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“Kopierschutz ist Ursache für Online-Piraterie”: Buchhändler fordern barrierefreien Kauf von E-Books

30 Apr 2010 Ansgar Warner 5 Kommentare

am-besten-gar-kein-drm-e-books-buchhaendler-gegen-kopierschutz1Digital Rights Management ist keine gute Idee, finden die Vertreter des im Börsenverein organisierten Vor-Ort-Buchhandels. Der “harte” Kopierschutz mit Adobes DRM erschwert ihrer Ansicht nach nicht nur die Nutzung von E-Books, sondern stelle die Kunden auch unter den Generalverdacht der Piraterie. “Am besten gar kein, vor allem aber kein »hartes« DRM” fordert nun eine Stellungnahme des Sortimenterausschusses, der speziell die Interessen des stationären Buchhandels vertritt. Die Verlage sollen zu Alternativen wie etwa dem digitalen Wasserzeichen greifen – oder ganz auf Kopierschutz verzichten.

DRM als Stolperstein für den E-Book-Handel

Als „geistige Tankstellen“ hat Helmut Schmidt einmal die Buchhandlungen bezeichnet. Insofern ist die Anti-DRM-Stellungnahme des Sortimenterausschusses ein Art Brandruf aus dem Mund der Tankwarte, die uns mit geistigem Treibstoff versorgen. Der Ruf dürfte nicht ungehört verhallen – stellen die Vertreter der mehr als 4000 deutschen Vor-Ort-Buchhandlungen doch die größte Mitgliedsgruppe im Börsenverein des deutschen Buchhandels. Mental hat man dort die Gutenberg-Galaxis schon mit einem Bein verlassen – wie man etwa an libreka! sehen kann, der von den Buchhändlern gemeinsam betriebenen E-Book-Plattform im Internet. Doch auch im Buchladen vor Ort kann man theoretisch E-Books kaufen und auf einen USB-Stick laden – mit einem von Libreka! entwickelten Transfer-Tool. Wäre da nicht der Kopierschutz – Digital Rights Management bedeutet nämlich, dass man im Laden nur eine Steuerdatei bekommt, aus der sich erst zu Hause mit Adobe Digital Editions auf dem Desktop ein E-Book erstellen lässt.

Ohne Digital Editions geht gar nichts

Für den Einstieg in den E-Book-Handel sind solche Hürden natürlich äußerst ungünstig. Sehr viel komfortabler ist jedoch auch das Online-Angebot von Libreka nicht. Denn wenn man E-Books von der Internet-Plattform des deutschen Buchhandels herunterlädt, gilt gleichfalls: “Erst muss der Kunde Adobe Digital Editions installieren, sich mit seinen persönlichen Daten registrieren und ist selbst dann immer noch sehr eingeschränkt bei der Nutzung seines gekauften Buchs”, so die Sortimenter in ihrer Stellungnahme. So komme es etwa darauf an, welches Lesegerät man benutzen will: “Die Übertragung der Datei auf andere Geräte ist nur dann möglich, wenn diese auch von Adobe unterstützt werden.” Wer allerdings weder Windows noch Mac OS hat, bleibt ohnehin digitaler Analphabet: “Benutzer, die Linux anstelle von Windows verwenden, werden komplett ausgeschlossen, da es keine passende ‘Digital Editions’ gibt”, monieren die Buchhändler.

Die Buchhändler reden Tacheles: “DRM ist die Ursache für Online-Piraterie”

Das “harte” DRM schreibe dem Kunden aber nicht nur vor, wie und wo er sein E-Book lesen darf, es stelle ihn auch unter Generalverdacht, er könne ein Pirat sein und illegale Kopien verbreiten. Um ein Buch normal nutzen zu können, so die absurde Folge von DRM, bräuchte man aber eine gecrackte Version: “Tatsächlich ist das legal erworbene Produkt dem illegal heruntergeladenen um Längen unterlegen, da letztere keinerlei Beschränkungen aufweist”. Genau dies, stellen die Buchhändler fest, sei letztlich die wichtigste Ursache für Online-Piraterie. All das kann natürlich nicht im Interesse der Buchändler liegen: sie wollen ihren Kunden “nicht mit Misstrauen, sondern mit offenen Armen begegnen” und ihnen den Zugang zum Buch “so angenehm und leicht wie möglich gestalten”.

