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Mit WLAN & Touch-Screen ins Leseland: E-Reader Pocketbook 302 im Test

11 Mrz 2010 Ansgar Warner 3 Kommentare

Pocketbook-302-E-Reader-Test E-Book.gifMit dem neuen Modell “302″ stößt Pocketbook nun in die obere Liga vor: Touch-Screen und WLAN-Funktion machen das Lesegerät zu einer echten Konkurrenz für Amazon, Sony und das Berliner Startup txtr. Der Lesestoff kommt drahtlos aus Pocketbooks E-Store “Bookland.net” – bisher allerdings nur Public Domain. E-Book-News hat den neuen Reader getestet – einen Live-Eindruck vermittelt zudem unser Youtube-Video.

Mit dem 302 stößt Pocketbook in die Erste Liga vor

“E-Books sind die Taschenbücher des 21. Jahrhunderts2, behauptete vor kurzem der Chef von Penguin Books. Wenn das stimmt, ist der E-Reader-Hersteller Pocketbook schon vom Namen her voll im Trend. Mit günstigen 5- und 6-Zoll-Lesegeräten hat das ukrainische Unternehmen seit letztem Jahr auch zahlreiche deutsche Kunden gewinnen können. Äußerlich ähneln die von Netronix gefertigten Reader der Cybook-Serie aus Frankreich. Doch bei der Software geht Pocketbook eigene Wege – und bietet etwa PDA-ähnliche Features wie Kalender, Notizblock und einige Spieleprogramme wie Schach oder Sudoku. Mit dem neuen Modell “302″ stößt Pocketbook nun in die erste Liga vor: Touch-Screen und WLAN-Funktion machen das Lesegerät zu einer echten Konkurrenz für Amazon, Sony und das Berliner Startup txtr.

Anti-Reflexfolie macht das Display fast blendfrei

Zum Lieferumfang gehören Netz- und USB-Kabel, 4GB-Micro-SD-Karte sowie ein Lederetui. Komplettiert wird das Ganze durch Kurzanleitung und Garantiekarte – die Gewährleistungdauer beträgt übrigens bei den zur Zeit vertriebenen Geräten drei Jahre. Auch sonst zeigt sich Pocketbook spendabel: In den Einführungswochen gibt’s außerdem noch eine Anti-Reflexfolie für das Display dazu. Die wichtigsten Schnittstellen des Pocketbook 302 kann man von außen gar nicht sehen: nämlich WLAN- und Bluetooth-Karte. Auffällig ist aber: Neben dem Einschub für Mikro-SD-Karten, Netzanschluss und 3,5 mm Kopfhörerbuchse besitzt das Pocketbook 302 gleich zwei USB-Schnittstellen – darunter einen Mini-USB-Port. Die inneren Werte liegen auf einer Linie mit vergleichbaren Geräten: Im Innern werkelt eine Samsung-CPU mit 400 Mhz, das E-Ink-Display kommt allerdings nicht von E-Ink Corp., sondern von Vizplex. Wie üblich sollte man das Gerät vor der Inbetriebnahme ersteinmal gründlich aufladen – das kann entweder über den USB-Port geschehen oder über das Netzkabel. Sobald Spannung anliegt, leuchtet während des Ladezyklus eine rote LED auf der Frontseite – wenn sie erlischt, hat der Akku seine volle Kapazität erreicht.

E-Reader-Test-Pocketbook-302.gif

Das Touch-Screen wird mit dem Stylus oder den Fingern bedient

Zum Starten drückt man den Einschaltknopf an der Oberkante des Lesegerätes – was der Reader mit einer grün aufleuchtenden LED und einem Splashscreen quittiert. Nach etwa acht Sekunden erscheint der Desktop. Auf dem oberen Viertel werden die beiden zuletzt geöffneten Dokumente angezeigt. Den meisten Raum nehmen Icons ein, die zu den wichtigsten Funktionen führen. Neben allgemeinen “Einstellungen” sowie Hilfsprogrammen und Spielen unter “Software” geht es hier vor allem zum Content: über “Bücher”, “Bilder” oder “Musik” kommt man zu den gewünschten Dateien, mit “Nachrichten” sind in diesem Fall RSS-Feeds gemeint.
Bedient wird das Pocketbook 302 vor allem über das Touch-Screen – die meisten Funktionen kann man direkt mit den Fingern nutzen, für besonders kleine Schaltfelder – etwa die virtuelle Tastatur – empfiehlt sich allerdings der Stylus. Dieser spezielle Bedienstift sitzt ähnlich wie beim Onyx Boox an der linken oberen Gehäusekante, ist allerdings recht kurz geraten. Nicht ganz unwichtig ist aber auch der runde Druckknopf direkt unter dem Display – er ist die “Escape”-Taste, mit der man Anwendungen, aber auch Untermenüs wieder verlassen kann. Am linken und rechten Geräterand gibt es außerdem noch je zwei Funktionstasten, die u.a. zum Umblättern genutzt werden.

