E-Book-Rechte: Random House gibt Ansprüche auf Backlist-Titel auf

random house e-book-rechte styron.jpgDie Front bei E-Book-Rechten beginnt zu bröckeln. Mit Random House hat erstmals ein großer US-Verlag Ansprüche auf ältere Titel aus der Backlist aufgegeben. In diesem Fall hat Autor William Styron selbst nichts mehr davon – Random House einigte sich mit den Erben des im Jahr 2006 verstorbenen Pulitzer-Preisträgers. Die E-Book-Versionen von Bestsellern wie „Sophie’s Choice“ oder „Confessions of Nat Turner“ werden nun bei Open Road Media erscheinen, begleitet von einer multimedial aufbereiteten Online-Angeboten.

Es geht mal wieder um die Frage: ist ein E-Book auch ein Buch?

Bei E-Book-Rechten geht es um Big Money. Random House beeilte sich deswegen, die Entscheidung im Fall von Styron als Ausnahme hinzustellen. Tatsächlich hatte der Verlag erst im Dezember 2009 in einem Schreiben gegenüber Literaturagenten klargestellt, das Random-House-Autoren keine Rechte an Dritte vergeben dürften. Streitpunkt ist die allgemein gehaltene Formulierung „in book form“, die sich in älteren Autorenverträgen findet. Sind darunter auch E-Books zu verstehen? Viele Autoren meinen: nein. Ähnliche Diskussionen gibt es auch in Deutschland – vor allem bei der Frage der Buchpreisbindung. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat Ende 2008 sein Rechtsverständnis auf elektronische Bücher ausgeweitet, Hörbücher jedoch ausgenommen.

Holocaust, Sklavenaufstände, Pornographie: Styrons Romane sind auch politisch ein heißes Eisen

Die Entscheidung von Random House dürfte wohl einiges mit der politischen Bedeutung von Styrons Romanen zu tun haben. Geht es doch in „Sophie’s Choice“ um die Geschichte einer Holocaust-Überlebenden und in „Nat Turner“ um einen berühmten Sklavenaufstand dreißig Jahre vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs. Beide Romane lösten öffentliche Kontroversen aus – vor allem wegen äußerst freizügiger Darstellungen, die Styron neben dem Kritikpunkt der Geschichtsverfälschung auch Pornographie-Vorwürfe einbrachten. Styrons Erben sind offenbar bemüht, den Pulitzer-Preisträger auch einem jüngeren Publikum wieder etwas bekannter zu machen – und wollten deswegen die elektronische Aufbereitung des Werks selbst bestimmen.

Multimediales E-Book-Marketing mit Facebook & Twitter

“Ich glaube nicht dass besonders viele junge Leser sich mit dem Werk meines Vaters beschäftigen, wenn sie keine elektronische Version in die Hand bekommen“, äußerte sich Susanna Styron, die älteste Tochter des Autors, gegenüber der New York Times. Open Road will Styrons Werk über das Internet vermarkten. Die E-Books bekommen digitale Coverbilder und werden mit biographischen Informationen ergänzt. Ergänzt wird die Präsentation durch multimediale Elemente, etwa Videoclips mit Interviews, aber auch Briefen, Fotos und anderen Dokumenten aus Styrons Nachlass. Open Road setzt zugleich auch auf Social Media – neben der Website oprenroadmedia.com wird der Content über eine eigene Facebookseite verbreitet, und getwittert wird natürlich auch.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „E-Book-Rechte: Random House gibt Ansprüche auf Backlist-Titel auf“

Kommentare sind geschlossen.