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E-Books für alle, und zwar umsonst: Readfy disruptet die Buchbranche

3 Feb 2014 2 Kommentare

Die einzigen echten E-Book-Versteher waren bisher die E-Book-Piraten – auf ihren Plattformen gab es ein breites Angebot an Titeln entweder ganz kostenlos oder zum günstigen Flatrate-Tarif. Ein so erfolgreiches Modell, dass manche Autoren ihre Bücher sogar selbst zur Verfügung stellten, um vom Reichweiteneffekt zu profitieren: wenn elektronische Bücher die perfekte Zirkulation ermöglichen, warum sollte man sie dann künstlich ausbremsen? Doch jetzt hat auch der legale Spiralarm der Gutenberg-Galaxis dazugelernt: mit dem Beta-Launch von Readfy startet an diesem Montag eine Plattform, die den Nutzern einen New Deal anbietet: kostenlos und unbegrenzt E-Books lesen mit Werbeeinblendung, oder gegen einen Monatsbetrag eine unbegrenzte E-Book-Flatrate. Mittel zum Zweck ist die Readfy-App – zunächst nur für Android-Nutzer erhältlich. [Update 4.2.: der Readfy-Start wurde auf Freitag, 7.2. verschoben, um die Server-Kapazitäten auszubauen]

Die Readfy-Gründer Felix Bauchspiess, Ryan David Mullins und Frank Großklaus wollen zeigen: ein deutsches “Spotify” für E-Books (mittlerweile könnte man auch sagen: ein deutsches Oyster) ist tatsächlich machbar. “Wir wollen die disruptive Kraft sein, die das Geschäftsmodell der Verlage auf eine neue Stufe hebt“, postulierte Readfy-Geschäftsführer Bauchspiess schon Ende 2013 gegenüber Buchreport. Schaut man auf die blanken Zahlen, könnte das tatsächlich gelingen: zum Start sind 15.000 Titel von über 120 Verlagen dabei, bis Jahresende, wenn auch eine iOS-App verfügbar sein wird, sollen es bereits 30.000 Titel sein. Damit wäre Readfy dann schon da, wo Skoobe jetzt steht – allerdings hat die von Holtzbrinck und Bertelsmann angeschobene App keinen Gratis-Level.

Der Zugang ist bei Readfy also deutlich niedrigschwelliger, und die Verlage bekommen durch die “Sponsoring”-Strategie trotzdem Geld, abgerechnet wird pro gelesener Seite. Ähnlich wie Skoobe wird Readfy aber im doppelten Sinne um das Erreichen der kritischen Masse kämpfen müssen – so viele Titel wie möglich, soviele Nutzer wie möglich. Und das könnte spannend werden. Während der Beta-Phase läuft Readfy ähnlich wie Skoobe erstmal mit gebremstem Schaum – maximal 5.000 Nutzer können subskribieren. Die Ziele sind aber deutlich hochgesteckter als bei Skoobe: mit der App will man zum “internationalen Marktführer für kostenfreies Lesen” avancieren. Für 2015 ist bereits die Internationalisierung geplant.

Unterstützt werden die Readfy-Macher dabei von Mitgesellschafter Gerrit Schumann, bekannt als Gründer des erfolgreichen Musikstreaming-Dienstes Simfy. Brancheninsider wissen ja ohnehin: Von der Musikindustrie lernen heißt siegen lernen – ob es nun um die Flatrate oder den Abschied von DRM geht. Mit der Buch-Streaming-App Readfy, das ist schon mal klar, kann man auf einen Schlag beides realisieren. Die Zukunft des Content-Konsums wird ohnehin vor allem auf Smartphones und Tablets stattfinden, da ist es logisch, auch E-Books auf ähnliche Weise anzubieten wie Musik oder Video.

Das sehen auch die Investoren so, die Readfy möglich machen: der Düsseldorfer Inkubator 1st Mover stellte 100.000 Euro zur Verfügung, ab heute läuft auf der Crowdinvestment-Plattform companista eine Finanzierungskampagne, die noch mal dieselbe Summe bringen soll. Ab 5 Euro kann man die Disruption der deutschen Buchbranche beschleunigen helfen. Ich bin mir sicher: auch der eine oder andere Buchpirat wird hier einen Teil der erbeuteten Bitcoins investieren, denn letztlich haben alle E-Book-Versteher dasselbe Ziel: E-Books für alle, und zwar umsonst, zumindest für die Leser.

Abb.: Readfy.com

2 Kommentare »

  • 5 Lesetipps für den 4. Februar | Netzpiloten.de – Social Web Explorer schrieb:

    […] READFY e-book-news.de: Readfy disruptet die Buchbranche: Mit Readfy startete gestern eine Plattform für E-Books, die den Nutzern einen New Deal anbietet: kostenlos und unbegrenzt E-Books lesen mit Werbeeinblendung, oder gegen einen Monatsbetrag eine unbegrenzte E-Book-Flatrate. Offensichtlich hat sich jemand von den zwar Reichweite fast schon garantierenden, aber stets bekämpften E-Book-Piraten inspirieren lassen und das Geschäftsmodell auf legale Füße gestellt. […]

  • Bookmarks der letzten Woche (KW 6, 2014) | Büchereizentrale Niedersachsen... schrieb:

    […] e-book-news.de » E-Books für alle, und zwar umsonst: Readfy disruptet die Buchbranche […]