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[E-Book-Review] Er hat uns vollgeschleimt (Sarah Khan, Der Horrorpilz)

6 Dez 2013

Potz Rhizom & Mycel – Pilze sind doch immer für eine schöne Verschwörungstheorie gut. Das wissen die Conspiracy-Fans nicht erst seit der legendären X-Akten-Folge „Field Trip“. Tatsächlich diskutieren ja Wissenschaftler schon lange, wer bei der Symbiose zwischen den Reichen der Animalia, Fungi sowie Planten & Blomen eigentlich wen steuert – der Pils brauende Mensch den Schwammerl, oder der Pilz seinen durch festes Hefebrot, flüssiges Hefeweizen und eine Prise Aztekischen Kahlkopf angefixten Menschenpark. Der Gegner, das merkt rasch auch der Leser von Sarah Khans E-Book-Shortie „Der Horrorpilz“, ist im Zweifelsfall nicht Amazon (wo’s den Text als eins der ersten Kindle-Singles made in BRD gibt), nicht der Verfassungsschutz, und auch nicht die psychopathische Ex (by the way: warum heißen die eigentlich immer „Yvonne“?).

Ohnehin darf Khan ja als Expertin für Übersinnliches gelten, siehe den möglicherweise ernst gemeinten Reportageband „Die Gespenster von Berlin“, gerade in einer ergänzten Neuauflage erschienen. Im Horrorpilz ist möglicherweise alles nur Fiktion, selbst innerhalb der Fiktion. Das hat den Funghi-Flavor von Arjounis „Chez Max“, gemixt mit Georg Kleins „Barbar Rosa“ plus einer Prise von Kafkas „Landarzt“. Mit dem Horrorpilz-Helden Victor Gips fragt man sich schon nach wenigen Page-Refreshs: wenn Pilze zum König des Contents in Büchern, Mikrochips und Neocortex werden, Buchstaben im Auge wie modrige Pilze zerfallen, wem kann man dann eigentlich noch trauen? Just one hint: Vielleicht ja Lehgasthänickern…

Nicht umsonst ist dem Text eine Warnung vorangestellt: „Diese Geschichte muss mündlich weitergegeben werden, und bitte, sprechen Sie leise. Aber für den entsetzlichen Fall, dass Ihnen die Geschichte in gedruckter, handgeschriebener oder digitaler Form vorliegt, appelliere ich an Ihre Verantwortung: Bitte zerstören Sie das Dokument.“ Daran hat sich aber offenbar schon Khans Verlag nicht gehalten – das Berliner Kurzstrecken-Label Mikrotext bietet den Text sogar DRM-frei an. Nehmen die etwa auch Pilze?

Sarah Khan, Der Horrorpilz.
Eine unbefriedigte Geschichte.
Mikrotext (epub & Kindle, DRM-frei)
Preis: 1,99 Euro