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„Do not power down!“: Vor 25 Jahren ging am CERN die erste Website online

9 Aug 2016 0 Kommentare

www-anno-1991Schon gewusst? Das Internet wurde zwar in den USA geboren, für das World Wide Web — Sie baden gerade Ihre Augen darin — gilt jedoch: born in Europe, am 6. August 1991. Genauer gesagt, geboren in der Schweiz. Erfunden haben es allerdings nicht die Schweizer, sondern ein Brite: Tim Berners-Lee, damals Wissenschaftler am Atomforschungzentrum CERN. Vor allem seiner Zunft wollte der Physiker und Informatiker mit den von ihm und Mitstreitern wie Robert Cailliau ausgeheckten Web-Standards unter die Arme greifen: „The WorldWideWeb (W3) is a wide-area hypermedia information retrieval initiative aiming to give universal access to a large universe of documents“, hieß es auf der ersten, noch rein textbasierten HTML-Seite unter der Adresse „http://info.cern.ch“, die CERN-intern vor 25 Jahren online ging — und auch ein paar Hyperlinks zu weiteren (Text-)Seiten enthielt.

„Hypermedia Information Retrieval“

„Der Gedanke hinter dem Projekt war: so viel akademische Informationen wie möglich für jedermann zugänglich zu machen“, so Berners Lee — der sich mit dem „Hypermedia Information Retrieval“ in die Hypertext-Tradition von Grandfather-Nerds wie Vannevar Bush und Ted Nelson stellte. Entwickelt hatte Berners-Lee die technischen Grundlagen bereits seit 1989 auf einem NeXT-Computer, der im CERN-Netzwerk gleich auch als erster Web-Server diente (inklusive angeklebtem Zettel: „DO NOT POWER DOWN!“).

Ohne Berners Lee kein Jeff Bezos

1993 ließ man das WWW dann auf die Welt außerhalb von Academia los — da die Software & Standards als Open Source veröffentlicht wurden, konnte von nun an jedermann einen Server betreiben und Webseiten bauen. Bald boomte das Web, und kommerzialisierte sich ebenso rasch. Was wiederum aus E-Reading-Perspektive eine direkte Traditionslinie ergibt: schon 1994 legte schließlich Jeff Bezos mit der Website Amazon.com den Grundstein für das Amazon-& Kindle-Imperium, das am Ende sogar doppelt von Berners-Lee profitierte. Denn auch E-Books sind schließlich nichts anderes als ein Bündel von textbasierten Webseiten im (erweiterten) HTML-Format, die man auf einem Bildschirm liest…

Übrigens: die Adresse http://info.cern.ch gibt es noch — dort findet man u.a. die Originaltexte von 1991, und sogar einen simulierten Line-Mode-Textbrowser, der beim Browsen durch die frühen Websites echtes Retro-Feeling aufkommen lässt…

(via telegraph.co.uk)

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