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E-Book-Verleih als Geschäftsmodell: „Kindle Lending Club“ finanziert sich über Affiliate-Links

kindle-lending-clubAmazons Ausleih-Funktion für Kindle-E-Books zieht weitere Kreise: ein Startup aus Kanada hat das „Lending-Feature“ als Geschäftsidee entdeckt. Ziel des anvisierten „Kindle Lending Clubs“ (KLC) ist es, online möglichst viele Leihgeber und Ausleihende in Kontakt zu bringen. Werden die Leser in den zur Verfügung stehenden 14 Tagen mit der Lektüre nicht fertig, bietet ihnen KLC einen Affiliate-Link an, um das E-Book im Kindle-Store zu erwerben. Gründerin Catherine MacDonald hat mit dem Modell des Ausleih-Clubs bereits erste Erfahrungen sammeln können – sie startete nämlich bereits Anfang Januar die Facebook-Seite „Kindle Lending Club“, über die in kurzer Zeit bereits mehr als 1000 Kindle-E-Books verliehen wurden.

Egal ob Nook oder Kindle – die Leser vernetzen sich

E-Books verleihen kommt immer mehr in Mode – angefangen hatte damit Amazons wichtigster Konkurrent Barnes&Noble. Um die neuen Nook-Reader noch attraktiver zu machen, startete die größte US-Buchhandelskette bereits im letzten Jahr das „Lend-Me“-Programm. Gedacht war die Verleihfunktion eigentlich eher für den privaten Rahmen. Wie so oft eigneten sich die Nutzer die neue Möglichkeit jedoch auf ihre Weise an – und gründeten mit Hilfe von Social-Media-Plattformen neue Verleih-Netzwerke und Online-Clubs. Ähnlich schnell waren die Kindle-Nutzer, kaum das Ende Dezember das „Lending-Feature“ verfügbar war. Catherine McDonalds „Kindle Lending Club“ auf Facebook startete am Silvesterabend, und hat nun bereits mehr als 4000 Unterstützer.

Nutzung des Kindle Lending Clubs bleibt kostenlos

Für die Nutzer von kindlelendingclub.com soll der Ausleih-Service genauso kostenlos sein wie die Nutzung der Facebook-Community, die Monetarisierung findet ausschließlich über Provisionen statt, die beim nachträglichen Kauf von E-Books fließen : “Ich möchte nicht, das bei der Nutzung der Ausleihfunktion auf unserer Plattform Geld ins Spiel kommt“, so McDonald gegenüber cnet. „Mir gefällt die Idee, das jemand der nicht einmal eine Kreditkarte besitzt trotzdem einfach so ein Buch von jemand anderem ausleihen kann – vielleicht ja jemand in einem Entwicklungsland. Eigentlich machen wir ja auch nichts anderes als früher, Bücher verleihen ist ja nichts neues, aber die Reichweite hat sich geändert, der Akt des Ausleihen hat nun globale Dimensionen erreicht“.

Auch E-Book-Verleih durch Bibliotheken boomt

Von seiten Amazons wurde das neue Projekt bisher nicht kommentiert – was aber auch daran liegen dürfte, dass die Ausleihfunktionen sich im engen Rahmen bewegen: jedes Kindle-E-Book kann vom Besitzer nur einmal für die Dauer von 14 Tagen verliehen werden. Außerdem bleibt es ähnlich wie bei der „Text-to-Speech“-Funktion den jeweiligen Verlagen bzw. Rechteinhabern überlassen, ob das Feature bei einem Titel im Kindle-Store überhaupt aktiviert wird. Die meisten E-Books werden ohnehin wohl auch zukünftig in anderer Form ausgehliehen – nämlich ganz regulär von Bibliotheken. Der in diesem Bereich tätige US-Dienstleister Overdrive meldete für 2010 einen Anstieg der Ausleihen um 200 Prozent, insgesamt wurden mehr als 15 Millionen E-Books ausgeliehen. Overdrive macht für Bibliotheken weltweit mehr als 400.000 Buch-, Musik- und Videotitel in elektronischer Form verfügbar – direkt auf Tablets, Smartphones und E-Readern. In Deutschland ist die „Onleihe“ via Overdrive bisher allerdings nicht möglich. Viele Bibliotheken bieten allerdings basierend auf Adobe Digital Editions den Download von E-Books und Hörbüchern an.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".