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E-Books im Abo: Buchhandel entdeckt Flatrate als Geschäftsmodell

Flatrate, wir kommen: Die Börsenvereinstochter MVB plant „Miet- und Verleihmodelle für E-Books“, die sowohl auf einzelne Titel wie auch gebündelten Content ausgerichtet sind. Technische Grundlage soll eine Cloud-Reading-App bilden, die von der Plattform Libreka! zur Verfügung gestellt wird. Neben günstigen Abo-Preisen bietet die Online-Lektüre auch mehr Komfort, denn die E-Books sind via Browser auf zahlreichen Mobilgeräten nutzbar, lästiges DRM bleibt also verzichtbar. Ab 2013 könnte der deutsche Buchhandel solchermaßen in das Geschäft mit Flatrates und E-Book-Abonnements einsteigen. Vorgestellt wurde die Rent-A-Book-Variante erstmals während der diesjährigen Buchtage Berlin. Einzelheiten zum Mietmodell und den zu erwartenden Kosten für den Konsumenten sind noch nicht klar: „Gemeinsam mit Verlagen und dem Sortiment wollen wir einheitliche Nutzungsbedingungen erarbeiten“, so MVB-Chef Schild.

Wie E-Book-Flatrates in der Praxis funktionieren, zeigt seit Anfang 2012 bereits Skoobe, ein Angebot der Verlage Bertelsmann & Holtzbrinck. Wer die gleichnamige App auf iPhone oder iPad installiert, darf zum Abo-Preis von 9,99 Euro monatlich jeweils fünf Titel gleichzeitig ausleihen. Umfangreiche Leseproben ermöglichen auch für Nicht-Abonnenten das Anlesen aller verfügbaren Bücher. Die Titel können auf bis zu drei Apple-Geräten gelesen werden. Ein Offline-Modus erlaubt die Fortsetzung der Lektüre auch ohne aktive Internet-Verbindung. Auch für den MVB-Cloud-Reader soll eine vergleichbare Möglichkeit angeboten werden, und zwar in Verbindung mit einem neuen Trekstor-Reader, der in der zweiten Jahreshälfte 2012 an den Start gehen soll.

Die ökonomische Bedeutung von Flatrate-Angeboten wächst: MVB-Chef Schild verwies selbst darauf, dass etwa der Hörbuch-Anbieter Audible in Deutschland bereits 85 Prozent seines Umsatzes mit Audiobooks im Abo erzielt. Schützenhilfe für die Flatrate gab es auf den Buchtagen zugleich auch von Sascha Lobo: in einer Keynote riet der Alpha-Blogger den deutschen Buchmachern, sich an einen Produktpreis von Null Euro zu gewöhnen, und stattdessen umfassendere Service-Angebote zu lancieren. Das große Vorbild stellt dabei wie so oft Branchenprimus Amazon dar: Premium-Kunden bietet das Unternehmen in den USA gegen eine Jahresgebühr von 79 Dollar neben kostenlosen Streaming-Videos auch mehr als 100.000 E-Books zur Gratis-Ausleihe an.

Abb.: Yinghai/Flickr

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „E-Books im Abo: Buchhandel entdeckt Flatrate als Geschäftsmodell“

  1. Mit Angeboten wie Skoobe und KDP Select bleibt der stationäre Buchhandel außen vor. Wie Kurt Rössler in seinem Beitrag auf der mvb usergroup schreibt, zögern zudem die Buchhandlungen, in den digitalen Bereich einzusteigen. Bei derartigen Berührungsängsten darf es nicht überraschen, wenn die Leser nicht mehr erwarten, e-books im Buchladen an der Ecke kaufen oder leihen zu können. Mir fällt auf, dass die Diskussion sich nach wie vor sehr um die Wünsche und Befürchtungen von Verlagen und Buchhändlern dreht und die Ansprücher der Leser als Kunden kaum betrachtet werden.

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