E-Books & Gender-Gap: Vom Hepublishing zum Shepublishing

Shebooks, das klingt nach E-Books für Frauen, oder von Frauen. Im Fall von Shebooks.net stimmt beides – und das aus gutem Grund: denn die Startup-Verlegerin Laura Fraser und ihre KollegInnen Peggy Northrop & Rachel Greenfield hatten die Nase voll vom männerdominierter E-Literatur wie auch Publizistik in Magazinen wie Atlantic, New Yorker oder New Republic. Dort beträgt aktuellen Studien zufolge die Männerquote satte 75 Prozent oder mehr. Und auch wenn Frauen stattdessen lieber erfolgreiche Bücher schreiben, haben sie das Nachsehen: Autorinnen verfassen in den USA zwar zwei Drittel der Bestseller, verdienen aber nur ein Drittel der Tantiemen.

„The problem was that female authors, journalists, editors – and ultimately female readers – were being shut out of the [digital] revolution. Innovative digital publishing companies led by men and publishing mostly male writers were getting lots of investment and attention. But we knew that women are voracious readers in every format – buying the majority of books and magazines and reading (and writing) the majority of blogs“, liest man im Mission-Statement von Shebooks.net

Die drei Branchen-Insider Fraser, Northrop und Greenfield launchten also kurzerhand ein eigenes E-Publishing-Projekt – mit Shebooks.net ging Ende 2013 eine Plattform ans Netz, die sich auf E-Book-Singles von Belletristik über Biografisches bis hin zu Reportagen spezialisiert hat, maximale Länge: 10.000 Worte. Irgendwie hybrid zwischen Magazin & Verlag angelegt ist auch das Vertriebskonzept – man kann sowohl einzelne Titel kaufen wie auch ein monatliches Abo abschließen.

Crowdpublishing beherrschen die Frauen von Shebooks.net auch sehr gut: mit ihrer Unterstützer-Aktion für die „2014 Equal Writes Campaign“ auf Kickstarter warben die Buchmacherinnen bis Ende Juni mehr als 50.000 Euro ein – damit können nun bis Ende des Jahres mehr als 100 E-Books von Frauen veröffentlicht werden, mindestens zwei pro Woche, und das dank der Crowd-Funds auch mit fairen Honoraren bezahlt.

Den Gender-Gap gibt’s übrigens auch bei uns, digital wie gedruckt – siehe etwa die beachtliche Männerquote bei Krautreporter oder sogar bei einem „alternativen“ Medium wie der taz: wie man erst vor wenigen Wochen lesen konnte, werden unter dem Zeichen der tazze zwei Drittel der Artikel von Männern geschrieben.

Abb.: Screenshot

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".