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[e-book-review] Das ganze Netz für die Katz? Ein Gespräch über Cat Content (Christiane Frohmann, Stephan Porombka)

Katersalon, das klingt verdächtig nach Cat-Content. Doch das täuscht. Im echten Leben kann man Christiane Frohmanns kulturwissenschaftliche Performances durchaus auch Katzenallergikern empfehlen. Einmal jedoch ging es vor gar nicht allzu langer Zeit – damals noch im Kater Holzig direkt am Spreeufer – tatsächlich um Katzen, genauer gesagt um „Internet-Katzen“. Über dieses Thema sprach die Salonière & Startup-Verlegerin mit Stephan Porombka, Texttheoretiker und u.a. auch Experte für Ameisen („Ant-Content“). Was bedeutet die Inflation des Cat Content im Netz für unsere Welt- und Selbstwahrnehmung? Ist das gesamte Web am Ende für die Katz? Oder die Katze sogar selbst das Netz? Die Antworten findet man nun auch im gleichnamigen Buch „Internetkatzen“, erschienen in der Reihe „Generator“ im Frohmann-Verlag.

Cat Content wird kampagnenfähig

In Deutschland ist das Phänomen wie üblich etwas später angekommen, Bilderstrecken à la „Cats that look like Hitler“ oder skurrile Videos wie das von der untoten Hubschrauberkatze waren die Vorboten eines Hypes, der um das Jahr 2013 dann plötzlich auch feuilletonfähig wurde. Die Internet-Katzen bekamen Nachrichtenwert, sie wurden kampagnenfähig: Zur Bundestagswahl buhlten selbst klassenbewusste Sozialisten mit Cat-Content: „Katzenbabys wählen die LINKE“, war ein entsprechendes Katzenbaby-Bildchen betitelt, das via Facebook virale Verbreitung fand.

Nicht ganz zufällig dreht sich der erste Teil des Gesprächs dann auch um „Marketingkatzen“ – gerade als Tiere, die (so Porombka) „keinen sozialen Standort haben“, können sie etwas in Bewegung setzen, auch milieuübergreifend. Sie helfen einem englischen Straßenmusiker (siehe das Buch „A Street Cat Named Bob“) zu Ruhm und Reichtum, sie erlauben aber auch einem Snob wie Karl Lagerfeld den Imagewechsel. Die Siamkatze und der Modedesigner, zusammen sind sie nur noch Karl und Choupette: „Neben William & Kate das prominenteste Liebespaar der Gegenwart“, so Christiane Frohmann.

Memkatzen machen Menschen zum Accessoire

Doch Vorsicht – im richtigen Leben mag die Katze dem Menschen als Imageverstärker dienen, im Internet ist es anders. Das zeigen Frohmann & Porombka mit ihren Interpretationen von „Fotografiekatzen“ und ihren Staffage-Menschen, von Truman Capote über Audrey Hepburn bis Freddie Mercury: „Wenn überhaupt, dann ist in der Internetkatzenwelt der Mensch das Accessoire“, so Porombka, der selbst übrigens keine Katze besitzt. Manche der Tiere werden sogar zu „Memkatzen“ – mit eigenem „Mem-Manager“ & Media-Team: „Und dieses Team ist darauf angesetzt, das Image der Katze aufzubauen, zu erweitern und richtig zu platzieren“, so Porombka.

Selbstverständlich heißen sie auch nicht mehr „die Katze von X“, sondern führen Eigennamen, von Grumpy Cat (1,5 Millionen Facebooks -Likes, 100.000 Twitter-Follower!) bis Spangles the Cross Eyed kitty. Das erleichtert auch das Merchandizing. Die Stars selbst wirken dabei merkwürdig unbeteiligt – doch gerade das macht wohl ihren Reiz aus: „Katzen emergieren als Internetkatzen, indem sie so sind, wie sie sind, und dabei fotografiert und gefilmt werden“, so Frohmann.

Nerdige Netzerklärkatzen

Als „Erzählkatzen“ haben Grumpy & Co. zwar eine wichtige Funktion, doch die Story kennt kein Ende, Cat Content wird anders erzählt: „Das Leben der Internetkatzen wird im Netz in Echtzeit fortgeschrieben“, postuliert Porombka. Bleibt natürlich die Frage nach der Funktion all dieser Cat Content-Erzählungen – die wurde im Rahmen des Katersalons unter dem Stichwort „Netzerklärkatzen“ beantwortet. „Mit den Katzen wird etwas konkretisiert, was das Netz ausmacht“, so Christiane Frohmann. „Es ist ein Raum, über den wir nicht verfügen. Den wir aber brauchen“.

Schlechte Nachrichten insofern für Karl Lagerfeld und alle anderen Selbstdarsteller: Die Zeit der Inspirations- und Aufladekatzen ist eigentlich schon wieder vorbei. Die Internetkatzen der Gegenwart, so Porombka, sind Nerds, nahe dran am Autismus. Und damit den Nerds vor dem Bildschirmen gar nicht so unähnlich…

Christiane Frohmann, Stephan Porombka (Hgg.),
Internetkatzen.
Ein Gespräch über Cat Content.
2,99 Euro (epub/Kindle)

Abb. oben: flickr/greenoid (cc-by-sa-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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