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E-Books aus dem Automaten: Lösung für den stationären Buchhandel?

19 Jul 2011 4 Kommentare

Gloria, Viktoria: Es gibt sie doch, die E-Book-Lösung für die Buchhandlung vor Ort. Zumindest als Prototyp. Auf der japanischen Fachmesse „Electronic Publishing“ wurde ein E-Book-Automat der Firma Glory vorgestellt. Von weitem sieht das Gerät eher aus wie ein Spielautomat – doch auf dem bunten Bildschirm wird nicht geballert, sondern der elektronische Verlagskatalog gewälzt. Fragt sich natürlich, wie bekommt man den virtuellen Lesestoff eigentlich in die Hand? Ganz einfach: wirft man Geld in den Automaten, kommt ein Bon heraus, der einen Download-Link in Form eines QR-Codes enthält.

Ein normaler E-Reader kann für den direkten Download deswegen nicht genutzt werden. Man braucht ein Smartphone mit integrierter Kamera. Im handyverrrückten Japan gehört ein ein solches aber ohnehin zur techischen Grundausstattung der meisten Konsumenten. Zudem werden E-Books genauso wie E-Mangas in Japan auch überwiegend auf den Displays des „Keitei“ gelesen. Manche Bestseller wurden sogar schon auf der Handy-Tastatur geschrieben…

Die Grundidee des E-Book-Automaten von Glory überzeugt mich weitaus besser als bisherige Versuche in Deutschland, in Buchhandlungen Download-Stationen einzurichten, die den Umweg über einen USB-Stick gehen. Kindle-App, Bluefire-Reader & Co. haben schließlich auch unsere Smartphones längst zum vollwertigen Lesegerät gemacht. Cloudbasierte „Ökosysteme“ von E-Book-Anbietern ermöglichen es ja zudem, das via QR-Code & Smartphone geshoppte E-Book am Ende auf dem „klassischen“ E-Reader landen.

In diesem unseren „Land der Ideen“ wurde übrigens eine ganz ähnliche Idee schon mal ausprobiert: während der Buchmesse 2009 testete man in Frankfurt „smarte“, hintergrundbeleuchtete Werbeplakate, in deren Umgebung man via Bluetooth Leseproben aktueller Spiegel-Bestseller auf das Handy laden konnte. Auch der E-Book-Verkauf wurde damals schon angedacht. Aber eigentlich ist der japanische E-Book-Automat mir doch sympathischer – da hat man zumindest nach dem elektronischen Einkauf noch ein kleines Stück Papier in der Hand.

(via übergizmo & The Digital Reader)

4 Kommentare »

  • Christoph Mann schrieb:

    Sympatisch mag der Ansatz ja sein. Aber warum sollte man als Readerbesitzer

    – in eine Buchhandlung gehen,
    – einen Bon ausdrucken,
    – nach Hause gehen
    – das E-Book ins Smartphone laden
    – und es dann in den Reader kopieren,

    wenn man zu Hause ganz bequem das E-Book direkt auf den Reader ziehen kann?

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Naja, das E-Book auf’s Smartphone laden kann man ja auch schon in der Buchhandlung, wenn man’s dabei hat ;-) Der Clou liegt denke ich aber eben in der Verbindung von Vor-Ort-Verkauf von Printbüchern mit einer praktikablen E-Book-Option. Wenn man auf diese Weise auch als E-Leser den lokalen Buchhändler unterstützen kann, macht das doch Sinn. Eine Sache, die zudem immer etwas unterschätzt wird: in der Buchhandlung bekommt man am Regal mehr von einem Buch zu sehen als nur eine 10-Prozent-Leseprobe.

  • Rudi schrieb:

    Also ich halte den Ansatz der ebookcards da für besser.
    Der Geschäftsvorfall ist da weniger der Verkauf an den Endkunden, sondern eher die Möglichkeit ein ebook auch verschenken zu können und das auch noch in ansprechender Aufmachung. Verschenkt werden bei uns zumindest immer noch sehr viele Bücher und für ebooks gibt es da sonst noch nicht so die Möglichkeiten. So ein Zettel ist IMHO eher unansehnlich.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Ja, zum Verschenken sieht das auf jeden Fall besser aus. Wenn man jetzt noch den Code auf der Ebookcard nicht per Hand eingeben müsste, sondern einen QR-Code zum einscannen hätte, dann wäre es perfekt ;-)