E-Books überholen Hardcover: Gutenberg-Galaxis am „Tipping Point“?

Die Nachricht klingt irgendwie bekannt: erstmals wurden in den USA während eines Quartals mehr Umsätze mit E-Books als mit Hardcovern erzielt. Doch diesmal geht es nicht um Amazon, sondern um den gesamten US-Buchmarkt. Zwischen Januar und März 2012 wurden dort in der Kategorie „Adult Hardcover“ (also exklusive Kinderbücher) knapp 230 Millionen Dollar umgesetzt, mit E-Books dagegen eine Summe von 283 Millionen Dollar. Das meldet die Association of American Publishers (AAP). Während E-Books im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 28 Prozent zulegten, wuchs der Hardcover-Bereich dabei nur um knapp drei Prozent. Noch stärker bemerkbar macht sich die elektronische Konkurrenz im Bereich Taschenbuch. Hier wurden je nach Ausstattung Rückgänge zwischen zehn und zwanzig Prozent verzeichnet.

Trotz dieser „gewissen Erosion“ (O-Ton AAP) liegen die Paperbacks mit einem Umsatz von insgesamt fast 400 Millionen immer noch deutlich vor den E-Books. Setzt sich die bisherige Marktdynamik fort, könnte aber auch dieser „Tipping-Point“ bald erreicht sein. Das beste Beispiel dafür ist Amazon: auf der US-Plattform des Online-Händlers wurden erstmals im Sommer 2010 mehr E-Books als Hardcover verkauft. Bereits Anfang 2011 hatte der Kindle-Store von den Verkaufszahlen her auch die Taschenbücher eingeholt. Und schon im Mai 2011 konnte Amazon.com dann melden: „Wir verkaufen jetzt mehr Kindle-Books als gedruckte Bücher“.

Der Amazon-Effekt ist übrigens weltweit spürbar – denn die Gesamtexporte von englisschsprachigen Büchern made in USA legten im Jahr 2011 um sieben Prozent zu, angetrieben vor allem durch E-Books. In Europa können sich die amerikanischen Verleger aber auch bei gedruckten Büchern über fast zweistellige Zuwachsraten freuen. Besonders stark wächst das Geschäft mit US-amerikanischer Lektüre dabei naturgemäß in Großbritannien. Einem Print-Plus von zehn Prozent stand im Vereinigten Königreich ein E-Book-Plus von 1300 Prozent gegenüber. Der britische Ableger des Kindle-Stores öffnete vor knapp zwei Jahren seine Pforten.

(via Teleread.org)

Abb.: Kodomut/Flickr

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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