DropBox will Readmill schlucken – Social Reading vor dem Ausverkauf?

Erfolglose Berliner Startups werden von deutschen Unternehmen geschluckt, erfolgreiche Berliner Startups dagegen wandern irgendwann nach Silicon Valley. Wenn diese vor einiger Zeit mal von TechCrunch-Autor Mike Butcher formulierte goldene Regel stimmt, muss Readmill ziemlich erfolgreich sein. Denn die von Henrik Berggren und David Kjelkerud angeschobene Social-Reading-App soll angeblich von DropBox aufgekauft werden – sagt jedenfalls TechCrunch. Dem Vernehmen nach könnte die Einkaufstour der Cloud-Speicher-Spezialisten zweierlei bedeuten: zum einen den Umzug der Readmill-Crew von Berlin nach San Francisco, zum anderen die Schubladisierung der sozialen Lesemühle: „considering this is a talent acquisition, it’s likely the service will be shuttered or possibly kept going with minimal support in the near term“, vermutet der ebenfalls in San Francisco ansässige Tech-Blog.

Cloud-Bibliothek mit sozialem Mehrwert

Für DropBox dürfte das Know-How des Berliner Startups tatsächlich sehr wertvoll sein, denn ohnehin nutzen viele E-Leser die intuitiv zu bedienende Cloudspeicher-App schon, um von überall aus und mit unterschiedlichsten Mobilgeräten auf ihre E-Books zugreifen zu können. Besonders beliebt ist auch die Kombination der E-Book-Verwaltungssoftware Calibre mit einer auf Dropbox gespeicherten E-Bibliothek. Was DrobBox allerdings noch fehlt, ist eine integrierte Lösung, die Cloud-Speicher und Social-Reading-App kombiniert – mit der von Readmill entwickelten Technologie würde das in greifbare Nähe rücken. Und damit die Chance, DropBox wieder ein Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen, nachdem pure Cloud-Speicher-Apps mittlerweile zur Dutzendware geworden sind. Aus diesem Grund schnappte sich DropBox vor kurzem offenbar auch schon das auf Chat- & Messaging-Technologie spezialisierte Startup „Zulip“.

Ist eine separate Social Reading-App noch sinnvoll?

Der Kaufpreis für Readmill soll 8 Millionen Dollar betragen – erfrischend bodenständig in einer Zeit, wo andere Applikationen gleich für zweistellige Milliardenbeträge verhökert werden. Allerdings ist das schon 2011 gestartete Readmill natürlich nicht mehr ganz so heiß wie What’s App & Konsorten. Die besten Leseempfehlungen, das hat die Buchbranche gelernt, entstehen crowdbasiert im Social Media-Bewusstseinstrom. Social Reading-Elemente sind mittlerweile allgegenwärtig, man findet sie in E-Lese-Apps von Kindle bis Skoobe oder Readfy. Ein Problem, dem sich auch die Berliner Readmill-Konkurrenz dotdotdot stellen muss – die Nutzer mögen zwar verschiedene Geräte besitzen, vom E-Reader über das Tablet bis zum Smartphone. Doch wieviel Multioptionalismus in punkto Apps verträgt das Touch-Screen? Kindle-App für Kindle-Books, Bluefire-App für epubs aus der Bibliothek, Mad Dog App für E-Comics, und dann noch eine separate Social Reading App? Das dürfte viele Leser überfordern.

[Update: Noch am Freitag hat Readmill den Verkauf bestätigt – das Readmill-Team zieht nach SF, die App wird eingestellt.]

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".