedges, so eine Art Erich von Däniken des frühen 20. Jahrhunderts. Sein legendäres, angeblich 1924 in British-Honduras entdecktes Exemplar taucht auch als Backstory in Daniel Gramsch Comic auf.

Das darf man wohl als weiteren Verweis des Indie-Zeichners auf „Indiana Jones & das Königreich der Kristallschädel“ lesen. Nicht zuletzt gilt Mitchell-Hedges ja selbst als eins der wahrscheinlichsten Vorbilder für den von Harrison Ford verkörperten Jäger verlorener Schätze made in Hollywood. Sympathischerweise kommt Alina Fox – Tödlicher Kristall – aber bis zum Ende ohne einen vergleichbaren Effekt-Overkill aus. Van Tejm hat keine alienverschwörungstheoretischen X-Akten gelesen, sondern sich mit mittelalterlicher Alchemie beschäftigt. Auf Knalleffekte beim großen Showdown darf man aber trotzdem gespannt sein…

Den ersten Teil von Alina Fox – Tödliches Kristall – gibt’s via Mad Dog Comic-App kostenlos (kann auch via Browser am PC gelesen werden), die Teile 2 und 3 kosten jeweils 1,49 Euro. Auf Papier & als Hörspiel (!) ist Alina Fox aber auch erhältlich.