Kommerzielle Titel gibt’s bei Pocketbooks E-Store “Bookland” leider noch nicht

Im normalen Lesealltag lässt sich das Pocketbook jedoch ebenso einfach bedienen, wie man es von iPhone oder iPod Touch gewohnt ist. Das Umblättern etwa erledigt man mit einem “Finger-Swipe” von rechts nach links bzw. umgekehrt. Die Fontgröße kann mit einer Fingerbewegung von oben nach unten geändert werden. Für den Lesekomfort empfiehlt es sich, über “Einstellungen” den serifenlosen Standardfont gegen einen Font mit Serifen zu wechseln – Auswahl gibt es genug. Ausgeschaltet ist im Lieferzustand übrigens der G-Sensor, der für die automatische Seitenausrichtung sorgt. Wer öfter im Querformat lesen möchte, sollte den Sensor über “Einstellungen/Aussehen/Bildschirmorientierung” aktivieren. Der größe Vorteil eines WLAN-Readers ist natürlich: der Lesestoff kommt drahtlos direkt aus dem Netz. Vorher muss allerdings das Netzwerk konfiguriert werden. Die notwendigen Angaben lassen sich über das Menü Einstellungen/Verbindungen machen. Im WLAN-Modus kann z.B. die Art der Verschlüsselung ausgewählt (WEP oder WPA) und der Netzwerkschlüssel eingegeben werden. Dann geht’s los: Pocketbooks E-Store Bookland.net ist bereits integraler Bestandteil der Bibliothek. Ruft man den Menüpunkt “Bücher” auf, steht “Bookland” an oberster Stelle. “In-App-Shopping” wird hier jedoch nicht geboten – kommerzielle Titel gibt es für deutsche Kunden nämlich bisher noch nicht. Das Angebot beschränkt sich auf Public Domain-Bücher in zahlreichen Sprachen. Kauft man im Internet bei Libri oder anderswo ein DRM-geschütztes E-Book, muss man es also per USB-Kabel auf den E-Reader übertragen.

Ob Austattung, Nutzerfreundlichkeit oder Preis: Pocketbook ist eine ernsthafte Konkurrenz für Amazon & txtr

Die Internet-Fähigkeiten des Pocketbook 302 halten sich ansonsten in Grenzen. Der mitgelieferte “Minibrowser” hat im Vergleich zum Onyx Boox deutliche Schwächen. Gut nutzen lässt sich dagegen der RSS-Feedreader – bei den aktuellsten Nachrichten und den Trends der Blogosphere bleibt man somit auch per E-Reader immer auf dem Laufenden. Zumindest, soweit das WLAN reicht. Überhaupt machen neben der leichten Bedienbarkeit die zahlreichen Zusatzprogramme den eigentlichen Reiz der Pocketbook-Reihe aus. Auch beim “302″ kommen neben einigen Spielen wie Schach, Patiencen oder Sudoku noch der Taschenrechner, das Wörterbuch sowie ein Kalender dazu. Insgesamt kann Pocketbooks neuer Reader locker in der Oberliga der elektronischen Lesegeräte mithalten – nicht nur bei Austattung und Nutzerfreundlichkeit, sondern auch beim Preis. Mit 295 Euro ist das Pocketbook 302 auf Augenhöhe mit Kindle, txtr und Onyx Boox. Sobald Pocketbook kommerzielle Titel in seinem E-Store anbietet, dürfte das Gerät auch auf dem deutschen Markt zu einem ernsthaften Konkurrenten werden.

Pocketbook 302 Specs:

  • Display: 6-Zoll E-Ink-Vizplex mit 16 Graustufen, Touch-Screen, 800×600 Pixel
  • Speicher: 512 MB (SD-Card bis 32 GB möglich)
  • Gewicht: 280 Gramm
  • Unterstützte Formate: EPUB (DRM), PDF (DRM), TXT, HTXT, HTML, Microsoft Word
  • Lieferumfang: USB-Netzadapter, USB-Kabel, Lederetui, 4GB-Micro-SD-Karte
  • Schnittstellen: USB, WLAN- und Bluetooth
  • Besondere Features: G-Sensor, Touch-Screen, Internet-Browser
  • Preis: 295 Euro (Digital Readers.de)

3 Kommentare »

  • newstube.de schrieb:

    Drahtlos ins Leseland: E-Reader Pocketbook 302 im Test…

  • Till schrieb:

    Schöner Review. Ich finde es lustig, dass der 302 mit dem txtr verglichen wird. So viel Vorschuss bekommt sonst nur Apple auf ein Produkt, welches es noch garnicht zu kaufen gibt.

  • Pocketbook Shop schrieb:

    Danke für sehr schönen und umfangreichen Bericht!
    Ich lese schon seit fast zwei Monaten am PB302 und bin sehr zufrieden mit dem Reader! In Kürze erscheinen neue Updates mit dem leistungstärkeren Browser und anderen Verbesserungen aus Vorschlägen der aktiven Benutzern.