Home » Social Reading

DropBox will Readmill schlucken – Social Reading vor dem Ausverkauf?

28 Mrz 2014

Erfolglose Berliner Startups werden von deutschen Unternehmen geschluckt, erfolgreiche Berliner Startups dagegen wandern irgendwann nach Silicon Valley. Wenn diese vor einiger Zeit mal von TechCrunch-Autor Mike Butcher formulierte goldene Regel stimmt, muss Readmill ziemlich erfolgreich sein. Denn die von Henrik Berggren und David Kjelkerud angeschobene Social-Reading-App soll angeblich von DropBox aufgekauft werden – sagt jedenfalls TechCrunch. Dem Vernehmen nach könnte die Einkaufstour der Cloud-Speicher-Spezialisten zweierlei bedeuten: zum einen den Umzug der Readmill-Crew von Berlin nach San Francisco, zum anderen die Schubladisierung der sozialen Lesemühle: „considering this is a talent acquisition, it’s likely the service will be shuttered or possibly kept going with minimal support in the near term“, vermutet der ebenfalls in San Francisco ansässige Tech-Blog.

Cloud-Bibliothek mit sozialem Mehrwert

Für DropBox dürfte das Know-How des Berliner Startups tatsächlich sehr wertvoll sein, denn ohnehin nutzen viele E-Leser die intuitiv zu bedienende Cloudspeicher-App schon, um von überall aus und mit unterschiedlichsten Mobilgeräten auf ihre E-Books zugreifen zu können. Besonders beliebt ist auch die Kombination der E-Book-Verwaltungssoftware Calibre mit einer auf Dropbox gespeicherten E-Bibliothek. Was DrobBox allerdings noch fehlt, ist eine integrierte Lösung, die Cloud-Speicher und Social-Reading-App kombiniert – mit der von Readmill entwickelten Technologie würde das in greifbare Nähe rücken. Und damit die Chance, DropBox wieder ein Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen, nachdem pure Cloud-Speicher-Apps mittlerweile zur Dutzendware geworden sind. Aus diesem Grund schnappte sich DropBox vor kurzem offenbar auch schon das auf Chat- & Messaging-Technologie spezialisierte Startup „Zulip“.

Ist eine separate Social Reading-App noch sinnvoll?

Der Kaufpreis für Readmill soll 8 Millionen Dollar betragen – erfrischend bodenständig in einer Zeit, wo andere Applikationen gleich für zweistellige Milliardenbeträge verhökert werden. Allerdings ist das schon 2011 gestartete Readmill natürlich nicht mehr ganz so heiß wie What’s App & Konsorten. Die besten Leseempfehlungen, das hat die Buchbranche gelernt, entstehen crowdbasiert im Social Media-Bewusstseinstrom. Social Reading-Elemente sind mittlerweile allgegenwärtig, man findet sie in E-Lese-Apps von Kindle bis Skoobe oder Readfy. Ein Problem, dem sich auch die Berliner Readmill-Konkurrenz dotdotdot stellen muss – die Nutzer mögen zwar verschiedene Geräte besitzen, vom E-Reader über das Tablet bis zum Smartphone. Doch wieviel Multioptionalismus in punkto Apps verträgt das Touch-Screen? Kindle-App für Kindle-Books, Bluefire-App für epubs aus der Bibliothek, Mad Dog App für E-Comics, und dann noch eine separate Social Reading App? Das dürfte viele Leser überfordern.

[Update: Noch am Freitag hat Readmill den Verkauf bestätigt – das Readmill-Team zieht nach SF, die App wird eingestellt.]