“Am besten gar kein DRM”: Digitales Wasserzeichen ist auch nur die zweitschlechteste Lösung

Besser sei deswegen der Einsatz von “sozialem” Kopierschutz, also etwa des digitalen Wasserzeichens. Solchermaßen gekennzeichnete E-Books können frei kopiert werden, lassen sich allerdings immer zum ursprünglichen Käufer zurückverfolgen. Die E-Book-Plattform Libreka bietet diese Form von Kopierschutz schon seit längerem an. Genutzt wird das Verfahren in Deutschland allerdings praktisch gar nicht (einzige prominente Ausnahme: die E-Comic-Version von Fix&Foxi), obwohl es im Gegensatz zu Adobes DRM nicht einmal Lizenzgebühren verursacht. So richtig begeistert sind die Buchhändler vom Digitalen Wasserzeichen aber ohnehin nicht: “Es bleibt der Generalverdacht, dass dem Käufer nicht vertraut werden kann. Immer noch erhält der legal Handelnde ein schlechteres Produkt als der Pirat.” Für das Sortiment ergibt sich aus diesen Überlegungen die an die Verlage gerichtete Forderung: “Am besten gar kein DRM”.

5 Kommentare »

  • newstube.de schrieb:

    “Kopierschutz ist Ursache für Piraterie”: Buchhändler fordern barrierefreien E-Book-Kauf…

  • Tweets die e-book-news.de » Blog Archive » “Kopierschutz ist Ursache für Online-Piraterie”: Buchhändler fordern barrierefreien Kauf von E-Books erwähnt -- Topsy.com schrieb:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Ansgar Warner, Deutschland News erwähnt. Deutschland News sagte: “DRM ist Ursache für Online-Piraterie”: Buchhändler fordern barrierfreien Kauf von E-Books: Digital Rights Managem… http://bit.ly/aKiN5q [...]

  • Sebastian schrieb:

    Ich stimme dem Artikel vollständig zu. So lange es einfacher ist, eine “Raubkopie” zu nutzen, als ein gekauftes DRM verseuchtes Produkt, so lange gibt es keinen Durchbruch im Absatzmarkt.

    Ich selber komme aus dem technischen Bereich, aber selbst mir ist die Prozedur, bis ich ein eBook lesen kann zu kompliziert, und zu lang. Im Zweifel verzichte ich dann lieber auf den Erwerb eines eBooks, als dass ich diesen Umstand mache.

    Zusätzlich habe ich hier vier Rechner stehen. Ein eBook auf mehr als einen Rechner zu spielen ist mit Adobe ebenfalls kompliziert, und häufig nicht mal vorgesehen. Es muss mindestens der gesamte Download noch einmal vorgenommen werden. Teilweise bockt dann aber der Verkäufer, da er nur drei Kopien zulässt. Zwar hilft hier häufig der Support, da er die Anzahl downloads wieder zurück setzen kann. Aber das ist noch ein Schritt mehr, und muss jedes mal begründet werden!

  • mygadgetblog.de schrieb:

    Ich kaufe erst wieder eBooks, seit ich das DRM entfernen kann. So kann ich bei Amazon, libri und anderen kaufen und das Buch dann ins gewünschte Format konvertieren, bei Google Docs oder bei bookworm.oreilly.com hochladen und dann auf jedem beliebigen Rechner, dem Handy oder meinem Kindle lesen.

    Hätte ich diese Möglichkeit nicht, sähen die nicht einen Cent von mir, denn ich habe bereits vor Jahren einschlägige Erfahrungen mit DRM-verkrüppelten eBooks gemacht, die ich dann nach dem Wechsel der Grafikkarte! alle in die Tonne kloppen konnte, weil der MS-Reader meinte, er sei nicht mehr auf dem ursprünglichen Rechner installiert und der eBook-Verkäufer mitlerweile pleite war…

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Ähnlich ist es bei der Unverträglichkeit von Mobipocket & epub-Format in Verbindung mit DRM – da braucht man theoretisch ja zwei E-Reader, um weiterhin alle E-Books lesen zu können. Viele “Early Adopters” haben ja ihre ersten elektronischen Versionen im Mobipocket-Format gekauft…