E-Book-Boykott: Deutsche Verlage verhindern Rabatt-Aktion bei exlibris.ch

Gilt die Buchpreisbindung für E-Books auch in der Schweiz? Ja, finden deutsche Verlage. Eine Rabattaktion des Schweizer Online-Händlers exlibris.ch beantworteten sie deswegen mit einem einstweiligen Lieferstopp. Die eidgenössischen Geschäftspartner sprechen nun von einem Boykott – denn in Helvetien gibt es für E-Books bisher gar keine Buchpreisbindung. Bei Random House, Holtzbrinck & Co. pocht man dagegen darauf, dass der Buchhandel auf der ganzen Welt am deutschen Preisbindungs-Wesen genesen soll.

Größter Schweizer Ex-E-Book-Händler

Nomen est omen: Der größte Schweizer Online-Medienhändler Ex Libris ist neuerdings auch der größte Schweizer Ex-E-Book-Händler. Die wichtigste Quelle für deutschsprachige E-Books ist vorläufig versiegt – der Münchner Geschäftspartner Ciando hat die Belieferung eingestellt. Ex Libris hat sich nämlich nicht an die Buchpreisbindung made in Germany gehalten, sondern im Rahmen einer großen Rabattaktion die E-Book-Preise ab 1. Juni um 30 Prozent reduziert. Ziel der Aktion war es, elektronische Lektüre in der Deutsch-Schweiz populärer zu machen. Kurzfristig hatte das Erfolg: die E-Book-Downloads schnellten um mehr als 100 Prozent nach oben. Plötzlich war aber Sense. Wer jetzt die E-Book-Rubrik auf exlibris.ch anklickt, bekommt nur noch folgende Mitteilung zu lesen: „Leider werden wir von unserem deutschen Lieferanten und den dahinterstehenden Verlagen boykottiert und können Ihnen momentan überhaupt keine E-Books mehr anbieten, auch nicht zum Normalpreis“.

Buchpreisbindung per Referendum stoppen?

Die Rabattaktion hatte jedoch auch einen politischen Hintergrund: in der Schweiz gab es für einige Zeit gar keine Buchpreisbindung mehr, sie wurde erst im Frühjahr 2011 wieder eingeführt. Allerdings sind die Schweizer ja auch Experten in punkto Direkte Demokratie. Exlibris sammelt Unterschriften, um mittels eines Referendums die Buchpreisbindung wieder zu kippen. Laut NZZ online sind bereits mehr als die notwendigen 50.000 Unterschriften zusammengekommen. Für E-Books gilt die neue alte Buchpreisbindung in der Schweiz aber ohnehin nicht. Ein Grund mehr für Exlibris, nun auch juristische Schritte gegen die deutschen Verlage einzuleiten. Denn nach Ansicht des zur Migros-Gruppe gehörenden Unternehmens verhindere der Boykott den Preiswettbewerb in der Schweiz, und verstoße gegen nationales wie europäisches Recht. Für die Boykotteure aus Deutschland geht es wohl vor allem um’s Prinzip – denn kaum fünf Prozent der in Deutschland produzierten Bücher landen in der Alpenrepublik.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

3 Gedanken zu „E-Book-Boykott: Deutsche Verlage verhindern Rabatt-Aktion bei exlibris.ch“

  1. Dass es den deutschen Verlagen nur ums Prinzip geht, kann ich mir nicht vorstellen. Wie immer bei ausländischen Produkten, welche in der Schweiz verkauft werden, wird einfach mal grob der Europreis verdoppelt und in CHF angeschrieben. Kommt noch ein Kleber mit ‚Swiss Edition‘ drauf und schon hat man ein Produkt, welches nur in der Schweiz verkauft wird (werden darf), und der Händler hier hat gar nicht die Wahl, das selbe Produkt ohne den Aufkleber parallel (günstiger) zu importieren. So wird die Hochpreisinsel Schweiz primär durch die EU hochgehalten, schliesslich verdient man sich damit dumm und dämlich.
    Aber bei Ex Libris (und damit Migros) werden die Verlage sehr wahrscheinlich für einmal den kürzeren ziehen: vermutlich hat man bei den Verlegern nämlich übersehen, dass man sich da mit einem der grössten Konzerne der Welt angelegt hat.

  2. Ich hoffe auf die Schweizer (daumendrück!!!). Denn sobald die dort die Buchpreisbindung für E-Books kippen bekommen sie massig Kundschaft aus D. Internet ist ja zum Glück ‚inter’national ;-)
    Also ich werde dann wohl einer der ersten Kunden :)
    Und tschüss deutscher Buchpreisbindungsanachronismus!

    LG
    Rudi

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