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Drei Knöpfe, drei Millionen Artikel: WikiReader macht die Wikipedia mobil

13 Okt 2009

Drei Knöpfe und drei Millionen Artikel - Wikipedia offline lesen mit WikiReader.gifWikipedia macht mobil: Mit einem handlichen WikiReader lassen sich von nun an alle 3 Millionen Einträge der englischsprachigen Internet-Enyzklopädie bequem offline lesen. Das Gerät mit Touch-Screen-Display wird im Online-Shop von openmoko für 99 Dollar angeboten. Regelmäßige Updates auf einer Speicherkarte werden für 29 Dollar per Post verschickt, der Download ist kostenlos. Wann eine deutsche Version erscheint, ist noch nicht bekannt.

Suchbegriffe werden auf dem WikiReader per Touch-Screen eingegeben

Pünktlich zum Beginn der Frankfurter Buchmesse gibt es eine Weltpremiere der besonderen Art: der WikiReader ist da, präsentiert von openmoko. Der Termin dürfte jedoch eher Zufall sein – denn das handliche Lesegerät mit 4-Zoll-Display haben die Design-Experten speziell für die englischsprachige Ausgabe der Wikipedia konstruiert. „With 3 simple buttons and 3 million topics, WikiReader brings the iconic Wikipedia to all generations“, versprechen Designer Thomas Meyerhoffer und Produktmanager William Lai. Tatsächlich enthält das Gerät in der Größe eines Pagers den kompletten Textbestand der Online-Enzyklopädie und verfügt nur über drei Knöpfe: „Search“, „History“, „Random“. Zum Eingeben eines Suchbegriffs wird – ähnlich wie beim iPhone – eine Miniatur-Tastatur auf dem Touch-Screen eingeblendet.

So wertvoll wie ein gutes Buch: Vom E-Dictionary zum WikiReader

Das Gerät erinnert nicht ganz zufällig an mobile E-Dictionarys – denn diese Gadgets standen bei der Entwicklung ganz offensichtlich Pate: „Beim Besuch eines Herstellers für elektronische Wörterbücher kam die plötzliche Eingebung: lasst uns statt E-Dictionary mal die Wikipedia in Angriff nehmen“, sagen die WikiReader-Macher zur Entstehung des Projekts. Dabei ging man bewußt nicht den Weg eines Multifunktionsgerätes, sondern strebte nach größtmöglicher Einfachheit: „Wir wollten ein simples Offline-Gerät, ohne Kabel, überall einsetzbar, im Flugzeug, am Strand, in stillen Stunden – es sollte wie ein gutes Buch einfach überall benutzbar sein.“ Bekannt geworden war openmoko – der Name steht für Offene Mobile Kommunikation – zuvor bereits durch das OpenSource-Handy FreeRunner, das zugleich ein Paradebeispiel in Sachen Social Design darstellt.

„Man darf nicht vergessen: 75 Prozent der Welt ist offline“

Soziale Nachhaltigkeit wird von den WikiReader-Designern tatsächlich groß geschrieben. Ähnlich wie beim 100-Dollar-Laptop soll das Low-End-Projekt dazu dienen, den digitalen Graben zu überwinden: „Man darf ja nicht vergessen, dass 75 Prozent der Welt offline ist, deswegen haben wir alle überflüssigen Teile weggelassen, um einen möglichst niedrigen Gerätepreis zu erzielen. Schließlich ist es ja die erklärte Absicht von Wikipedia ein offen zugängliches und kostenloses Lexikon für alle Menschen in allen Sprachen zu schaffen“. Die Touch-Screen-Tastatur trägt zur Anpassung bei – so lassen sich alle denkbaren Alphabete benutzen. Der Stromverbrauch ist äußerst niedrig – zwei Standard AAA-Batterien sollen für 12 Monate normalen Betrieb ausreichen. Verkauft wird das Gerät zum Preis von 99 Dollar über den E-Shop von openmoko.com sowie (ausgerechnet!) auf der us-amerikanischen Plattform von Amazon. Regelmäßige Updates gibt es in einem gesonderten Abonnement: für 29 Dollar bekommt man zwei Mal pro Jahr eine neue Speicherkarte zugeschickt. Alternativ kann man kostenlos die etwa 4 Gigabyte große WikiReader-Datei herunterladen.

„It tells you everything you need to know about anything“

Der Tech-Blog FastCompany zeigte sich bereits höchst begeistert von diesem Projekt: „Während sich im Moment alles um E-Reader dreht, geht der WikiReader quer zum Mainstream: eine Mischung aus E-Book und E-Reader, das man ganz einfach an- und ausschalten kann, und das zudem noch sehr preisgünstig zu haben ist.“ Und vielleicht ist es auch wieder kein Zufall, dass der Launch-Termin des Readers mit dem Beginn der Buchmesse zusammenfällt. Denn wie FastCompany anmerkt, gibt es ein literarisches Vorbild für den WikiReader: Douglas Adams‘ Beschreibung des Hitchhiker’s Guide to the Galaxy: „It’s a sort of electronic book, it tells you everything you need to know about anything. That’s its job.“ Allerdings hatte der Hitchhiker’s Guide nicht nur drei Knöpfe, sondern gleich hundert. Unter anderem deshalb steht auf seiner Rückseite wohl auch der Hinweis: „Don’t panic!“.