Direkte Deals mit Star-Autoren: Macht Amazon Verlage überflüssig?

direkte-deals-mit-star-autoren_macht-amazon-verlage-uberflussig_bild_pixelio_oliver_klasWozu braucht man eigentlich noch Verlage? Nicht nur E-Books werden schon jetzt online beworben und verkauft, Print-On-Demand macht die Lagerhaltung von gedruckten Büchern überflüssig, und zur Produktion eines E-Books braucht man bestenfalls noch einen Layouter. Das Magazin Fastcompany hat auf dieser Grundlage ein Schreckenszenario entworfen — aus Sicht der Verlage, wohlgemerkt. Was wäre, wenn Amazon direkte Deals mit Bestseller-Autoren wie Dan Brown aushandeln würde? Die Rechnung würde so aussehen: kein Vorschuß mehr, dafür eine höhere Gewinnbeteiligung.

Pickt Amazon sich die Rosinen aus dem E-Book-Markt heraus, brechen den Verlagen sicher geglaubte Umsätze weg

Amazon könnte ganz einfach sagen: wir behalten 20 Prozent der E-Book-Einnahmen, die restlichen 80 Prozent bekommt der Autor. Bisher ist es genau umgekehrt: selbst Star-Autoren bekommen in den USA meist nicht mehr als 15 Prozent der Einnahmen, den Rest streichen die Verlage ein. Für die Autoren wäre ein 80:20-Deal also eine wahre Goldgrube, für viele Verlage allerdings eine echte Katastrophe. Für die Literatur insgesamt wohl auch. Denn bisher werden über die großen Namen im Verlagsprogramm auch die kleinen finanziert. Besonders realistisch wird das neue Modell durch den Erfolg von elektronischen Büchern: „If e-books take off, Amazon could cherry-pick the biggest-selling authors, and publishers would suddenly find themselves cut off from their most bankable sources of revenue“, zitiert Fastcompany die Verlegerin Marion Maneker. Was die Sache noch etwas beunruhigender für die Verlage machen dürfte: das Modell funktioniert auch im Print-Sektor.

Wer braucht noch Verlage, wenn Amazon Druck und Verkauf von Büchern selbst macht?

Fastcompany zitiert ein Szenario aus der Feder von Richard Curtis, Literaturagent und Gründer des E-Book-Verlags E-Reads: Wenn Amazon 500.000 Vorbestellungen für den neuen Dan Brown-Roman vorweisen könnte, warum sollte es erst Wagenladungen voller Bücher von Browns Hausverlag Random House in sein eigenes Warenlager transportieren lassen? Wäre es nicht viel einfacher, sich vom Verlag die PDF-Datei geben zu lassen und die Bücher über BookSurge Press (ein Print-On-Demand und Online-Distributions Service von Amazon) zu drucken? Die heikle Frage ist also: „Why would anybody need a traditional book publisher when you can essentially make Amazon your buyer and your seller in one stroke?“

Amazons größte Bedrohung könnte in Zukunft ein E-Reader von Apple sein

Wie real die Drohung ist, kann man an der Preisgestaltung im Rahmen der E-Books für den Amazon Kindle sehen: Amazon hat es geschafft, einen Einheitspreis von 9 Dollar 99 durchzudrücken. Oder mit den Worten von Curtis: „If you are in a position to dictate your purchase price, then you are well on the way to cornering the market“. Der niedrige Preis wiederum ist wichtig, um eine dominante Marktposition zu erobern: mit einer vergleichbaren Low-Price-Strategie hat sich Apple via iTunes & iPod einen Marktanteil bei Musikdownloads von fast 80 Prozent gesichert. Das große Vorbild für Amazon ist zugleich aber auch die größte Bedrohung: denn Apple plant offenbar selbst ein neues, ipod-ähnliches Gadget mit verbesserten E-Reader-Funktionen.

Bild: Pixelio/Oliver Klas

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Direkte Deals mit Star-Autoren: Macht Amazon Verlage überflüssig?“

Kommentare sind geschlossen.