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Disruption durch E-Books: “Der deutsche Buchmarkt ist als nächster dran” (Mike Shatzkin)

5 Aug 2013 1 Kommentar

Wenn es um die Umkrempelung des Buchmarkts geht – vulgo: “Disruption”, sind E-Books nur die Spitze des Eisbergs. Denn bereits der Online-Handel mit gedruckten Bücher hat seit Mitte der Neunziger Jahre die Branche stark verändert. Beides zusammen produziert den bekannten Effekt: das Business verlagert sich ins Netz, den Buchläden bleiben die Kunden weg. Als Paradebeispiel für diese Form der schöpferischen Zerstörung musste bisher immer die USA oder Großbritannien herhalten – doch dem prominenten Branchen-Insider Mike Shatzkin zufolge (siehe: “The Shatzkin Files”) gibt’s einen neuen Kandidaten im Herzen von Mitteleuropa: “Wir halten Ausschau am Horizont nach dem ersten Markt, der in ähnlicher Weise disruptet wird. Wir denken, wir haben ihn gefunden. Dieser Markt ist Deutschland.”

Umsatzanteil schon bei 10 Prozent!?

Wichtiges Indiz dafür sei der rasch wachsende Umsatzanteil von E-Books: branchenweit werde zwar aktuell noch mit der Zahl “2-3 Prozent” hantiert, doch eigentlich sei man schon jetzt im zweistelligen Bereich – bei den Verlagen selbst liege der Umsatzanteil schon jetzt bei knapp 10 Prozent (dabei bezieht sich Shatzkin u.a. auf Steffen Meiers Analyse der letzten E-Book Marktstudie des Börsenvereins). Aus US-Perspektive mindestens ebenso bemerkenswert klingt offenbar der Online-Anteil bei Print-Büchern – der liegt in Deutschland nämlich schon jetzt bei 25 Prozent. Außerdem wisse man, dass bei einzelnen Schmökern der Anteil des E-Book-Umsatzes bzw. des Online-Handels weitaus größer sei: “Deswegen ist es sehr wahrscheinlich, dass bei einer Menge Titel auf dem deutschen Markt mehr als die Hälfte der Verkäufe außerhalb der Buchläden stattfindet”.

“Alle Zutaten für die Disruption sind vorhanden”

Den Großteil der Kunden könne man auch in Deutschland längst virtuell erreichen, ohne dass man selbst Regalflächen oder Personal vorhalten müsse. Das zeige auch der Erfolg von Amazon, selbst wenn das Unternehmen mit einem Marktanteil am Online-Handel von zwei Dritteln hier nicht ganz so mächtig sei wie etwa in den USA. Letztlich sind laut Shatzkin “alle Zutaten für die Disruption an Ort und Stelle vorhanden”. Ist also tatsächlich ein ähnlicher Boom wie überm Teich zu erwarten? Ähnlich schon, aber nicht ganz so dynamisch. Schließlich identifiziert Shatzkin zwei wichtige Bremsklötze: einmal die Buchpreisbindung, zum anderen die historische Verspätung des deutschen E-Book-Wunders – mittlerweile müssten E-Reader mit Tablets konkurrieren, und elektronische Lektüre sei auf dem Touchscreen von iPad & Co. nur ein kleiner Teil des Content Angebots.

Mehr zu diesem Thema wird man spätestens auf der Frankfurter Buchmesse erfahren – im Rahmen der Publishers Launch-Konferenz findet ein von Shatzkin organisiertes Panel zum Thema “Germany – Next Market in Transition” statt, bei dem u.a. auch der Einfluss von weiteren “Disruptoren” wie etwa dem Self-Publishing diskutiert werden soll. Mit dabei sind MVB-Chef Ronald Schild, Anne Stirnweis (Random House E-Book Projektmanagerin), Tobias Schmid (E-Commerce-Experte von der Osianderschen) und AKEP-Sprecher Steffen Meier.

(via idealog.com)

Abb.: flickr/Chris Hamby (cc)

Ein Kommentar »

  • Irene schrieb:

    mittlerweile müssten E-Reader mit Tablets konkurrieren, und elektronische Lektüre sei auf dem Touchscreen von iPad & Co. nur ein kleiner Teil des Content Angebots

    Ist nachvollziehbar, wenn es um Unterhaltungsromane geht. Bei E-Books, die nützlich und informativ sind (Ratgeber, Fachbücher), halte ich die Tablets aber eher für eine zusätzliche Möglichkeit, E-Books ohne Reader relativ komfortabel zu lesen. Und manche Titel werden erst durch das Farbdisplay richtig attraktiv.