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E-Books im Tal der Tränen? Gartner-Report warnt vor dem Ende des Hype-Cycles

Hype Cycle Report Droht dem E-Book der Absturz in das Tal der Enttäuschungen.gifGeht der E-Book-Hype bald zu Ende? Der aktuelle Hype Cycle Report von Gartner Inc. hält das für möglich. E-Reader, E-Ink, epub & Co. gehören demnach zu Technologien, die zwar hohe Erwartungen erzeugen konnten, sich aber noch nicht fest im Alltag etabliert haben. Ähnlich wie Microblogging, Web-TV oder Cloud Computing droht dem E-Book der Absturz vom „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ in das „Tal der Enttäuschungen“. Es sei denn, man erreicht rechtzeitig das rettende „Plateau der Produktivität“. Dazu müssten das elektronische Lesen sich allerdings zur preisgünstigen, überall verfügbaren Alltagstechnik mausern…

Schon in den Neunziger Jahren gab es einen E-Book-Hype

Totgesagte leben länger – das gilt wohl auch für E-Reader und E-Books, denen der „Hype Cycle Report for Emerging Technologies“ nun ein Absturz-Szenario nahelegt. Dejà Vu! Schon in den Neunziger Jahren wurde die elektronische Lektüre als bahnbrechende Zukunftstechnologie angekündigt. Der erste Hype-Zyklus startete. Durch das Internet und Dokumentformate wie Adobes PDF gab es plötzlich die Möglichkeit, Bücher auf elektronische Weise weltweit zu verbreiten. Auch die ersten Handheld-Computer mit LCD-Bildschirm tauchten auf. Jedoch fehlten einheitliche Gerätestandards, und aktuelle Titel waren praktisch nicht erhältlich: die E-Leser mussten ihre Bücher selbst einscannen. Kein Wunder, dass der Hype-Zyklus schnell wieder bei Null angekommen war. Erst mit E-Ink, dem elektronischen Papier, gab es neue Hoffnung für die Branche. Als mit Sony und Amazon zwei Branchenriesen in das Geschäft mit den E-Books einstiegen, begann Hype-Zyklus Nummer Zwei.

Per „Hype Cycle“ auf den Gipfel der überzogenen Erwartungen

Die Wachstumszahlen der E-Book-Branche in den USA und in Japan sind gigantisch. Doch wenn man Jackie Fenn von Gartner Inc. glauben darf, droht bald der nächste Absturz in der Gunst von Medien und Konsumenten: „Technologies at the Peak of Inflated Expectations during 2009 include cloud computing, e-books and internet TV“. Nach dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ droht nach dem Gartner-Modell das „Tal der Enttäuschungen“. Nur wenn es gelingt, mit preisgünstigen Angeboten einen Massenmarkt zu erobern, erreichen neue Technologien danach das „Plateau der Produktivität“. Das auf IT-Beratung- und Forschung ausgelegte Unternehmen Gartner versucht mit dem Modell des „Hype-Cycles“ seit 1995 die Reaktion der Menschen auf neue Technologien zu prognostizieren. Was das bringt, zeigt der Titel eines aktuellen Buch-Titels von Jackie Fenn und Mark Raskino: „How to Adopt the right Innovation at the Right Time“. Wenn man alles richtig macht, geht es nämlich nach dem ersten Absturz irgendwann wieder bergauf. Das stabilisierende „Plateau der Produktivität“ kann zweierlei bedeuten: eine relativ profitable Nische oder ein veritabler Massenmarkt mit großen Umsatzzahlen. Quo vadis, E-Book?

Hype meets Hype: epub wurde schon zum MP3 der Buch-Branche erklärt

Folgt man Fenns Motto „Looking at real benefit, rather than the hyped expectation“, ergibt sich in punkto E-Books folgendes Bild: Die Popularität der elektronischer Lektüre leidet unter dem Wirrwarr proprietärer Datei-Formate und abschreckenden DRM-Techniken, dazu kommen relativ hohe Preise für E-Reader und Content. Warum soll man viel Geld für teuere Geräte und teure E-Books ausgeben, wenn einem die Bücher am Ende nicht einmal gehören? Vor kurzem löschte Amazon bekanntlich mit dem Hinweis auf urheberrechtliche Probleme verschiedene Titel auf dem drahtlos mit dem Internet verbundenen Kindle-Reader, unter anderem Ausgaben von Orwells 1984. Andererseits ist mit dem epub-Format in der letzten Zeit ein Standard in Sicht, der viele Probleme der Branche lösen könnte. Nicht ganz zufällig wurde das epub-Format in letzter Zeit sogar schon zum MP3-Format für Bücher erklärt. Weitere „Hypes“ stützen ein positives E-Book-Szenario: mobile Geräte verbreiten sich dank sinkender Preise immer rascher, und zusammen mit dem neuen Trend Cloud Computing rückt nicht nur mobiles Web-TV in greifbare Nähe, sondern auch die mobile Online-Lektüre von E-Books.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

3 Gedanken zu „E-Books im Tal der Tränen? Gartner-Report warnt vor dem Ende des Hype-Cycles“

  1. Ich bin begeisterte eBook-Leserin und Besitzerin von einem eBook-Reader. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich beides endlich durchsetzen würde.

    Ich habe mal interessehalber nach eBook und ähnlichen Stichworten bei Google Insights for Search gesucht, wodurch man sieht, wie häufig nach Begriffen gesucht wird. Viele Suchen lassen auf eine hohe Nachfrage schließen.

    Demnach sieht es eher so aus, als wäre das Thema ein Hype und nicht ein langfristiger Trend, siehe auch meinen Artikel unter http://reader-club.sony.de/web/guest/forum/-/message_boards/message/129451

    Hoffentlich behält Google nicht recht :0)

    1. Die Nachfrage könnte zwischendurch tatsächlich wieder abflauen, denn als E-Reader-Besitzer möchte man natürlich auch aktuelle Bestseller als E-Book kaufen können. In den USA und in Großbritannien geht das schon längst, die Auswahl ist groß, die Verkaufszahlen steigen kontinuierlich: ein Tal der Tränen ist dort nicht in Sicht. Ich würde mir für Deutschland eher kurz- bis mittelfristig Sorgen machen. Langfristig dürfte der weltweite Erfolg der E-Books auch auf unser Leseländle überschwappen… Die Verzögerungstaktik der deutschen Verlage ist eben genau das: sie kann die Entwicklung in Richtung online und digital nicht dauerhaft aufhalten.

  2. Pingback: kledy.de

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