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Direkt-Publishing per Kindle & Sony Reader: US-Autoren lassen Verlage links liegen

9 Nov 2009

RocketBoy Direkt-Marketing mit Amazon Kindle US-Autoren pfeifen auf Verlage.jpgEine Gruppe amerikanischer Sci-Fi-Autoren pfeift auf Verlage – und veröffentlicht E-Books ab jetzt direkt bei Amazon als Kindle-Version. Die über den „Book View Café“-Blog organisierte Gruppe bringt als erstes eine elektronische Anthologie mit dem Titel „Rocket Boy and the Geek Girls“ heraus. Das Direkt-Vermarktungs-Modell für E-Books dürfte auch für deutsche Autoren interessant sein – denn hierzulande sind die Honorarsätze für Autoren noch geringer als in den USA.

Die Kindle-Version der E-Book-Anthologie für Sci-Fi-Freunde gibt’s für 4,99 Dollar


Wer braucht noch Verlage, fragen sich derzeit viele Autoren – vor allem, wenn E-Books trotz stark sinkender Produktionskosten für die Urheber nicht deutlich mehr Honorar abwerfen als das gute alte Hardcover? Zuletzt hatte der renommierte MacMillan-Verlag noch Öl ins Feuer gegossen – er senkte die Ausschüttungen für E-Book Titel von 25 auf 20 Prozent. Eine Gruppe von erfolgreichen Sci-Fi Autoren, darunter Ursula K. Le Guin, Vonda N. McIntyre sowie Sarah Smith hat bereits Ende 2008 reagiert – und unter dem Titel „Book View Café“ (BVC) eine E-Publishing-Plattform gegründet. Nun geht das „Online Publishing Venture“ in eine neue Phase – mit der Anthologie „Rocket Boy“ peilt man ein ganz großes Publikum an – die E-Reader-Gemeinde von Amazon, Sony & Co. “Die Infrastruktur für das E-Publishing steht jetzt“, so Autorin und Projektmanagerin Sarah Zettel. “Die BVC-Autoren verfügen über genügend Content und haben auch das notwendige Wissen um davon von zu profitieren“. Um Exklusivität geht es jedoch nicht: Man nutzt zwar den E-Book-Store von Amazon, doch auf der BookViewCafe-Seite gibt es auch einen Download-Bereich für verschiedene andere Formate wie epub, pdf, mobi oder prc. Die Version für den Kindle kostet 4,99 Dollar.

Deutsche Autoren sind magere acht bis zehn Prozent Gewinnbeteiligung gewöhnt – bei Kindle E-Books könnten aber 50 Prozent winken

Das Projekt wird wohl nicht nur in der us-amerikanischen Literatur-Szene für heftige Diskussionen sorgen – schließlich waren viele der insgesamt 26 Mitglieder des BookView-Cafés bisher bei renommierten Verlagen unter Vertrag – z.B. Random House, Tor Books oder Simon&Schuster. Für viele populäre Autoren dürfte ein Direktvermarktungs-Modell auch in Europa interessant sein. Bisher sind bei Hardcoverausgaben hierzulande Honorare von acht bis zehn Prozent des Nettoladenpreises üblich, bei Taschenbüchern gibt’s acht Prozent erst ab einer Auflage von 100.000. In den USA ist man anderes gewöhnt: hier wird bei gebundenen Büchern etwa schon bei geringer Auflage zehn Prozent gewährt, viele Autoren landen schnell bei mindestens 15 Prozent. Andere Größenordnungen versprechen E-Books: Amazon hat keine Probleme, mit Bestseller-Autoren auf dem Kindle einen Fifty-Fifty-Deal zu machen. In Europa dürfte allerdings mittelfristig mangels einer genügend großen Zahl an E-Readern eher die Vermarktung über iPhone und andere Handys im Vordergrund stehen. Derweil haben die Sci-Fi-Autoren des Book View Club schon das nächste Projekt in Angriff genommen: am 15. Dezember erscheint der zusammenhängende Short-Story-Sampler THE SHADOW CONSPIRACY. („set in an alternate Victorian age filled with airships, and automata where a human’s soul can be stolen and a machine’s soul can be born“). Wie bei Rocket Boy gibt es keinen Umweg über Verlage – das Buch landet direkt auf den Displays von Kindle, iPhone & Co.